Nachruf

Überzeugter Politiker, streitbarer Aktivist und engagierter Christ

Der Deutsche Evangelische Kirchentag trauert um zweifachen Kirchentagspräsidenten Erhard Eppler

Mit großer Trauer mussten die Menschen der Kirchentagsbewegung die Nachricht vom Tod Prof. Dr. Erhard Epplers entgegengenehmen. Der frühere Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages verstarb am 19. Oktober im Alter von 92 Jahren in seiner Heimatstadt Schwäbisch Hall. Mit ihm verliert unser Land einen offenherzigen und streitbaren Vordenker. Als Politiker, Aktivist und engagierter Christ wirkte er über mehrere Jahrzehnte prägend in unserer Gesellschaft.

Der SPD-Politiker und frühere Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit (1968 – 1974) setzte sich nach seiner aktiven Zeit in der Bundespolitik verstärkt für die Umwelt- und Friedensbewegung ein. Sein Wirken als Leiter der SPD-Grundwertekommission (1975 – 1991) erlaubte es ihm, seine visionären Überzeugungen und Ideen in den politischen Alltag einfließen zu lassen.

Erhard Eppler war ein Visionär mit prophetischer Kraft, ein eigenständiger und scharfsinniger politischer Denker. Bereits Ende der1970er Jahre mahnte er wiederholt an, dass eine zukunftsfähige Gesellschaft ökologische Grundwerte benötige. Überzeugt von der globalen Gefahr eines nuklearen Wettrüstens, widersprach er lautstark der Position der damaligen SPD-geführten Bundesregierung zum Nato-Doppelbeschluss. Besonders engagiert war Erhard Eppler auch in der Ost-West-Verständigung.
 
Erhard Eppler verstand es als seine christliche Pflicht, gemeinsam um angemessene politische, gesellschaftliche und kirchliche Wege zu ringen und sich klar, zuweilen unbequem und angreifbar zu positionieren.

Gerade diese Eigenschaften machten ihn auch zu einem der namhaftesten Akteure der Kirchentagsbewegung. Über zwanzig Jahre lang wirkte Erhard Eppler bis 1997 aktiv im Präsidium und Präsidiumsvorstand des Deutschen Evangelischen Kirchentages mit. Dem Kirchentag 1983 in Hannover und dem Ruhrgebietskirchentag 1991 stand er als Präsident vor. Die Losung des Kirchentages 1983 „Umkehr zum Leben“ stand sinnbildlich für die Persönlichkeit und Wirkkraft Erhard Epplers. Dabei nahm er sich selbst stets zuallererst in die Verantwortung und gerade diese Authentizität brachte ihm große Wertschätzung entgegen. Der erste gesamtdeutsche Kirchentag 1991 nach Jahren der Teilung war für ihn ein persönlicher Höhepunkt und ein Ergebnis seiner intensiven Bemühungen um die Ost-West-Verständigung der Vorwendejahre – gerade auch im kirchlichen Bereich.

Den Teilnehmenden der Kirchentage war Erhard Eppler durch Vorträge, Podiumsgespräche und vor allem Bibelarbeiten mehr als vertraut. Gerade letztere füllten große Hallen und tausende von Herzen. Generalsekretärin Julia Helmke erinnert an seine letzte Bibelarbeit auf dem Kirchentag 2015 in Stuttgart: „Wissend, dass dies vielleicht die letzten Worte an ‚seine Kirchentagsgemeinde‘ sein werden, sagte er zum Ende seines Vortrages: ,Wir werden klüger, wenn wir mit unserer Eitelkeit fertig werden, wenn wir uns anderen Menschen zuwenden…' Gerade diese Bibelarbeit kennzeichnet die Stärke Erhard Epplers: Den Zumutungen der Bibel nicht auszuweichen, Komplexität von Wirklichkeit nicht zu vereinfachen und dabei nachvollziehbare Lösungen zu suchen, die zur Freiheit befähigen.“

Erhard Eppler fehlt– seine Visionen, seine Glaubensgewissheit, seine Klugheit, seine Herzenswärme. Wir beten für ihn und unsere tröstenden Gedanken sind bei seiner Familie und allen die ihn liebten.

In Trauer und Dankbarkeit

Das Präsidium und die Menschen des Deutschen Evangelischen Kirchentages

 

Foto: Hans Krumpf/epd

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