Drei junge Leute auf Fahrrädern

Umweltengagement

Der Kirchentag ist eine der umweltfreundlichsten Großveranstaltungen in Deutschland. In seiner Arbeitskultur ist Klimaschutz fest verankert.

Humusbildung

Der Kirchentag nutzt schon lange mobile Toilettenanlagen für den Abend der Begegnung, den Schlussgottesdienst und für seine Zeltstadt. Anlässlich des Internationalen Jahr des Bodens wurden beim Kirchentag in Stuttgart erstmals auch etwa 50 Komposttoiletten eingesetzt, um aus dem „Mist“ der Kirchentagsgäste Humus herzustellen. Normalerweise werden die mit Duft- und Desinfektionsmitteln behandelten Fäkalien aus den Chemietoiletten abgepumpt und in eine Kläranlage gefahren. Komposttoiletten schonen Ressourcen (kein Wasser, keine Chemie) nutzen Rohstoffe (Phosphor, Kalium, Stickstoff) und fördern eine Kreislaufwirtschaft (Humusgewinnung). Die mit Toilettenpapier und Holzkohle durchsetzten Fäzes werden mit gehäckselten Birkenzweigen und Grasschnitt vermischt kompostiert und produzieren so etwa 10 bis 20 Kubikmeter Humus. Vor und nach der etwa sechsmonatigen Kompostierung wird der Kompost auf Arzneimittelrückstände untersucht. Für die Verwertung des Komposts ist außerdem wichtig, ob er hygienischen unbedenklich oder schwermetallbelastet ist. Der fertige Humus kann dann beispielsweise zur Pflanzung von Apfelbäumen genutzt werden.

Wasserspülungen sind angesichts global wachsender Wasserknappheit bei gleichzeitig dramatischem Rückgang fruchtbarer Böden ein kritisches Merkmal moderner Toiletten. Angesichts der Vielzahl globaler Herausforderungen wie Klimawandel, Bodendegradation, Endlichkeit der Phosphor- und Kaliumvorkommen, Kostbarkeit von sauberem Trinkwasser und bestehenden Hygieneproblemen braucht es neuartige Sanitärsysteme (NASS), die Trinkwasser sparen und die vorhandenen Wertstoffe in den Kreislauf zurückführen.

Der Bau und der Einsatz von Trockentoiletten mit der Nutzung der Fäzes zur Humusbildung kann – bei sachgemäßer Anwendung – sozial und ökologisch sinnvoll sein. Es gibt zahlreiche Anwendungsbereiche, in denen eine die Chemie- oder Wassertoilette durch Komposttoiletten sinnvoll ersetzt werden könnte. Es gibt schon erste kommunale und private Projekte unter anderem im botanischen Garten in Berlin. Mit seinem Projekt möchte der Kirchentag zu Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft öffentlich anregen.

Am Projekt Humusbildung des Deutschen Evangelischen Kirchentages sind beteiligt: AVL Abfallverwertungsgesellschaft des Landkreises Ludwigsburg mbH, Goldeimer GmbH, Institut für Siedlungswasserwirtschaft der Universität Stuttgart, ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung, Bruno Nagel - Sprachbehausung, Terrapellet. Finanziell gefördert wird das Projekt durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (AZ 32799/01).

Ansprechpartner beim Kirchentag: Christof Hertel, umwelt@kirchentag.de

KleVer - Klimaeffiziente Verpflegung

Der menschengemachte Klimawandel als globales Problem mit regionalen Auswirkungen betrifft uns alle. Deshalb will auch der Kirchentag in dieser Hinsicht Verantwortung übernehmen. Im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative arbeitete der Kirchentag in Hamburg mit dem Projekt „KleVer – Klimaeffiziente Verpflegung bei Großveranstaltungen“ erstmals an einem umfassenden, klimafreundlichen und nachhaltigen Verpflegungskonzept aller Beteiligten.

Langfristig angelegt soll dieses Projekt dazu beitragen, nicht nur die Veranstaltung Kirchentag selbst so ressourcenschonend wie möglich zu organisieren, sondern Teilnehmende und Kirchentagsinteressierte aktiv in das Projekt einzubinden und sie zu motivieren, auch im Alltag klimafreundlich zu leben.

Im Blickpunkt des Projektes liegen aus diesem Grund alle Verpflegungsbereiche der Gesamtveranstaltung. Dazu zählen beispielsweise Sitzungsbetreuung, Helfende, Teilnehmende und Hotels. Wichtig für den Erfolg des Projektes ist es, dieser Bandbreite an Geschmäckern gerecht zu werden und die Erfordernisse der Einzelbereiche zu berücksichtigen.

Achten Sie insbesondere bei der Auswahl Ihrer Tagesverpflegung auf dem Kirchentag auf das vielfältige, aus saisonalen, regionalen und biologischen Produkten zusammengestellte Speiseangebot des Kirchentages! Denn hier können Sie pro Mahlzeit bis zu 30 Prozent CO2 -Emissionen einsparen und so einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, ohne auf Genuss verzichten zu müssen.

Leckeres Essen im Gläsernen Restaurant

Expertentagung "Klimafreundliche Verpflegung"

Im April 2014 veranstalteten der Deutsche Evangelische Kirchentag und die Evangelische Akademie Bad Boll eine zweitätige Expertentagung zur nachhaltigen und klimaeffizienten Verpflegung auf Großveranstaltungen. Die Themen reichten von biofairer Ernährung und Nachhaltigkeitsmanagement bei Hotels und Caterern bis zu persönlichen Gesprächen mit Erzeugern von Bio-Obst und Gemüse, wie dem Biogroßhändler ecofit aus Stuttgart und dem Biohof Hörz in Filderstadt. Gemeinsam diskutierten die Teilnehmenden, wie das ideale Ziel für Ernährung auf Veranstaltungen erreicht werden kann: regional, saisonal, ökologisch und fair.

Kirchentags-Geschäftsführerin Lena Schneider zog eine positive Bilanz: „Beim Kirchentag mit seinen 600.000 Mahlzeiten an fünf Tagen muss viel über Essen nachgedacht werden. Dazu gehört auch, dass man das Erreichte mit einer Tagung wie dieser reflektiert, um in Zukunft noch besser werden zu können.“ Seit dem Kirchentag in Hamburg 2013 werden Umwelt- und Klimaprojekte zum Thema Ernährung beim Deutschen Evangelischen Kirchentag unter dem Namen KleVer gebündelt, etwa das klimafreundliche Gläserne Restaurant oder die dazugehörige Kochbuch-App.

Ein Caterer bei der Arbeit

Lastenrad-Projekt

Mit dem Projekt „Emissionsfreie Logistik“ sollten die vielfältigen Vorzüge des Einsatzes von Lastenrädern bei Großveranstaltungen getestet werden. Die Lastenräder wurden in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt, beispielsweise bei den Fahrradkurieren. Die Erfahrungen des Projektes wurden sowohl im Rahmen einer Tagung, als auch in dem „Leitfaden Lastenräder einsetzen“ dokumentiert.

Ziel des Projektes ist es, die Logistik einer Großveranstaltung mit weniger Emissionen abzuwickeln. Der 34. Deutsche Evangelische Kirchentag wird systematisch Teile notwendiger Güter mit Lastenfahrrädern statt mit motorisierten Verkehrsmitteln transportieren. Aufgrund der zahlreichen und vielfältigen Veranstaltungsorte eines Kirchentages ist ein hoher logistischer Aufwand notwendig, um diese mit Materialien zu versorgen.

Die Lastenfahrräder sind in Hamburg zum ersten Mal systematisch mit eingeplant. Viele Kirchentagsteilnehmer reisen bereits mit umweltfreundlichen Verkehrsmitteln an. Durch die Verlagerung der Materialtransporte aufs Lastenrad können nun auch in diesem Bereich die Emissionen reduziert werden.

Ein Lastenrad im Einsatz in Hamburg

Transporte mit Lastenrädern gestalten

Eine Gruppe von mehr als zwanzig ehrenamtlichen Fahrradkurieren gibt es beim Kirchentag bereits seit zahlreichen Kirchentagen. Eine motorisierte Fahrbereitschaft wickelte die Mehrzahl der Gütertransporte ab. Erstmals stehen den Fahrradkurieren neben Fahrrädern auch systematisch Lastenräder zur Verfügung, um auch größere und schwerere Mengen transportieren zu können und so mehr Gütertransporte emissionsfrei zu gestalten. Sie werden im Aufbau, der Durchführung und im Abbau eingesetzt werden. Hierbei geht es vorrangig um Materialtransporte zu Veranstaltungsorten. Während des Kirchentages müssen beispielsweise die tagesaktuellen Änderungszettel an die Teilnehmenden verteilt werden. Benötigtes Material kann in letzter Minute noch an Veranstaltungsorte gebracht werden und der Transport erzeugt dabei keine Abgase.

Das Projekt setzt die teilweise elektrisch unterstützten Lastenräder in unterschiedlichen Bereichen ein und nutzt eine vielfältige Auswahl von Modellen mit unterschiedlichen Transportmöglichkeiten. Hierdurch sollen auch Erkenntnisse gewonnen werden, die auf andere Großveranstaltungen übertragbar sind. Das Spektrum wird von Briefkisten bis zu beladenen Europaletten reichen.

Gleichzeitig ist das Fahrrad im innerstädtischen Verkehr das schnellere Fahrzeug. Wo Transporte vom Fahrrad nicht geleistet werden können unterstützt weiterhin eine Fahrbereitschaft mit Transportern und LKW die Organisation des Kirchentages.

Leitfaden

Im Rahmen des Projektes wurden die Ergebnisse und Erkenntnisse des Projektes in einem Leitfaden dokumentiert. Zielgruppe sind insbesondere andere Veranstalter sowie Betriebe mit Betriebsgelände. Der Leitfaden kann hier als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Lastenradtagung

Die Tagung "Lastenräder im Einsatz – bei Großveranstaltungen und in Großeinrichtungen" fand am 24.Oktober 2013 mit über 50 Fachteilnehmern aus Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Kirche statt. Die Präsentationen der Referenten können im Folgenden heruntergeladen werden.

Ergebnisse des Projekts Emissionsfreie Logistik beim 34. Deutschen Evangelischen Kirchentages 2013 in Hamburg

Produkte, Projekte und Innovationen rund um Transporte mit dem Fahrrad , Velokonzept/Berlin

Industrieservice umweltfreundlich und deutschlandweit. Die Nutzung von Lastenfahrrädern im Betriebsablauf in Unternehmen verschiedenster Größen

Heavy Metal und Fahrräder: Die Nutzung von Lastenfahrrädern beim Wacken Open Air (W:O:A)

Diese Seite teilen