Mein Kirchentag
Hauptvortrag

Auf ein Wort, Mr. President

US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel stellten sich den Fragen von vier jungen Menschen aus Chicago und Mannheim. So beurteilen die vier ihren Auftritt im Anschluss.

Für Filiz, Imani, Sierra und Benedikt ist es ein aufregender Moment. Auf der großen Bühne umringt von Menschen mit orangenen Kirchentagsschals sprechen sie mit zwei der prominentesten Menschen der Welt: Barack Obama und Angela Merkel. Über Stunden haben Zehntausende schon gespannt gewartet. Als Barack Obama mit Kanzlerin Merkel auf die Bühne vor dem Brandenburger Tor tritt, begrüßt ihn die Menge, als sei er noch immer Präsident der Vereinigten Staaten. „First of all: Guten Tag! Schön, in Berlin zu sein“, ruft er den jubelnden Menschen zu. Es ist einer der Höhepunkte des Kirchentages, die Diskussionsveranstaltung mit Obama und Merkel zum Thema „Engagiert Demokratie gestalten: Zu Hause und in der Welt Verantwortung übernehmen“.

Bevor die vier mit ihren Fragen loslegen können, werden der Ex-US-Präsident und die Kanzlerin von Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au und dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, befragt, über Erreichtes, Ziele und Visionen, über Religion, die Verantwortung der Politik und zur Demokratie. Dann ist es so weit, Filiz, Imani, Sierra und Benedikt betreten die Bühne und sprechen mit Obama und Merkel über Flüchtlingspolitik, den Einsatz von Drohnen in Kriegen, gute Bildungschancen für alle und die Rolle von Kunst in der Gesellschaft.

Die vier jungen Leute kennen sich von einem Austauschprojekt zwischen der evangelischen Konkordiengemeinde in Mannheim und der Trinity United Church of Christ in Chicago. Der Stadt, in der auch Barack Obama mit Anfang 20 als Sozialarbeiter aktiv war und in der er 1992 seine politische Karriere startete. Eine gute Basis für den Auftritt am Brandenburger Tor. Filiz, Imani, Sierra und Benedikt merkt man die Aufregung nicht an, souverän stellen sie ihre Fragen, als wären 70.000 Zuschauende und die Live-Übertragung im Fernsehen ihr alltägliches Geschäft.

Nach der Veranstaltung geht es für Barack Obama gleich weiter nach Baden-Baden zur Medienpreisverleihung, während die vier sich auf ihren nächsten Auftritt vorbereiten. Am Abend werden sie wieder auf der Bühne stehen, diesmal in der Messehalle. Gemeinsam mit den anderen Austauschschülern präsentieren sie ihr selbst entwickeltes Stück „CU in the Mirror of God?s Eyes – Ich sehe dich in deiner Schöpfung“. Eine Mischung aus Musical und Theater mit Gedichten, Liedern und Videosequenzen, die sich kritisch mit dem Rassenhass in Amerika auseinandersetzen. Wie sie den Kirchentag erlebt haben, haben sie im Anschluss geschildert.

„In der Politik fehlt oft das Menschliche“

Filiz Kuyucu im Porträt

Ich arbeite im Bereich der Flüchtlingshilfe und habe Barack Obama und Angela Merkel daher eine Frage zu den Opfern gestellt, die im Mittelmeer jährlich auf der Flucht sterben – denn das muss ein Ende haben. Ich fand es toll, dass wir so ein wichtiges Thema so prominent in den Mittelpunkt stellen konnten. Ich hoffe, dass wir damit auch anderen jungen Leuten Mut machen, für einen guten Zweck einzutreten. Die Antworten von Obama und Merkel waren schon sehr ehrlich, aber leider nicht befriedigend, weil in der Politik oft das Menschliche außer Acht gelassen wird. Auch ein Grund,warum es wichtig ist, immer wieder selbst aktiv zu werden.

Filiz-Marleen Kuyucu (25)
Sozialarbeiterin im Diakonischen Werk Mannheim

„Kunst macht die Welt reicher“

Porträt von Imani Abernathy

Ich war so unglaublich aufgeregt und dachte nur, hoffentlich kommt überhaupt ein Wort über meine Lippen, aber Obama hat es uns leicht gemacht. Ich fühlte mich ernst genommen und willkommen. Das war toll. Als Musikerin liegt mir natürlich die Kunst am Herzen und ihre Bedeutung für die Menschen. Kunst macht die Welt reicher und kann Menschen auf eine besondere Weise ansprechen und viel erreichen. Auf dem Kirchentag hat man das auch gespürt, mit Musik und Gesang in den Straßen, da weht ein besonderer Geist. Und diese vielen Menschen in Berlin vor dem Brandenburger Tor, diesen Augenblick werde ich nie vergessen.

Imani Abernathy (24)
Musikerin im HHW Vocal Arts Ensemble, Chicago

„Gleiche Bildungschancen für alle“

Porträt von Sierra Sims

Bildung ist für mich als Lehrerin ein wichtiges Anliegen. Daher setze ich mich für eine kostenfreie hochwertige Bildung für alle ein. Obama teilt dieses Anliegen. Leider fehlen dann meist die Ressourcen, um gute Ansätze in die Tat umzusetzen. In Amerika gibt es immer noch sehr ungleiche Bildungschancen. Das schürt den Rassismus. Ich fand es toll, dass wir auf dem Kirchentag nicht nur beim Talk, sondern auch mit unserem Stück das Thema aufgreifen konnten. Es wäre schön, wenn wir alle erkennen würden, dass wir Teil dieser einen Welt sind, dass wir friedlich miteinander leben können, mit Respekt vor der Kultur der anderen. Ich würde gern einen solchen Kirchentag auch bei uns zu Hause haben.

Sierra Sims (24)
Sozialkundelehrerin in Englewood, Chicago

„Bürgerschaftliches Engagement ist wichtig“

Porträt von Benedik Wichtlhuber

Ich war sehr beeindruckt vom Charisma des ehemaligen Präsidenten. Die Antworten waren dagegen ein wenig ausweichend. Zwar hat er zugegeben, dass Menschen im Krieg durch den Einsatz von Drohnen gestorben sind – in seiner Amtszeit ein kritisches Thema – aber leider konnte ich nicht weiter nachhaken. Für mich ist das eine der schrecklichsten Formen der Kriegsführung. Das Austauschprojekt und die Arbeit an unserem Stück haben mir deutlich gemacht, wie präsent Rassismus in Amerika ist. Darum ist auch bürgerschaftliches Engagement unglaublich wichtig. Auch kleine Dinge können etwas verändern. Ich nehme jedenfalls viel mit von der Zeit in Berlin und in Chicago.

Benedikt Wichtlhuber (21)
Student der Wirtschaftsinformatik, Mannheim

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