Ein Konzert am Hamburger Strandkai

Finanzen

So wirtschaftet der Kirchentag

Ein Deutscher Evangelischer Kirchentag ist ein offenes und ein öffentliches Ereignis, zu dem alle Menschen eingeladen sind, nicht nur Deutsche und nicht nur Menschen, die evangelisch sind. Daher finanziert sich ein Kirchentag als gemeinnütziger kirchlicher Verein unter privater Trägerschaft auch zum Teil aus öffentlichen Geldern und sieht sich damit wiederum zu Transparenz verpflichtet, was die Finanzierung angeht. Dieser Verpflichtung möchten wir an dieser Stelle nachkommen.

Der vorletzte Kirchentag in Hamburg hat ungefähr 18 Millionen Euro gekostet (genau: 18.382.544,63 Euro). Dieser Betrag kommt aus drei verschiedenen Quellen zusammen. Ein Teil stammt aus Mitteln der einladenden Stadt und des einladenden Bundeslandes, die auch den konkret wirtschaftlichen Nutzen haben - in Hamburg war das natürlich in beiden Fällen die Hansestadt Hamburg. Einen weiteren Teil bestreitet die einladende Landeskirche, in Hamburg die Nordkirche, auch durch Personalleistungen. Den letzten Teil erwirtschaftet der Kirchentag aus dem Verkauf seiner Eintrittskarten, dem Verkauf von Produkten im KirchentagShop sowie aus Spenden und Sponsoringleistungen.

Zwei Tortendiagramme zeigen die Einnahmen und Ausgaben des Kirchentages in Stuttgart

Die Einnahmen aus Eintrittskarten sind nicht höher, weil der Kirchentag sich auch als Bewegung mit hoher sozialer Komponente versteht und allen Menschen unabhängig vom Einkommen die Teilnahme ermöglichen möchte. Eine Dauerkarte kostet 98 Euro, was für sich genommen schon ein relativ günstiger Preis für eine fünftägige Veranstaltung von der Größe des Kirchentages ist. Allerdings zeigen die Zahlen auch, dass nur wenige der 100.000 Dauerteilnehmenden den vollen Preis für eine Eintrittskarte zahlen. Familien, Studenten, Senioren und Grundsicherungsempfängerinnen sowie sämtliche Mitwirkende zahlen deutlich weniger. So bleibt der Kirchentag auch für Menschen, die mit weniger Geld auskommen müssen, erschwinglich.

Nicht zu unterschätzen ist übrigens, dass einige wichtige Teile des Kirchentagsprogramms — vom Abend der Begegnung über Gottesdienste bis hin zu vielen Konzerten — nicht nur für Kirchentagsbesucherinnen und -besucher zugänglich sind sondern umsonst und draußen mitten in der Stadt passieren. Ein Kirchentag will immer auch ein Ereignis sein für alle Einwohner der Region, in der er zu Gast ist.

Das ist auch einer der Gründe, warum Städte und Bundesländer den Kirchentag einladen und mit Geld unterstützen. Sie freuen sich auf den Zustrom von Besucherinnen und Besuchern, die vielleicht zum ersten Mal in die Region kommen und gleich länger bleiben, um noch einen Urlaub anzuschließen oder dank eines positiven Erlebnisses später wiederkommen, um alles zu sehen, was sie verpasst haben. Über 100.000 Teilnehmende, die fünf Tage in eine Stadt kommen - das belebt nicht nur das Stadtbild, sondern auch den Handel und die Gastronomie. Insgesamt geben die Teilnehmenden eines Kirchentages in der Region mindestens 20 Millionen Euro aus. Die Stadt Berlin, eine der Gastgeberinnen des Kirchentages 2017 beziffert den Wert eines Kirchentages für sich mit 63 Millionen Euro. Geld, das damit auch wieder an die Steuerzahler zurückfließt.

Tortendiagramme mit den Einnahmen und Ausgaben für den Kirchentag in Berlin
Finanzierung des Berlin-Wittenberger Kirchentages. Klicken zum Vergrößern.

Doch nicht nur über die Teilnehmenden fließt das öffentliche Geld zurück in die Region. Wie die Ausgabenseite in den Grafiken zeigt, gibt der Kirchentag am meisten Geld für Veranstaltungsorte, Technik und Ausstattung aus. Dabei greift der Kirchentag so oft es geht auf Dienstleisterinnen und Dienstleister aus der Region zurück. Ein großer Teil dieses Betrags wird allein für Mieten gezahlt. Früher gehörten Messegelände und Mehrzweckhallen oft Stadt oder Land und konnten dem Kirchentag mietfrei überlassen werden. Heute haben die Kommunen in der Regel GmbHs gegründet, die Objekte, auch Schulen, verwalten und die wirtschaftlich arbeiten, das heißt: realistische Mieten und Nebenkosten abrechnen, müssen.

Natürlich nutzt der Kirchentag auch einen Teil seines Budgets, um die zeitweise über 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu bezahlen, die den Kirchentag vor Ort hauptamtlich organisieren. Ihre Löhne orientieren sich am öffentlichen Dienst und dort vereinbarte Lohnsteigerungen werden auch beim Kirchentag mitgetragen. Ein Vergleich der Personalkosten über die Jahre zeigt auch, dass die Kosten in diesem Bereich entsprechend dem Gesamtlohnniveau in Deutschland gestiegen sind.

Es sind andere Faktoren, die in den vergangenen Jahren zu einem Kostenzuwachs geführt haben. Versicherungen und Kosten für die Erfüllung von Sicherheits- und Brandschutzauflagen sind für Großveranstaltungen in Zeiten von Terrorgefahr und der Erinnerung an vergangene Tragödien sprunghaft angestiegen. Die Sicherheit seiner Teilnehmer liegt dem Kirchentag am Herzen.

Rund 2,2 Millionen Euro gibt ein Kirchentag schließlich aus, um die inhaltliche Vorbereitung zu gestalten. Und das bedeutet vor allem: die Ehrenamtlichen an einen Tisch bringen, die beim Kirchentag die wahre Entscheidungsgewalt haben und die ihre Freizeit opfern, um die über 2.500 Veranstaltungen eines Kirchentages mit Leben zu füllen. Kirchentage machen keine Gewinne. Sie beginnen bei Null und sie enden auch wieder bei Null.

Zwei Tortendiagramme zeigen die Einnahmen und Ausgaben des Hamburger Kirchentages
Finanzierung des Hamburger Kirchentages. Klicken zum Vergrößern.
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