Logo Deutscher Evangelischer Kirchentag. Berlin/Wittenberg, 24.-28. Mai 2017
Mein Kirchentag
Nachruf

Zum Tod von Carola Wolf

Die langjährige Pressesprecherin des Kirchentages, Carola Wolf, ist gestorben. Ihr Amtsnachfolger erinnert an eine große Frau der kirchlichen Publizistik.

von Rüdiger Runge

Mit Carola Wolf, die am 26. Oktober im Alter von 84 Jahren in Potsdam gestorben ist, verliert der Deutsche Evangelische Kirchentag eine Persönlichkeit, die ihn über mehr als drei Jahrzehnte entscheidend mitgeprägt hat. 1962, kurz nach dem Mauerbau und zu der Zeit, als Richard von Weizsäcker Kirchentagspräsident wurde, übernahm die junge Journalistin und promovierte Historikerin in Fulda die Funktion der Pressesprecherin im Leitungskollegium des Kirchentages. Bis zu ihrem Eintritt in den Ruhestand 1996 übte sie dieses Amt aus. Daneben war sie viele Jahre für die internationale Ökumene zuständig und engagierte sich besonders für die Beziehungen zum Evangelischen Kirchentag in der DDR während der Jahrzehnte der deutschen Teilung. Über ihre Tätigkeit beim Kirchentag war Carola Wolf zugleich eine einflussreiche Figur der evangelischen Publizistik von den 1960er Jahren bis in die 1990er.

In die Zeit ihres Wirkens beim Deutschen Evangelischen Kirchentag fallen tiefreichende gesellschaftlich-politische und theologisch-kirchenpolitische Konflikte sowie die Entwicklung der Kirchentage zu Großveranstaltungen, die seit Anfang der 1980er Jahre regelmäßig mehr als 100.000 Teilnehmende anzogen – mit dem Höhepunkt von 150.000 Gästen 1989 in Berlin, dem Jahr, in dem wenige Monate danach die Mauer durch Deutschland fiel. Vier Jahre später, 1993, haben sich dann auch die Kirchentagsbewegungen in Ost und West wieder im Deutschen Evangelischen Kirchentag vereinigt.

Über diese wahrhaft ereignisreichen drei Jahrzehnte hinweg war Carola Wolf nicht nur für das Bild und die Resonanz des Kirchentages in der Öffentlichkeit verantwortlich. Auch nach innen gestaltete sie die Entwicklungen stets markant, eigenwillig und mit klaren Positionen mit, wobei sie – Kind einer Diplomatenfamilie – gleichzeitig immer wieder großes diplomatisches Geschick bewies. Der Kirchentag hat Grund zu trauern.

Zum Autor: Rüdiger Runge beerbte Carola Wolf 1996 als Kirchentags-Pressesprecher bis zu seinem Ruhestand im Winter 2012. Er gründete unter anderem die Zeitschrift Der Kirchentag – Das Magazin.

Bild: Boris Rostami, Hamburg. Nutzung mit freundlicher Genehmigung des Urhebers

Diese Seite teilen

Bleiben Sie immer über unsere neuesten Aktivitäten informiert.
Abonnieren Sie unseren regelmäßigen Newsletter.