Interview

Ausdruck gelingenden Zusammenlebens in Europa

14 Jahre lang war der Schweizer Theologe Dr. Daniel Schmid Holz Vorsitzender des Ständigen Internationalen Ausschusses (SIA). Am 21. August 2020 zieht er sich zurück und für uns Bilanz. Wir sagen von ganzem Herzen Danke!

Lieber Daniel Schmid Holz, die vielleicht schwierigste Aufgabe zu erst. Bitte vervollständigen Sie in einem Satz: Kirchentag ist für mich….

… wenn Du leicht übermüdet aber glücklich von einer spannenden Veranstaltung zur andern segelst, dich zwischendurch auf eine Wiese legst, vertraut mit wildfremden Menschen sprichst und dich dabei getragen und aufgehoben fühlst.

Das Präsidium des Kirchentages setzt für bestimmte Aufgaben Ständige Ausschüsse ein. Was genau sind die Aufgaben des Ständigen Internationalen Ausschusses (SIA)?

Mein letztes Projekt war es, eine Geschäftsordnung zu erstellen. Darin heißt es: „Die Aufgaben des SIA liegen darin, Kontakte in das europäische und außereuropäische Ausland sowie zum Ökumenischen Rat der Kirchen und anderen ökumenischen internationalen Organisationen, Netzwerken und christlichen Weltbünden zu pflegen, für den Kirchentag zu werben und während des Kirchentages die internationalen Teilnehmenden zu begleiten. … Der SIA hat als Ausschuss des DEKT zur Aufgabe, die Internationalität des DEKT zu stärken.“ Wichtige Instrumente dafür sind die internationale Begrüßungsstunde und das Internationale Zentrum auf dem Kirchentag als Ort der Unterstützung, des Austauschs und der Begegnung.

Was ist das Besondere an diesem Ausschuss?

Die Mitglieder des SIA sind kulturell und konfessionell sehr eigenständige Persönlichkeiten. Wir fühlen uns trotzdem untereinander verbunden und sind uns nahe. So ist der SIA für mich immer wieder die Erfahrung und ein Ausdruck gelingenden Zusammenlebens in Europa.

Und Sie haben „den Laden“ 14 Jahre lang ehrenamtlich mit zusammengehalten! Haben Sie als Schweizer Vorsitzender eine besonders neutrale Rolle gespielt?

Ich denke nicht, dass meine „Neutralität“ zum Gelingen dieser Aufgabe beigetragen hat. Förderlich sind vielmehr eine wertschätzende Haltung gegenüber den Mitgliedern und eine raumgebende Leitung.

Wie wird der Kirchentag im Ausland wahrgenommen?

Das ist von Land zu Land verschieden. Da ist z.B. Finnland, für deren eigenen Kirchentag der DEKT ein Vorbild ist. Da ist Rumänien, für das der Kirchentag eine große Chance für stärkende Kontakte und Vernetzung ist. In der föderalistischen Schweiz wiederum schauen wir kritisch auf die straff organisierte Großveranstaltung und genießen sie dann doch.

Die Jahre Revue passieren lassend: Was war Ihre eindrücklichste Erinnerung oder Begegnung? Worauf sind Sie stolz?

Nach einer SIA-Sitzung vor dem Kirchentag in Köln saß ich spätabends in einer Kneipe mit Reinhard Höppner zusammen, der damals im Präsidium für Internationales zuständig war. Wir kannten uns noch nicht und jeder dachte, der andere würde Köln kennen. Das Hotel haben wir dann gemeinsam gefunden und den Grundstein für die erste Idee eines Europäischen Kirchentages gelegt.

Was war die größte Herausforderung bzw. schwerste Stunde in Ihrer Zeit im SIA?

Ich wurde vor wirklich schweren Stunden bewahrt. Herausfordernd ist nach wie vor die Aufgabe, als Ausschuss die Internationalität des DEKT zu stärken. Daraus entsteht ein Spannungsfeld zur Selbstverständlichkeit, dass der DEKT doch ein deutscher Kirchentag ist …

Was wünschen Sie dem Internationalen Ausschuss für die Zukunft?

Der internationale Ausschuss braucht wieder eine stärkere inhaltliche Beteiligung am Programm des Kirchentags. Es reicht als Motivation für viele Mitglieder nicht aus, Reiseleiter und Botschafterinnen zu sein.

Wie gestalten Sie Ihren nächsten Kirchentagsbesuch, worauf freuen Sie sich am meisten?

Ich werde frei von Verpflichtungen ein paar spannende Veranstaltungen besuchen und hoffe, dass trotz COVID19 das Leben pulsieren wird. Beim internationalen Zentrum werde ich natürlich auch vorbeischauen.

Die kirchliche Landschaft verändert sich aktuell rasant. Welche Auswirkungen hat das Ihrer Ansicht nach auf den Kirchentag?

Die Veränderungen in der kirchlichen Landschaft bilden sich auch auf dem Kirchentag ab. Er wird kleiner und mit weniger Geld gestaltet. Andererseits wird die Vielfalt von kirchlichen Gruppen mit Engagements im Bereich zwischen Spiritualität und Politik zunehmen.

Es gibt ja sehr konkrete Ideen für einen Europäischen Kirchentag und auch bereits einen entsprechenden Trägerverein. Ein Zukunftsmodell?

Die Idee eines Europäischen Kirchentags entstand aus der Absicht, dass der DEKT internationaler wird und sich nach außen öffnet. Als der neue Trägerverein entstand, zeigte es sich, dass der Deutsche Evangelische Kirchentag dafür nicht geeignet war und ein neues europäisches, ökumenisches und basisorientiertes Projekt entstehen muss. Ich wünsche dem Europäischen Kirchentag, dass er bald stattfinden und dem Deutschen Evangelischen Kirchentag, dass er weiterhin ein Forum für den Deutschen Protestantismus sein kann.

International | Internationale Ökumene | Europäischer Kirchentag
Diese Seite teilen
Newsletter abonnieren Bleiben Sie immer über unsere neuesten Aktivitäten informiert und abonnieren Sie unseren regelmäßigen Newsletter.