Zeppelinfeld

Nürnberg kennenlernen

Das Zeppelinfeld war Ausstellfläche, Festivalgelände und vieles mehr - nun wird es Zeltplatz für den Kirchentag.

Zeppelintribüne und Zeppelinfeld

Nirgends werden Größenwahn und Führerkult so deutlich wie auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg. Stellen Sie sich auf die Stufen der Zeppelintribüne, lassen Sie den Blick über das Zeppelinfeld darunter schweifen – dann wird die Dimension sichtbar.

Schon am Wochenende vor dem Kirchentag pilgern Zehntausende nach Nürnberg. Ihr Ziel: Rock im Park. Drei Tage lang Festival auf dem Zeppelinfeld. Für was die Tribüne neben dem Festivalgelände gebaut wurde, wissen viele der Besucher:innen wahrscheinlich nicht. Die Stadt jedenfalls hätte es gern, dass es alle wissen. Denn sie kämpft seit Jahren gegen das Vergessen und setzt sich für den Erhalt der maroden NS-Monumente im Nürnberger Süden ein.

Zum Kirchentag entsteht hier der Camping- und Zeltplatz, dessen Infrastruktur teilweise von "Rock im Park" übernommen wird. Unterkommen in fußnähe zur Messe, ein wahrer Geheimtipp.

Kriegsspiele und Lichtspektakel fürs Volk

Zwölf Fußballfelder ist die Wiese groß, die ihren Namen trägt, weil Graf Zeppelin dort 1909 mit einem Zeppelin gelandet war. Knapp 30 Jahre später bauten die Nationalsozialisten dort ein Aufmarschgelände für die Reichsparteitage. 250.000 Menschen fasste das Feld, 70.000 Zuschauer:innen fanden auf den Rängen ringsherum Platz. Besonders gefragt war der "Tag der Wehrmacht". Kein billiges Vergnügen, die Eintrittskarten waren begehrt und teuer. Dafür gab es Kriegsspiele: marschierende Soldaten, die neuesten Panzer, Flakgeschütze und brennende Hütten beim Häuserkampf. "Schaut her, wie stark wir sind", war die Botschaft für die ganze Welt.

Hitler sah von oben hinab aufs gemeine Volk und die, die auf dem Feld stundenlang strammstehend ausharrten oder in albernen Ringelreihen vorturnten. Er stand auf der Rednerkanzel in der Mitte der Haupttribüne, durch eine Paradestraße vom Feld getrennt. Sein Architekt Albert Speer wählte den antiken Pergamonaltar als Vorbild und schuf damit die Bühne für einen pseudoreligiösen Führerkult. Innerhalb von drei Jahren war sie aufgebaut. Heute sind Feld und Tribüne die einzigen Bauwerke auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände, die tatsächlich fertiggestellt wurden und erhalten sind.

Die Nationalsozialisten inszenierten sich dort: Beim "Abend der politischen Leiter" leuchteten 150 Flakscheinwerker rund um das Feld kilometerweit in den Nachthimmel. So weit, dass man es bis in die Nachbarstädte sehen konnte. Auf dem Feld standen die Menschen dann in einer Art "Lichtdom". Ein Spektakel, das nur mit Hilfe eines extra errichteten Umspannwerks möglich war, mit dem man eine Großstadt mit Strom hätte versorgen können.

Hakenkreuz gesprengt

Am 22. April 1945, zwei Tage nach Hitlers Geburtstag, sprengte die US Army das riesenhafte goldene Hakenkreuz auf der Tribüne. Die Amerikaner, die nach dem Fall der Nationalsozialisten in Nürnberg einmarschiert sind, setzten damit ein Zeichen: Es ist vorbei! Auch die Stadt entfernte in den Folgejahren Teile der Anlage: die Pfeileraufbauten mit den Hakenkreuzmosaiken an der Decke als erstes, dann Teile der Seitenpylonen und mit ihnen die gigantischen Feuerschalen. Eine davon steht heute im Innern der Tribüne im "Goldenen Saal". Sie ist so groß wie ein Swimmingpool. Kein Wunder, dass die andere jahrelang im Stadionbad stand, blau und orange lackiert, als Kinderplanschbecken. Heute lehnt sie vergessen an der Rückwand der Tribüne.

Wenn Sie an der Zeppelintribüne vorbeikommen, dann steigen Sie ein paar Stufen hinauf und wechseln Sie die Perspektive. Sie werden angesichts der gewaltigen Dimensionen erahnen, was an diesem Ort geschehen ist. Und Sie sehen auch: Die Tribüne bröckelt. Wo vor zwanzig Jahren noch Tennisspieler ihre Bälle gegen die Rückwand geklopft haben, schützen heute Zäune vor Steinschlag, manche Bereiche sind aus Sicherheitsgründen gar komplett gesperrt. Die Sanierung von Feld und Tribüne wird rund 85 Millionen Euro kosten und noch Jahre dauern. Schöner werden sollen sie nicht, aber erhalten sollen sie bleiben und zu einem historisch-politischen Lern- und Begegnungsort entwickelt werden.

 

Weitere Informationen auf: nuernberg.de

Autorin: Heike Bauer, Stadt Nürnberg

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