Statue von Martin Luther mit Kirchentagsschal

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Meldungen vom 35. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Stuttgart

Trauer um Reinhard Höppner

Reinhard Höppner hält eine Rede auf dem Kirchentag in Köln.
Reinhard Höppner beim Kirchentag in Köln 2007

Reinhard Höppner ist tot. Er verstarb im Alter von 65 Jahren am Pfingstmorgen. 1994 wurde er in das Präsidium des Deutschen Evangelischen Kirchentages gewählt, von 2001 bis 2007 gehörte er dem Vorstand des Präsidiums an und war 2007 Präsident des 31. Deutschen Evangelischen Kirchentages in Köln. 2012 wurde er zum Vorsitzenden des Leitungskreises gewählt, der das Reformationsjubiläum 2017 vorbereitet.

Reinhard Höppner war ein öffentlicher Protestant, der eine tiefe, biblisch fundierte Frömmigkeit eng mit politischer Weltverantwortung verband. Am Anfang seiner Zeit im Präsidium noch in der Funktion des Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt beschäftige ihn in vielen Bibelarbeiten und Beiträgen auf Kirchentagen die Frage, wie das Evangelium in der Welt Wirklichkeit gewinnt und wie das, was in der Welt geschieht, aus Sicht des Evangeliums zu deuten ist. Seine Leidenschaft galt der Verbindung von Glauben und Weltverantwortung. Beides hielt er zusammen, und das machte ihn zu einer prägenden Persönlichkeit der Evangelischen Kirchentage in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends.

Der Weg des Friedens

Zum Abschluss des Kölner Kirchentages wandte er in seiner Rede vor 100.000 Teilnehmenden des Schlussgottesdienstes am Rhein die biblische Losung des Kirchentages auf einen aktuellen politischen Konflikt an: "Nur wo auch mein Feind einen menschenwürdigen Platz hat, kann Frieden werden. Mein Feind? Auch die Taliban, auch die Terroristen? Jesus sagt: Liebet eure Feinde. An Schärfe lässt sich das Wort Gottes nicht übertreffen. Ja, auch sie gehören an den Verhandlungstisch. Das kann lange dauern. Aber es ist der Weg des Friedens."

Die unmittelbare Anwendung des biblischen Versöhnungsgedanken auf die einfache Weisheit, dass Frieden nicht mit Freunden, sondern mit Feinden geschlossen werden muss, steht beispielhaft für die Verbindung von christlichem Glauben und Wissen mit politischem Urteil, für die Reinhard Höppner sich einen Namen gemacht hat.

Unbequeme Wahrheiten

Unbequeme Wahrheiten öffentlich auszusprechen und entsprechend zu handeln, scheute er sich nicht. Stets ging es ihm um die Sache, um Verständigung und darum, die Welt ein Stück menschlicher und gerechter zu machen. Reinhard Höppner verkörperte persönliche Glaubwürdigkeit und Authentizität als Christ und Politiker.

Der Kirchentag hat ihm außerordentlich viel zu verdanken. Nicht nur in öffentlichen Beiträgen, sondern auch in zukunftsgerichteten Planungen war er präsent. Die Vorbereitung und Durchführung der beiden Ökumenischen Kirchentage haben wesentlich von seinen Überlegungen profitiert. Beratend, fürsorglich, und unterstützend stand Reinhard Höppner den ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitenden des Kirchentages zur Seite - häufig gemeinsam mit seiner Frau Renate. Er verfügte über einen sensiblen Blick auf Menschen, mit denen er zusammenarbeitete und hatte ein offenes Ohr auch für leise Töne.

Mit Reinhard Höppner verliert der von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Kirchentag gemeinsam getragene Leitungskreis einen inspirierenden und wirkmächtigen Vorsitzenden. Die Vorbereitungen auf das 500. Reformationsjubiläum im Geist einer lebensnahen Verbindung von biblischer Botschaft und Weltverantwortung voranzutreiben, ist sein Vermächtnis.

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