Logo Deutscher Evangelischer Kirchentag. Berlin/Wittenberg, 24.-28. Mai 2017
Mein Kirchentag
Regionales Kulturprogramm

Regionales Kulturprogramm erreichte 30.000 Zuschauer

Das regionale Kulturprogramm auf dem Kirchentag in Stuttgart war so umfangreich wie schon lange nicht mehr. Die Organisatorin zieht eine positive Bilanz.

Von Ulrike Kammerer

Bereits im März 2013 fand die konstituierende Sitzung eines Regionalen Kulturbeirates statt, der eigens zum Kirchentag in Stuttgart ins Leben gerufen wurde. Etwa 30 Persönlichkeiten aus Kirche, Kunst und Kultur wurden in dieses Gremium berufen. Den Vorsitz hatte Kirchenrat Georg Eberhardt. Das Ziel: Zum Deutschen Evangelischen Kirchentag in Stuttgart ein regionales Kulturprogramm vorbereiten, dass die hohe Qualität und die Vielfalt der Stuttgarter Kulturszene abbildet.

Mehrere Untergruppen des Regionalen Kulturbeirates entwickelten in den darauf folgenden zwei Jahren insgesamt acht innovative Sonderprojekte, die zum Kirchentag in die Tat umgesetzt wurden.

„Mensch, wohin?“

Der Kurzfilmwettbewerb zur Losung „damit wir klug werden“ richtete sich gezielt an Studierende der Kunst-, Film- und Medienhochschulen in der Region Stuttgart. Aus den eingegangenen Einreichungen wurden von einer Fachjury sechs Kurzfilme nominiert, die Tendenzen der gesellschaftlichen, technischen und wirtschaftlichen Entwicklung aufzeigen. Die Bandbreite innerhalb der Nominierten war groß und reichte von Trickfilm über Kurzspielfilm und Dokumentarfilm bis hin zu experimentellem Film. Die Fragestellung „Mensch, wohin?“ wurde im Spiegel unterschiedlichster filmischer Facetten reflektiert.

Die Preise gewannen Barbara Ott für "Sunny" (Deutschland 2013, 30 min.), Janett Lederer und Katja Ginnow für "Objekt der Begierde" (Deutschland 2014, 17 min.) sowie Ricarda Saleh und Annabelle Leschke für "Whispering Water" (Deutschland 2013, 5 min).

NachtLichtSpiel

Als eine besondere Stadtführung mit bewegten Bildern fand an zwei Abenden des Kirchentages ein filmischer Meditations- und Prozessionsweg von Stuttgart-Nord nach Stuttgart-Hauptbahnhof statt.

Das filmische Kunstprojekt war ein besonderer Geheimtipp und bot auch für Personen, die seit vielen Jahren in Stuttgart leben, erstaunliche neue Einblicke. Die Besonderheit des Mediationsweges lag darin, dass die Filmausschnitte auf Häuserfassaden im öffentlichen Raum projiziert wurden – historisches und aktuelles Filmmaterial kam gleichermaßen zum Einsatz. Mit bewegten Bildern und Tonspuren ging es vorbei an Erinnerungsstätten, Volksbauten, Orten der Subkultur bis hin zu Elementen zeitgenössischer Stadtentwicklung.

Atelierkirche

Ein besonderes Kunstprojekt fand am Stuttgarter Killesberg seine Heimat: In direkter Nachbarschaft zu Kunstakademie und Weissenhofsiedlung wurde bereits drei Wochen vor Beginn des Kirchentages eine Atelierkirche in der Brenzkirche am Kochenhof eingerichtet. Als Präsenzkünstler war Thomas Putze vor Ort, begleitet von Studierenden des Intermedialen Gestalten der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste. Es wurden zahlreiche Workshops, Gespräche, Performances und Diskussionen angeboten. Im Vordergrund stand die aktive Einbindung und Mitwirkung der Besucherinnen und Besucher. Es gab zahlreiche Ateliergespräche, Vorträge, Workshops, Gottesdienste und viele Performances. Die Idee, den Kirchenraum als einen Ort schöpferischer Prozesse neu erlebbar zu machen, wurde sehr gut angenommen. Ein eigenes Blog dokumentiert heute ausführlich die einzelnen Geschehnisse.

Erzählte Stadt

Bei fünf Innenstadt-Touren konnte während des Kirchentages Stuttgart als Literaturstadt neu erlebt werden. Zahlreiche Stationen in der Innenstadt ließen Geburtshäuser von Schriftstellern, Schauplätze literarischer Werke oder Ereignisse lebendig werden. Das Besondere dabei war: Stuttgarterinnen und Stuttgarter aus Kultur, Politik und Gesellschaft erzählten etwas über Autorinnen und Autoren, etwas persönlich Erlebtes zu diesen Literaten, eigene Gedanken zu deren Werken oder zur Geschichte des Ortes.

Das Projekt mündete in eine Abschlussveranstaltung in der Stadtbibliothek Stuttgart, bei dem ein Poetry-Slam die literarische Spurensuche abrundete.

Kreuz und quer

Die freie Tanz- und Theaterszene präsentierte sich beim Kirchentag in der Stuttgarter Innenstadt. Die Akteure legten das Jerusalem-Kreuz des Kirchentages auf den Stadtplan: Wie an einem roten Band leiteten Aktionen und Performances der Künstlerinnen und Künstler durch den öffentlichen Raum. Das Zentrum bildete die Stiftskirche in der Innenstadt. Von Station zu Station erlebten die Besuchenden einen Erlebnis-Parcours der besonderen Art. Die vielfältige Szene brachte Kunst und Kultur gekonnt in den öffentlichen Raum. An neun Stationen spielten Mitwirkende Theater, tanzten, deklamierten oder bezogen die Zuschauerinnen und Zuschauer bei "Walking Acts" aktiv ein. Besonders positiv wurde wahrgenommen, dass zwischen den Stationen künstlerische Wegbegleiter agierten, die die Besucherinnen und Besucher leiteten. Die Innenstadtrunde wurde insgesamt drei Mal gedreht und erreichte sehr viele Zuschauer.

Seele der Stadt

Beim Stadtteil-Projekt "Seele der Stadt" wurde das Leonhardsviertel zum Kirchentag zwei Tage lang neu erlebbar. Mit vielfältigen Kunst- und Kulturaktionen setzte der Kirchentag neue Akzente in der Innenstadt. Im Zentrum der Stadt gelegen, wartete die (heimliche) "Seele der Stadt" mit denkmalgeschützten Häusern, einer spannenden und wechselhaften Geschichte und vielen interessanten Projekten auf. Zwei Tage lang stand das Viertel zum Kirchentag im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Zahlreiche kulturelle Highlights luden dazu ein, das besondere Flair der engen Gassen zu genießen. Von diesem ganz neuen Charakter eines bunten Straßenfestes wird das Viertel sicherlich nachhaltig profitieren.

Zeit und Ewigkeit

Namhafte Chöre und Orchester aus Stuttgart und der Region waren eingebunden, als im Rahmen des Kirchentages drei neue Werke in Stuttgart erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Die Uraufführungen von Martin Smolka und Moritz Eggert beleuchteten die Kirchentagslosung "damit wir klug werden" im Kontext weiterer biblischer Texte. Das Werk von Jörg Herchet bezog das Klugwerden der Seele auf die persönliche Aneignung des Heilsgeschehens.

Die Besonderheit des Konzertes lag einerseits darin, Profi- und Amateurensembles zusammenzubringen, andererseits darin, ein komplettes Konzertprogramm ausschließlich mit zeitgenössischer Musik zu bestreiten. Besonders eindrucksvoll war es, dass die Komponisten Herchet, Smolka und Eggert persönlich anwesend sein konnten.

Nach(t)klang

Das Format „Nach(t)klang“ stellte Künstlerinnen und Künstlern verschiedener Sparten die Aufgabe, beim Kirchentag individuelle Eindrücke zu sammeln und diese jeden Abend in einen künstlerischen Kommentar zu bringen. Den Deutungen durch die Künstlerinnen und Künstler waren keine Grenzen gesetzt, lediglich Ort und Uhrzeit waren vorgegeben. Die eingebrachten Beiträge stammten aus den Bereichen Jazz, Literatur, Haiku, Wortakrobatik, Klassik und Film.

Insgesamt wurden mit den Veranstaltungen und Ausstellungen im Rahmen des regionalen Kulturprogramms mehr als 30.000 Besucherinnen und Besucher erreicht. Entstanden sind neue Netzwerke zwischen Kirche, Kunst und Kultur, die in Stuttgart und der Region über den Kirchentag hinaus wirken werden.

Zur Autorin: Ulrike Kammerer betreute das Regionale Kulturprogramm im Auftrag der Württembergischen Landeskirche in der Geschäftsstelle des 35. Deutschen Evangelischen Kirchentages und fungierte als Geschäftsführerin des Regionalen Kulturbeirates.

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