Verantwor­tungsvoll planen

Interview

Finanzchef Stephan Menzel über Aufgaben, Veränderungen und Herausforderungen in der Finanzierung von Deutschen Evangelischen Kirchentagen

Erschienen in "Der Kirchentag - Das Magazin" zum Schwerpunkt Wirtschaft, Macht, Verantwortung 4/2020
 
Seit 2016 sind Sie Finanzchef des Kirchentages. Was sind Ihre Hauptaufgaben?

Vergleichbar zu Wirtschaftsunternehmen bin ich zusammen mit meinem Team für alle kaufmännischen Aspekte rund um den Kirchentag verantwortlich. Meine Tätigkeit gliedert sich im Wesentlichen in zwei Teilbereiche: die dauerhafte und langfristige Finanzierung von Kirchentagen sowie die konkrete finanzielle Planung, Vorbereitung und Durchführung einzelner Kirchentage.

Damit auch in Zukunft noch Kirchentage stattfinden können, gilt es die langfristige Finanzierung und Liquidität sicherzustellen. Dafür führen wir Gespräche mit Landeskirchen, Städten, Ländern und dem Bund für die Ausrichtung und Finanzierung von zukünftigen Kirchentagen. Und wir sind dauerhaft damit beschäftigt, neue Möglichkeiten der Finanzierung zu finden.

In der Vorbereitung, Planung und Durchführung einzelner Kirchentage bin ich dafür verantwortlich, dass am Ende der Veranstaltung eine schwarze Null steht. Als gemeinnützige Organisation erwirtschaften wir keine Gewinne: Einnahmen und Ausgaben müssen sich am Ende die Waage halten.

Dass uns dies bei meinen bisherigen Kirchentagen in Berlin und Dortmund mit Haushalten von jeweils etwa 20 Millionen Euro am Ende so gut gelungen ist, macht mich stolz auf das gesamte Team, da wir von Beginn bis zum Schluss mit vielen Unsicherheiten, Ungewissheiten und Variablen planen müssen.

 
Dem Kirchentag ist es wichtig, allen Menschen die Teilnahme zu ermöglichen, unabhängig von Einkommen und anderen Voraussetzungen. Gleichzeitig wollen wir ein attraktives Programm bieten und die aktuellen Themen unserer Gesellschaft ansprechen.
Was waren die größten Veränderungen in den letzten vier Jahren?

Aktuell haben wir vor allem mit schleichenden Veränderungen zu tun, die sich parallel auch in der Gesamtgesellschaft zeigen. Das zeigt sich zum Beispiel in der veränderten Struktur der Teilnehmenden von zuletzt mehr Tagesgästen und Einzelteilnehmenden statt Gruppenteilnehmenden. Das wirkt sich stark auf die Struktur unserer Einnahmen aus.

Darüber hinaus sehen sich die Zuwendungsgeber, und damit auch wir, unter einem immer größeren Rechtfertigungsdruck, warum evangelische Kirchentage aus öffentlicher Hand gefördert werden sollen. Dass der Kirchentag mit seinen vielfach auch kostenfreien Veranstaltungen eine wichtige Säule der Gesellschaft ist, vor allem gesellschaftliche Themen behandelt, Kultur bietet und viel für die jeweilige Region erreicht, in der ein Kirchentag stattfindet, ist erst einmal nicht für jeden ersichtlich.

In den vergangenen vier Jahren ist es uns aber immer wieder sehr gut gelungen, darzustellen, welche wichtigen Aufgaben der Kirchentag wahrnimmt und wie verantwortungsbewusst er zum Beispiel auch mit dem Geld umgeht. In vielen Gesprächen mit Zuwendungsgebern und den positiven Eindrücken der Wirtschaftsprüfer*innen, die uns zum Abschluss eines Kirchentages prüfen, zeigt sich aber, welch guten und wichtigen Job das gesamte Kirchentagsteam macht.

Das bestärkt mich immer wieder in meiner eigenen Arbeit. Wir konnten das Volumen an Projektgeldern und Projekten zuletzt deutlich erhöhen, was uns die Möglichkeit gibt, unsere Veranstaltung organisatorisch und inhaltlich weiterzuentwickeln und zum Beispiel einen immer ökologischeren Fußabdruck zu hinterlassen.

Die letzten vier Jahre haben aber auch große persönliche Veränderungen für mich gebracht. Anfangs wurde ich wohl mit meinem beruflichen Hintergrund aus den Frankfurter Finanztürmen eher als Exot angesehen. In den letzten Jahren konnte ich tiefer und tiefer in die Kirchentags-Welt eintauchen und fühle mich mittlerweile sehr wohl und als Teil dieser einzigartigen Bewegung.

 
Der Kirchentag ist eine wichtige Bewegung und Veranstaltung für die Gesellschaft und das öffentliche Leben in der gastgebenden Region.
Wie kann der Kirchentag auch in Zukunft auf guten finanziellen Säulen stehen?

Wichtig ist zunächst zu schauen, was wir erreichen wollen. Dem Kirchentag ist es wichtig, allen Menschen die Teilnahme zu ermöglichen, unabhängig von Einkommen und anderen Voraussetzungen. Gleichzeitig wollen wir ein attraktives Programm bieten und die aktuellen Themen unserer Gesellschaft ansprechen. Um dies zu erreichen, sind wir weiterhin auf die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit unseren bewährten Partnern angewiesen.

Die Landeskirchen, die zusammen mit der jeweiligen Stadt und dem Land einladen, den Kirchentag vor Ort auszurichten, werden weiterhin die tragenden Säulen in der Finanzierung bleiben. Darüber hinaus müssen die öffentlichen Zuwendungsgeber weiterhin wichtige gesellschaftliche Ereignisse wie den Kirchentag mitfinanzieren.

Die guten Gespräche, die wir in der Vergangenheit schon geführt haben, machen mich diesbezüglich sehr zuversichtlich, da immer wieder zu spüren ist: Der Kirchentag ist eine wichtige Bewegung und Veranstaltung für die Gesellschaft und das öffentliche Leben in der gastgebenden Region.

Um unser Engagement in den Bereichen Umwelt und Barrierefreiheit sowie bei vielen weiteren inhaltlichen und politischen Themen, zum Beispiel im Bereich entwicklungspolitischer Bildungsarbeit, aufrechterhalten zu können, sind wir weiterhin auf die Möglichkeit angewiesen, Projektgelder für innovative und wichtige Themen generieren zu können.

Nicht zuletzt fußt auch unsere Veranstaltung auf vielen Partnerschaften aus der freien Wirtschaft, auf Spenden von Privatpersonen und Stiftungen, die unsere Idee und unser Tun unterstützen möchten und Teil unserer Bewegung sein möchten. Wir selbst müssen weiterhin ein attraktives, am Zeitgeschehen orientiertes Programm schnüren, das viele Menschen anzieht.

Das alles ist nur mit einem guten Team zu schaffen. Das gilt für unser kleines Finanz- und Controlling Team, die Mitarbeiter*innen an den Standorten des Kirchentages und insbesondere das weite Team unzähliger Ehrenamtlicher, die Kirchentage zu unvergesslichen, aber auch finanzierbaren Erlebnissen machen.

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