Finanzen

So wirtschaftet der Kirchentag.

Ein Deutscher Evangelischer Kirchentag ist ein offenes und ein öffentliches Ereignis, zu dem alle Menschen eingeladen sind, ungeachtet von Religion und Herkunft. Daher finanziert sich ein Kirchentag als gemeinnütziger kirchlicher Verein unter privater Trägerschaft auch zum Teil aus öffentlichen Geldern und sieht sich damit bezüglich seiner Finanzierung zu Transparenz verpflichtet.

Kirchentage machen keine Gewinne. Sie beginnen bei Null und sie enden auch wieder bei Null.

Der letzte Kirchentag in Berlin hat ungefähr 21 Millionen Euro gekostet (genau: 21.456.833,53 Euro). Auf der Einnahmenseite setzt sich dieser Betrag aus drei verschiedenen Quellen zusammen. Ein Teil stammt aus Mitteln der einladenden Stadt und des einladenden Bundeslandes, die auch den konkret wirtschaftlichen Nutzen haben - in Berlin war das natürlich in beiden Fällen die Stadt Berlin. Da zahlreiche Veranstaltungen außerdem in Potsdam stattfanden, hat sich darüber hinaus das Land Brandenburg an der Finanzierung des Kirchentages beteiligt. Einen weiteren Teil bestreitet die einladende Landeskirche, in Berlin die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO), auch durch Personalleistungen. Den letzten Teil erwirtschaftet der Kirchentag aus dem Verkauf von Produkten im KirchentagsShop, aus Spenden und Sponsoringleistungen sowie dem Verkauf seiner Eintrittskarten.

Eine Dauerkarte für den Kirchentag 2019 in Dortmund kostet bis zum 08. April 2019 in der Frühbucherphase
98 Euro. Ungeachtet von Einkommen oder finanziellen Möglichkeiten sollen alle Menschen am Kirchentag teilnehmen können, daher bietet der Kirchentag zusätzlich verschiedene ermäßigte Karten an. Viele der 100.000 Dauerteilnehmenden, wie zum Beispiel Familien, Studierende, Senioren und Grundsicherungsempfänger*innen sowie Mitwirkende zahlen somit nur einen ermäßigten Preis für ihre Eintrittskarten.

Nicht zu unterschätzen ist übrigens, dass einige wichtige Teile des Kirchentagsprogramms — vom Abend der Begegnung über Gottesdienste bis hin zu vielen Konzerten — nicht nur für Kirchentagsbesucher*innen zugänglich sind, sondern umsonst und draußen mitten in der Stadt stattfinden. Ein Kirchentag will immer auch ein Ereignis sein für die Einwohner der Region, in der er zu Gast ist.

Das ist einer der Gründe, warum Städte und Bundesländer den Kirchentag einladen und finanziell unterstützen. Sie freuen sich auf den Zustrom von Besucher*innen, die vielleicht zum ersten Mal in die Region kommen und länger bleiben, um noch einen Urlaub anzuschließen oder dank eines positiven Erlebnisses später wiederkommen, um alles zu sehen, was sie verpasst haben. Über 100.000 Teilnehmende, die fünf Tage in eine Stadt kommen - das belebt nicht nur das Stadtbild, sondern auch den Handel und die Gastronomie. Insgesamt geben die Teilnehmenden eines Kirchentages in der Region deutlich über 20 Millionen Euro aus.

Die Stadt Berlin beziffert den Wert eines Kirchentages für sich mit 63 Millionen Euro. Geld, das damit auch wieder an die Steuerzahler*innen zurückfließt.

Doch nicht nur über die Teilnehmenden fließt das öffentliche Geld zurück in die Region. Wie die Ausgabenseite in den Grafiken zeigt, gibt der Kirchentag einen großen Teil des Geldes für Veranstaltungsorte, Technik und Ausstattung aus. Dabei greift der Kirchentag so oft es geht auf Dienstleistungen aus der Region zurück. Ein beträchtlicher Teil dieses Betrags wird allein für Mieten gezahlt. Früher gehörten Messegelände und Mehrzweckhallen oft Stadt oder Land und konnten dem Kirchentag mietfrei überlassen werden. Heute haben die Kommunen in der Regel GmbH gegründet, die Objekte, auch Schulen, verwalten und die wirtschaftlich arbeiten müssen, das heißt realistische Mieten und Nebenkosten an den Kirchentag berechnen.

Natürlich nutzt der Kirchentag auch einen Teil seines Budgets, um die in der Spitze über 100 Mitarbeitenden zu bezahlen, die den Kirchentag vor Ort hauptamtlich organisieren. Die meisten Angestellten haben ihren Lebensmittelpunkt in der Kirchentagsregion und führen somit hier ihre Lohnsteuer ab und bestreiten über Mieten und Lebenshaltungskosten dort ihre Kaufkraft. So fließen entsprechende Lohn- und Umsatzsteuer-Einnahmen an die öffentlichen Zuwendungsgeber Stadt und Land zurück.

 

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