Mein Kirchentag
Andacht

In Jesus Christus beginnt die Geschichte der Gewaltlosigkeit

In einer Kurz-Andacht zu Karfreitag greift die Generalsekretärin die Terror-Angriffe von Brüssel auf.

Von Ellen Ueberschär

Es geht um Leben und Tod.
Um Leben und Tod Jesu
Um Leben und Tod von Adelma Tapia,
von Leopold und David und all der anderen Opfer der Attentate von Brüssel.
Um unseren Tod und unser Leben.
Es geht um alles, worauf unser Glaube gründet.
Unser Glaube, dass das Leben stärker ist als der Tod,
dass die Vernunft stärker ist als der Irrsinn der Bomben.

Der Dienstag wird zum Karfreitag.
Zum Tag des Todes, des sinnlosen Sterbens.

Keine Erzählung des Evangeliums wird stärker in Zweifel gezogen als die Geschichte von Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi.
Aber keine Erzählung ist dichter an der Realität –

In der Sprache des Evangeliums findet die Trauer keine Auflösung, aber eine Antwort.
Ja, da ist Gott, Gott am Kreuz, Gott ein Opfer blutiger Attentate.
Da ruft der Gekreuzigte: "Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?"
Verlassen, verraten, getötet. Die Verzweiflung aller
Sterbenden zusammengefasst in einem Satz, in einem Schrei.
Wäre er doch vom Kreuz gestiegen!
Hätte er doch seine göttliche Macht ausgespielt gegen die,
die ihn aus dem Weg schaffen wollten.
Und genau das nicht!
Genau nicht der Einstieg in das System von Gewalt und Gegengewalt.
Gott macht nicht mit.
In Jesus Christus beginnt die Geschichte der Gewaltlosigkeit,
die Geschichte eines absichtlichen, klar denkenden Verzichts auf Gewalt,
der Anfang einer Geschichte, die schon einen langen Weg hinter sich hat,
von der Paradiesgeschichte bis hin zu den Friedensvisionen der Propheten, wo das Lamm beim Wolf liegt und das Baby mit der Schlange spielt.

Dieser Verzicht auf Gewalt ist das Einzige, was zum Frieden führt,
zum Leben schlechthin, zur Auferstehung aus dem Tod, aus der Gewalt.
Wo Menschen sich das zu Herzen nehmen, wachsen sie – das Leben und der Frieden.

In der Geschichte vom Kreuz, im Bericht über die letzten Tage Jesu erscheint alles, was uns in den dichtesten Augenblicken unseres Lebens bewegt:
Wozu leben wir eigentlich?
Was gibt uns Hoffnung angesichts solcher Katastrophen?
Was verbindet uns untereinander, was trennt uns?
Warum gibt es Verrat, Mord?
Warum müssen Unschuldige leiden?

Alles kommt vor, was auch heute unser Leben zeichnet:
Enttäuschungen, wenn Lebenspläne, Beziehungen und selbst die große Liebe zerbrechen.
Abgrundtiefe Einsamkeiten,
Schuldbeladenheit, Vergebungsbereitschaft,
Abschied und die Endgültigkeit des Todes.

Genau das will diese Geschichte aus der Kernzone des Christentums sagen:
Es ist euer Leben und eure Wirklichkeit, die hier erzählt wird, es ist Charlie Hebdo, Bataclan und Brüssel,
aber – und das macht es, dass die Geschichte über alle Geschichten hinausweist – Euer Leben und Eure Wirklichkeit sind aufgehoben in einem größeren Leben, in einer größeren Wirklichkeit.
Nennt sie wie ihr wollt.

Der Weg dahin beginnt mit dem Verzicht auf Gewalt.

Die Blutspur des Terrors kann nicht weggehofft und weggeliebt werden.
Terror muss bestraft, besser noch, Terrorabsichten müssen aufgedeckt und geahndet werden. Das ist das Mindeste.
Aber wirklich Frieden wird es erst, wenn die Gewalt ganz aufgehört hat.

Shalom und Gesegnete Ostertage!

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