Drei junge Leute auf Fahrrädern

Umweltengagement

Der Kirchentag ist eine der umweltfreundlichsten Großveranstaltungen in Deutschland. In seiner Arbeitskultur ist Klimaschutz fest verankert.

Seit Jahren setzt sich der Kirchentag für die Umwelt ein. Hier finden Sie eine kleine Auswahl bisheriger Projekte der letzten Kirchentage.

Stuttgart 2015

Humusbildung – Das Komposttoilettenprojekt

Der Kirchentag nutzt schon lange mobile Toilettenanlagen z.B. für den Abend der Begegnung und den Schlussgottesdienst. Anlässlich des Internationalen Jahr des Bodens wurden beim Kirchentag in Stuttgart erstmals auch etwa 50 Komposttoiletten eingesetzt, um aus dem „Mist“ der Kirchentagsgäste Humus herzustellen. Normalerweise werden die mit Duft- und Desinfektionsmitteln behandelten Fäkalien aus den Chemietoiletten abgepumpt und in eine Kläranlage gefahren. Komposttoiletten schonen Ressourcen (kein Wasser, keine Chemie), nutzen Rohstoffe (Phosphor, Kalium, Stickstoff) und fördern eine Kreislaufwirtschaft (Humusgewinnung). Die mit Toilettenpapier und Holzkohle durchsetzten Fäzes werden mit gehäckselten Birkenzweigen und Grasschnitt vermischt, kompostiert und produzieren so etwa 10 bis 20 Kubikmeter Humus. Der entstandene Abfall wird jeweils vor und nach der Kompostierung auf Arzneimittelrückstände, hygienische Unbedenklichkeit und Schwermetall untersucht. So konnte der fertige Kirchentags-Humus bedenkenlos zum Pflanzen eines Apfelbaums im Projekt „Niemands Land“ auf dem ehemaligen Mauerstreifen genutzt werden.

 

Wasserspülungen sind angesichts global wachsender Wasserknappheit bei gleichzeitig dramatischem Rückgang fruchtbarer Böden ein kritisches Merkmal moderner Toiletten. Angesichts der Vielzahl globaler Herausforderungen wie Klimawandel, Bodendegradation, Endlichkeit der Phosphor- und Kaliumvorkommen, Kostbarkeit von sauberem Trinkwasser und bestehenden Hygieneproblemen braucht es neuartige Sanitärsysteme (NASS), die Trinkwasser sparen und die vorhandenen Wertstoffe in den Kreislauf zurückführen.

Der Einsatz von Trockentoiletten mit der Nutzung der Fäzes zur Humusbildung kann – bei sachgemäßer Anwendung – sozial und ökologisch sinnvoll sein. Es gibt zahlreiche Anwendungsbereiche, in denen die Chemie- oder Wassertoilette durch Komposttoiletten sinnvoll ersetzt werden könnte. Es gibt schon erste kommunale und private Projekte unter anderem im botanischen Garten in Berlin. Mit seinem Projekt möchte der Kirchentag zu Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft anregen.

Am Projekt Humusbildung des Deutschen Evangelischen Kirchentages waren beteiligt: AVL Abfallverwertungsgesellschaft des Landkreises Ludwigsburg mbH, Goldeimer GmbH, Institut für Siedlungswasserwirtschaft der Universität Stuttgart, ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung, Bruno Nagel - Sprachbehausung, Terrapellet. Finanziell gefördert wurde das Projekt durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (AZ 32799/01).

Emissionsfrei Mobil für Menschen mit Behinderung

Fahrräder gehören zum Kirchentag und viele Teilnehmende leihen sich Fahrräder für die Wege zwischen den Veranstaltungsorten. Das macht Spaß und ist gut für die Umwelt. Beim Stuttgarter Kirchentag konnten auch Teilnehmende "emissionfrei mobil" sein, die übliche Fahrräder nicht selbst als Mittel für die Fortbewegung nutzen können, zum Beispiel weil sie einen Rollstuhl benötigen oder gehbehindert sind.

Für kurze Strecken konnte der kostenlose Fahrdienst mit Fahrrad-Rikschas und Fahrrad-Rollstuhl-Kombinationen der Johanniter-Unfall-Hilfe genutzt werden.

Neben der Beförderung durch die Johanniter-Unfall-Hilfe standen außerdem Tandems zur Ausleihe zur Verfügung, die zum Beispiel von Personen mit einer Sehbehinderung oder mit Gleichgewichtsstörung zusammen mit ihren Begleitpersonen genutzt werden konnten.

Die dritte Möglichkeit zur emissionsfreien Beförderung führte per Rikscha vom Hauptbahnhof durch den Schlossgarten zum U-Bahnhof Mineralquellen. Angeboten wurde der Fahrdienst von der Bahnhofsmission Stuttgart.

Hamburg 2013

KleVer – Klimaeffiziente Verpflegung und Expertentagung „Klimafreundliche Verpflegung“

Der menschengemachte Klimawandel als globales Problem mit regionalen Auswirkungen betrifft uns alle. Deshalb will auch der Kirchentag in dieser Hinsicht Verantwortung übernehmen. Im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative arbeitete der Kirchentag in Hamburg mit dem Projekt „KleVer – Klimaeffiziente Verpflegung bei Großveranstaltungen“ erstmals an einem umfassenden, klimafreundlichen und nachhaltigen Verpflegungskonzept aller Beteiligten.

Langfristig angelegt sollte dieses Projekt dazu beitragen, nicht nur die Veranstaltung Kirchentag selbst so ressourcenschonend wie möglich zu organisieren, sondern Teilnehmende und Kirchentagsinteressierte aktiv in das Projekt einzubinden und sie zu motivieren, auch im Alltag klimafreundlich zu leben.

Im Blickpunkt des Projektes lagen aus diesem Grund alle Verpflegungsbereiche der Gesamtveranstaltung. Dazu zählten beispielsweise Sitzungsbetreuung, Verpflegung der Helfenden, Teilnehmende und Hotels. Wichtig für den Erfolg des Projektes ist es, dieser Bandbreite an Geschmäckern gerecht zu werden und die Erfordernisse der Einzelbereiche zu berücksichtigen.

Bis heute haben sich die im Projekt entwickelten Standards beim Kirchentag gehalten.

Emissionssfreie Logistik – Das Lastenradprojekt

Mit dem Projekt „Emissionsfreie Logistik“ sollten die vielfältigen Vorzüge des Einsatzes von Lastenrädern bei Großveranstaltungen in der Praxis getestet werden. Die Lastenräder wurden in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt, beispielsweise bei den Fahrradkurieren. Die Erfahrungen des Projektes wurden sowohl im Rahmen einer Tagung, als auch in dem „Leitfaden Lastenräder einsetzen“ dokumentiert.

Ziel des Projektes war es, die Logistik einer Großveranstaltung mit weniger Emissionen abzuwickeln. Der 34. Deutsche Evangelische Kirchentag transportierte systematisch Teile notwendiger Güter mit Lastenfahrrädern statt mit motorisierten Verkehrsmitteln. Aufgrund der zahlreichen und vielfältigen Veranstaltungsorte eines Kirchentages ist ein hoher logistischer Aufwand notwendig, um diese mit Materialien zu versorgen.

Die Lastenfahrräder waren in Hamburg zum ersten Mal standardmäßig mit eingeplant. Durch die Verlagerung der Materialtransporte aufs Lastenrad können seit dem in diesem Bereich die Emissionen reduziert werden.

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