Zentrum Sport

Beten auf Schlittschuhen

Mit „Andachten on Ice“, Zehnkampf und Gästen aus dem Spitzensport geht es beim Kirchentag in Dortmund auch um die Frage, in welchem Zusammenhang Sport und Spiritualität stehen.

Von Johanna Tüntsch

Klettern, kicken, mit Elektrorädern durch einen Mobilitätsparcours fahren oder beim Qigong die eigene Mitte finden: Erstmals gibt es auf dem Kirchentag dafür ein eigenes Zentrum. Angesiedelt im und auf Flächen vor dem Eissportzentrum Westfalenhalle Dortmund bietet das Zentrum Sport nicht nur alte und neue Sportarten zum Ausprobieren, sondern vor allem auch inhaltliches Programm.

Der Clou dabei: Eine von zwei Eisflächen des Eissportzentrums steht Kirchentagsgästen in der Junihitze zum Eisstockschießen und Schlittschuhlaufen zur Verfügung, „Andachten on Ice“ gibt es auch. Schlittschuhe können ausgeliehen werden. In der benachbarten Eishockeyhalle finden Podiumsgespräche und Workshops statt, die den gesellschaftlichen und religiösen Dimensionen des Sports auf den Grund gehen. Das regionale Projekt der gastgebenden Landeskirche soll die Sportregion Dortmund/Westfalen mit dem Kirchentag verbinden. „Begeisterung ist etwas, was uns in beiden Bereichen trägt und antreibt“, sagt die landeskirchliche Beauftragte für den Kirchentag Marit Günther. Aus dem Spitzensport sind beispielsweise die frühere Biathletin Magdalena Neuner und der Präsident von Borussia Dortmund, Reinhard Rauball, mit dabei. Und natürlich darf auch die „Stimme des Westens“, der Sportkommentator Manni Breuckmann, nicht fehlen. Diskutiert wird über Sport und Glaube als Lebenskunst, über Fankulturen und die religiöse Dimension des Fan-Seins.

Die inhaltliche Verzahnung der gemeinsamen Anliegen von Kirche und Sport zeigt sich auch im „DEKTalon“ (DEKT = Deutscher Evangelischer Kirchentag). Angelehnt an einen Dekathlon, einen Zehnkampf, umfasst er zehn unterschiedliche Sport-Stationen, die jeweils einen sportlich-christlichen Wert symbolisieren. „Durch die Bewegung mit anderen entsteht eine gute Weggemeinschaft“, erklärt Markus Rapsch, Mitglied der Projektleitung im Zentrum Sport und Sportreferent im CVJM-Westbund e.V. Sport auszuüben heiße, am eigenen Körper Verantwortung für die Schöpfung zu übernehmen und mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen, so Rapsch. Es gebe aber auch noch einen anderen Aspekt: „Viele Menschen gehen sonntags nicht in den Gottesdienst, stehen aber früh auf, um sich in der Natur zu bewegen, weil sie eine Sehnsucht nach Gott haben. Kirche ist hier gefordert, den Menschen an diesen Orten zu begegnen und die eigenen kirchlichen Räume zu verlassen. Sport ist eine Form von Lebenskunst und fordert Christen zu Haltungsveränderungen heraus.

“Auf dem Kirchentag wartet also ein Ort der Begegnung und des Mitmachens, mit inklusiven Angeboten. Und mit kreativen Ideen: Für das „GloBall“-Spiel, eine Variante des Crossboccia, wurden eigens für den Kirchentag spezielle Bälle produziert. In verschiedenen Sprachen stehen darauf Werte, die im Sport und im Glauben eine Rolle spielen: Respekt, Fair Play, Freude, Würde, Engagement und Vertrauen. Und damit können Sport und Spiel auch nach dem Kirchentag gut weitergehen.

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