Mein Kirchentag
Reformation

Wer reformiert hier wen?

Christina Aus der Au hielt diesen Vortrag auf dem Jahresempfang des Kirchenkreises Hamburg-West/Südholstein am 30. Oktober 2015 in der Christuskirche zu Pinneberg.

Ein etwas seltsamer Titel für ein Referat am Vorabend des Reformationstages. Aber es geht nicht darum, dass ich als Reformierte nun irgendjemanden reformiert reformieren wollen würde. Es geht nicht um konfessionelle Unterschiede, nicht um reformierte Mission, sondern um genuin theologische Unterschiede zwischen Reform und Reformation und zwischen Subjekt und Objekt. Wer – wen – und was passiert dabei?

Dafür möchte ich zunächst einen sprachlichen Umweg nehmen, nämlich zu den Wurzeln des Wortes „Reformation“ – nur ganz holzschnittartig, und bestimmt nicht so, dass es vor einem Lateinlehrer, einer Lateinlehrerin, wirklichen Bestand hätte. Aber es scheint mir, wir könnten da theologisch etwas mitnehmen.

Ovid und Plinius

Reformare, das lateinische Wort, das hier zugrunde liegt, taucht zum ersten Mal beim römischen Dichter Ovid im ersten Jahrhundert vor Christus auf. Bei ihm heißt dies zunächst wörtlich „umwandeln, neu gestalten“, also eine neue Form geben – wobei das Neue dieser Form eigentlich das Alte war, es ging nämlich darum, etwas in seine ursprüngliche Form zurückzubringen – eben re-formare. So wird in seinem Gedicht „Metamorphosen“ dem jungen Peleus geraten, die sich nacheinander in Vogel, Baum und Tiger verwandelnde Meeresnymphe Thetis festzuhalten, bis sie selber ihre frühere – und eigentliche – Gestalt als eine schöne Frau wieder herstellt – „reformet“.

Plinius der Jüngere hingegen, auch ein alter Lateiner, aber aus dem ersten Jahrhundert nach Christus, gebraucht das Wort dann in einem leicht anderen Sinne: nicht die Rückkehr zum Originären, Alten steht im Vordergrund, sondern die Verbesserung der Sache. Er spricht davon, dass der Kaiser Trajan die verluderten Sitten „reformet et corrigat“, also reformiert und korrigiert. Und in seinem Brief an Cornelius Minicianus schreibt er begeistert von Capito, einem literarischen Mäzen, der ein „reductor ac reformator“ der an Einfluss verlierenden Literatur sei, ein Wiederhersteller und Reformator.

Was haben nun Ovid und Plinius mit der Reformation zu tun?! Einiges, so möchte ich Ihnen im Folgenden gerne darlegen. Für Ovid heisst „reformare“, dass etwas seine alte Form wieder erlangt. Die Nymphe selber wird gezwungen, ihre alte Gestalt wieder anzunehmen. Für Plinius heisst es, dass es verbessert wird – und zwar von jemandem! Der Kaiser Trajan verbessert die Sitten, und Capito die Lage der Literaten.

Verbessern oder zurückführen

Welches „reformare“ steht denn eigentlich hinter der Reformation? Verbessern – werden wohl nun gute Protestantinnen und Protestanten gleich rufen! Hat sich nicht Luther von den Auswüchsen des Ablasshandels anstoßen lassen, um über das Wesen von Buße und Gnade nachzudenken? Hat er nicht seine 95 Thesen veröffentlicht, um das Unkraut und die falschen Propheten anzuprangern und zu verurteilen? Wollte er nicht bessere Bischöfe, einen besseren Papst, eine bessere Kirche? Hat nicht Martin Luther die katholische Kirche reformiert und eben verbessert?

Dann wären wir jetzt sozusagen die zweite, verbesserte Auflage dieser Kirche. Wenn wir denn reformare im Sinne von Plinius verstehen wollen: jemand packt die Sache an und verbessert sie. So haben wir ein Subjekt: Martin Luther! Und natürlich dann auch die anderen Reformatoren, die weiterverbesserten, in Hamburg Johannes Bugenhagen, bei uns in der Schweiz Huldrych Zwingli, Jean Calvin, Heinrich Bullinger ... gerade die Reformierten, die es sehr genau nahmen und nehmen mit dem Weiterbessern – so wie zum Beispiel Johann Sigismund, der Kurfürst von Brandenburg, der 1613 zum Calvinismus übertrat und dies begründete damit, dass eine zweite Reformation nötig sei, um die hinterbliebene Unsauberkeit des Papsttums zu beseitigen.

Und semper reformanda, diese urreformatorische Formel, hieße dann, dass sich immer wieder Männer und Frauen finden lassen müssen, welche die Kirche weiter reformieren und verbessern. Immer besser werden. Auf reformiert heißt das „Heiligung“. Ein ur-reformierter Gedanke, nämlich dass das Gesetz Gottes nicht durch das Evangelium aufgehoben und überholt worden ist, wie es Luther vertrat, sondern als Gesetz weiterhin auch für die Christinnen und Christen gilt. Calvin spricht hier vom dritten Gebrauch dieses Gesetzes.

Semper Reformanda

Der erste Gebrauch heisst der politische, das Gesetz, das in die weltlichen Gesetze eingeht, sodass auch durch den Staat das Böse zurückgedrängt werden kann. Der zweite Gebrauch ist der theologische Gebrauch, der Luther der wichtigste war: der Einzelne erkennt, dass er all diese Gesetze Gottes nicht halten kann und deswegen der Rechtfertigung durch Jesus Christus bedarf.

Der dritte, spezifisch reformierte Gebrauch des Gesetzes aber, der für Calvin wichtig war, gründet in der Überzeugung, dass die Kirche nicht nur durch ihren Glauben und ihre Botschaft, sondern auch durch ihren Gehorsam, ihre Ordnung und durch das Leben ihrer Mitglieder zu bezeugen hat, dass sie allein Christi Eigentum ist, um es mit etwas erweiterten Worten aus der Barmer Theologischen Erklärung zu sagen.

Reformation also als fortwährende Verbesserung, auch im kantischen Sinne, und Immanuel Kant wollte aus diesem Gedanken ja sogar einen Gottesbeweis ableiten. Wenn die Menschen das ganze Leben danach streben, dem kategorischen Imperativ zu folgen und moralisch immer besser zu werden, dann wäre es ganz und gar ungerecht, wenn sie für diese Anstrengung nicht auch einen Lohn erhalten würden. Deswegen ist es nötig, dass es einen Gott gibt, der ihnen dereinst sagen kann, ei Du guter Knecht, Du getreue Magd, ich sehe, wie Ihr euch redlich müht, geht ein in den ewigen Frieden.

Dies ist also ein genuin protestantischer Gedanke, dass Reformation eine Verbesserung sein soll, und dass wir Menschen, wir wahrhaft und wirklich Gläubigen, die Verbesserung unseres Herzens zwar von Gott aus Gnade geschenkt erhalten, dann aber tatkräftig für die Verbesserung der Kirche und - je nachdem wie reformiert Sie sind - der Welt einstehen sollen. Daraus ist enorm viel Gutes entstanden, der Einsatz für soziale Verbesserungen, für Bildung, für Solidarität zwischen Arm und Reich – und ich bin stolz und froh, dass dies immer auch ein wichtiger Inhalt des Protestantismus war und ist. Gut, dass es Männer und Frauen gegeben hat und gibt, welche die Kirche auf diese Art immer wieder von Neuem reformieren. So dass sie eine lebendige Gemeinschaft von Menschen sein kann, die Gottes Zuwendung zum Menschen sichtbar und spürbar werden lassen.

Die Reformatorinnen und Reformatoren an allen Orten, vor, während und nach der Reformation, haben sich tüchtig eingesetzt für dieses bessere Leben und die bessere Kirche – und haben zum Teil auch mit ihrem eigenen Leben dafür bezahlt – dass die Kirche umgestaltet, verbessert, reformiert wird.

Reformation und Reform

Wer reformiert hier wen? Ehemalige Mönche wie Luther, ehemalige Priester wie Zwingli und Juristen wie Calvin haben die Kirche reformiert.

Und das ist ja immer noch ein höchst aktuelles Unterfangen. Wir als evangelische und reformierte Kirche haben zwar nicht mehr mit dem Ablasshandel zu kämpfen und nicht mehr mit einer einflussreichen Kirchenhierarchie – eher mit dem Gegenteil. Wir sind nicht mehr selbstverständlich die erste Adresse, wenn sich Menschen Sorgen machen über den Sinn des Lebens und das Jenseits, und es gibt mittlerweise auch viele Organisationen, die sich für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Umwelt einsetzen und gar nichts mit der Kirche am Hut haben. Nicht die mächtige Präsenz der Kirche in allen Lebensbereichen – inklusive des Geldbeutels – ist das Problem, sondern die schwindende Relevanz der Kirche in vielen Lebensbereichen – und deswegen auch der Rückzug des Geldbeutels. Sinkende Mitgliederzahlen und sinkende Finanzen.

Und so sind wir immer noch und immer wieder herausgefordert, die Kirche zu reformieren. Wir sprechen allerdings nicht mehr von Reformation, sondern von Reform. Reformprojekte beginnen mit Sätzen wie: „Die Strukturen der ev.-ref. Kirchen (...) sind an die heutigen Mitgliederzahlen der Kirchgemeinden nicht mehr angepasst, und die Kirche braucht neue Wege, um Bevölkerungskreise zu erreichen, die ihr entfremdet sind.“ (Reformierte Kirche Stadt Zürich, "Reform. Beschreibung zweier Modelle und ihrer Umsetzung", 2013). Wir müssen besser werden, wenn wir nicht „kleiner, ärmer und älter“ werden wollen, wie die einer religionssoziologischen Studie entstammende Schreckensvision der Schweizer Evangelischen heißt.

Und so machen sich neue Reformatorinnen und Reformatoren – oder besser gesagt: neue Reformerinnen und Reformer an die Arbeit, die Kirche an die Mitgliederzahlen, das veränderte Mobilitätsverhalten, die säkularisierte Gesellschaft und die ausdifferenzierten Lebenswelten anzupassen und ihr dafür neue Strukturen und neue Formen zu geben. Eben – zu re-formieren.

Hunderte und tausende Reformer und Reformerinnen sind am Werk: Religionssoziologinnen, Organisationsberater, Kommunikationsberaterinnen, Gemeindeberater, Finanzfachleute, Gebäudesachverständige, Strukturberater, Coachs, Supervisorinnen, Stadtplaner, und manchmal auch Theologinnen und Theologen – und sie sammeln Daten, befragen und analysieren und workshoppen, damit das alles eingehen kann in das große Kirchenreformprojekt, das hier mal grösser und dort mal kleiner ansteht. Kein Wunder, dass da und dort auch mal Kirche im Reformstress untergehen kann.

Beispiel Nordkirche

Wer reformiert hier wen? Kompetente Fachleute reformieren die Kirche.

Die Nordkirche hat das auch mitgemacht – und als jemand, die das nur aus der Ferne mitgekriegt hat – „vom Schiff aus“, wie wir das in der Schweiz lustigerweise sagen -, denke ich: Sie haben hier ganz schön was geschafft. Sie haben nicht nur ehemals selbständige Landeskirchen vereinigt, sondern auch ein Stück Ost und West, säkulare und kirchlichere Regionen, ärmere und reichere Gebiete – und das über eine Fläche, die ziemlich genauso groß ist wie die gesamte Schweiz (40.000 km2/41.285 km2).

Die Nordkirche hat ihre Kirche gut reformiert – und es ist ganz klar, wer hier die Reformatoren und Reformatorinnen waren, nämlich all die Menschen, welche über fünf Jahre geplant und kommuniziert haben – und die Menschen, welche seit 2012 daran arbeiten, dass die Nordkirche in Gestalt ihrer drei Sprengel, ihrer 13 Kirchenkreise und ihrer 2.25 Mio Mitglieder Kirche nahe bei Gott und nahe bei den Menschen leben kann.

Aber Sie haben bei Ihrer Gründungsfeier auch gleich ein Zeichen gesetzt, um zu sagen: das waren gar nicht wir – jedenfalls nicht wir alleine. Sie haben die Feier nämlich bewusst auf den Pfingstsonntag 2012 gelegt. Den Tag, an dem sich die Kirche daran erinnert, dass sie nicht alleine gelassen wurde. Dass Christus zwar in den Himmel aufgefahren ist, aber dass er wieder gekommen ist – in Gestalt seines Heiligen Geistes. Sie haben damit gesagt: Nicht wir allein reformieren die Kirche, sondern wir sind darauf angewiesen, dass Gott seinen Geist auch auf uns ausgießt, damit das auch wirklich klappen kann. Planen können wir ja vielleicht auch alleine, aber wenn es denn losgeht, dann brauchen wir den Heiligen Geist.

Daniel Heinrich Purgold, ein Magdeburger Prediger aus dem 18. Jh, hat ein kleines Büchlein geschrieben mit dem lustigen Titel „Was hat Luther für ein Recht gehabt zu reformieren? Was für ein Recht haben die jetzigen Theologen? Welches ist das Non plus ultra der protestantischen Kirche?“. Und darin schreibt er: „Luther hat die Kirche so wenig reformiret als Huss und Wieklef. Gott war es, der Luthers Zeugniss brauchte, die Welt zu erleuchten, und Er selbst hat die Kirche reformiret.“ „Wenn nicht der HERR das Haus baut, mühen sich umsonst, die daran bauen“, heisst es in Psalm 127. Wenn nicht Gott die Kirche reformiert, dann reformieren umsonst, die daran herumschrauben.

Dagegen hätte Luther gar nichts einzuwenden gehabt, auch Zwingli nicht und Calvin nicht. Luther hat in der intensiven Auseinandersetzung mit den biblischen Texten, vor allem dem Römerbrief, die befreiende Erfahrung gemacht, dass die Gnade Gottes dem Menschen bedingungslos zukommt. Calvin, Zwingli und Bullinger haben aus ihrer Lektüre vor allem auch des Alten Testaments gelernt, dass der Mensch in dem einen Bund Gottes aufgehoben ist. Die Kirche ist nach protestantischer Auffassung creatura verbi, ein Geschöpf des göttlichen Wortes.

Gott ist derjenige, der dem Menschen zuvorkommt. Wir können dem nur nach-denken, nach-sprechen und nach-handeln.

Die Firewall des Heiligen Geistes

Wer reformiert hier wen? Gott selber reformiert seine Kirche, mit seinem Wort und seinem Geist.

Er ruft sie zurück zu dem, was sie eigentlich sein soll, zu ihrer ureigenen Form. Und da blinzelt uns doch quer über die Jahrhunderte hinweg Ovid entgegen. Re-formare war doch bei ihm nicht wie bei Plinius in erster Linie als „verbessern“ zu verstehen, sondern als Besinnung auf die ursprüngliche Form, auf das eigentliche. Die Meeresnymphe ist nicht Vogel, nicht Baum, nicht Tiger, sondern eine schöne Frau. Die Kirche ist nicht Ablasshandel, nicht Traditionshüterin, nicht Relikt aus der Vergangenheit, sondern das Geschöpf des Wortes Gottes, der durch sie in die Gegenwart und die Herzen der Menschen hineinsprechen will.

Gott selber reformiert seine Kirche, damit sie immer wieder das werden kann, was sie eigentlich ist und sein soll: seine Kirche. Das ist doch um einiges entspannter. Wenn die Kirche nicht auf diesen Selbstoptimierungstrip aufspringen muss – grösser, reicher, jünger! Sei, der oder die Du bist. Das klingt schon fast etwas nach buddhistischer Gelassenheit. Und wer Du bist, Kirche, das sagt Dir Gott in seinem Wort. Tatsächlich?

So einfach ist dann eben doch nicht. Gottes Wort ist zu voll, zu vielfältig, als dass es als eindeutige und klare Reformationsanleitung oder als Reformmodell gelesen werden könnte. Bei unseren katholischen Brüdern und Schwestern haben wir das nicht zuletzt beim Ringen um die Familiensynode mitverfolgen können. Der konservative Schweizer Generalvikar Martin Grichting soll gesagt haben, es sei teilweise versucht worden, schadhafte Software in der Lehre der Kirche zu installieren, Stichwort Gender und Familienvielfalt. Aber die Firewall des Heiligen Geistes sei nicht zu knacken gewesen – nur umgekehrt bedauern progressive Kräfte genau dies, und dass auch künftig geschiedene Wiederverheiratete nur in Einzelfällen zur Kommunion zugelassen werden sollen würden sie nicht der Firewall des Heiligen Geistes, sondern der festgefahrenen Festplatte der konservativen Kräfte zuschreiben.

Reformieren also nicht doch Menschen die Kirche? Alle möglichen Menschen – Konservative, Liberale, tief Gläubige, vom Zeitgeist Verwehte, von Gott und ihrer Biographie Getriebene, in der Auseinandersetzung mit Gesellschaft, Politik, Medien? War das nicht schon bei Augustin so und bei Thomas von Aquin, bei Luther und den Reformatoren natürlich, aber auch bei Franz von Assisi, bei Petrus Waldes und Jan Hus, und auch bei Martin Luther King und Nelson Mandela, Dietrich Bonhoeffer, Karl Barth, Leonardo Boff, Luise Schottroff, Dorothee Sölle, Papst Franziskus und vielen mehr?

Das Wesentliche deutlich werden lassen

Und so reformiert Gott seine Kirche nicht anders als durch Menschen, die sein Wort hören, lesen, predigen – in all ihrer Geprägtheit, Widersprüchlichkeit, Verbohrtheit und Kontextualität.

Menschen, die aus einer bestimmten Tradition her kommen. Und die reagieren auf Entwicklungen in Kirche und Gesellschaft. Sie suchen befreiende Antworten und Perspektiven in den biblischen Texten, aus denen Gott spricht. Und sie versuchen dadurch, das Wesentliche der Kirche und ihrer Botschaft in dieser Welt wieder deutlich werden zu lassen. Sie versuchen, die Kirche wieder an ihre ursprüngliche Form zu erinnern.

Das ist nicht eine Form, die statisch etwas einschließt, das sonst zu zerfließen droht, so wie die Backform den flüssigen Kuchenteig. Keine Form, an der man sich festhalten müsste, um nicht fremden Einflüssen ausgeliefert zu sein – den Fremden, dem Islamismus, dem Säkularismus, der Welt. Keine Form „festgemauert in der Erden“ wie die Form der Glocke im Schillerschen Gedicht.

Sondern Gottes Anrede und Zusage an den Menschen – alle Menschen – als die Form der Kirche, die wie die Seele bei Aristoteles die Form und Wesensursache des Körpers ist und ihn dadurch lebendig und beziehungsfähig macht. Diese Form prägt den Körper Kirche, macht sein Wesen aus, setzt sich auch immer wieder selber durch, mit Hilfe von Menschen, welche die Seele der Kirche immer wieder neu entdecken, semper re-formanda, durch viele engagierte und unterschiedliche Menschen, die in der bedingungslosen Zusage Gottes etwas entdecken, das verändert. Ihr eigenes Leben, die Kirche, die Gesellschaft.

Menschen – Reformatorinnen und Reformatoren im Plural! Um der Fülle und Vielfalt des Wortes Gottes gerecht zu werden, dessen Geschöpf die Kirche sein soll, muss es auch eine Fülle und Vielfalt von Menschen sein, die diese Kirche reformieren. Keine beständige Aufwärtsbewegung, kein heute besser als gestern und protestantisch besser als katholisch. Sondern Menschen, die sich von der bedingungslosen Zusage Gottes herausrufen lassen, die sich re-formieren lassen. Als diejenigen, die sie sind, simul iustus et peccator, immer noch Menschen in ihrer Verstricktheit und ihrem Widerspruch, aber gerechtfertigt vor Gott.

Wenn sich die Kirche immer wieder in diesem Sinne reformieren lässt, von Gott und den Menschen, dann re-formiert sie auch die Menschen in ihrem Sinne. Macht sie lebendig und wachsam, mutig und engagiert. Und verändert so die Welt. Wer reformiert hier wen? Gott re-formiert Menschen, Menschen re-formieren Kirche, Kirche re-formiert Menschen. „Zur Freiheit hat Christus uns befreit. (...) Wenn wir im Geist leben, wollen wir uns auch am Geist ausrichten.“ (Gal 5, 1.25).

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