Mein Kirchentag
Rückblick Stuttgart

Gemeinsam klüger geworden

Vor einem guten Jahr ist der 35. Deutsche Evangelische Kirchentag in Stuttgart zu Ende gegangen. Ein guter Zeitpunkt, um mit dem jetzt erschienenen Dokumentarband auf seine Höhepunkte zurückzublicken. Das Vorwort gibt einen Überblick über die Schätze des Buchs.

„damit wir klug werden“ (Psalm 90,12) war die Losung des 35. Deutschen Evangelischen Kirchentages, der vom 3.-7. Juni 2015 in Stuttgart stattfand.

Generalsekretärin Ellen Ueberschär schilderte ihre Perspektive darauf so: „Ein Ja zu Gott ist ein Ja zum Leben, das endlich ist und darum klug gelebt werden will.“ Die Losung sei laut Ueberschär demnach keine arrogante Empfehlung der Gebildeten an alle anderen, sondern ermuntere auch zu protestantischer Selbstkritik. „Wir sind nicht klug. Wir können es aber gemeinsam werden.“

Zahlen und Fakten

Mit diesem Ziel kamen in Stuttgart 96.833 Dauerteilnehmende zusammen, davon waren 4.412 internationale Gäste aus 97 Ländern. Es war nach 1952, 1969 und 1999 der vierte Kirchentag in Stuttgart, und die württembergische Hauptstadt empfing ihn mit großer Gastfreundschaft.

Das besondere Ereignis sollte mitten in der Stadt spür- und erlebbar werden und nicht im etwas abseits gelegenen Messegelände stattfinden. Mit viel organisatorischem Geschick und innovativen Ideen ließen die Verantwortlichen deswegen für die Dauer des Kirchentages im Neckarpark eine Zeltstadt mit besonderem Flair entstehen: 258 Zelte mit einer Gesamtfläche von sieben Fußballfeldern wurden aufgebaut. Einige Formate wie das Zentrum Mobilität, Energie, Ressourcen oder das Gläserne Restaurant profitierten von der Aussagekraft eines nicht auf Dauer angelegten Veranstaltungsortes. Eine Zeltstadt auf Zeit ist ein passendes Bild für den Wanderzirkus Kirchentag.

Viele werden aber auch noch lange die Temperaturen in Erinnerung behalten, die in den Zelten vorherrschten. Mit 34 Grad Celsius Außentemperatur als Spitzenwert war es einer der heißesten Kirchentage der letzten Jahrzehnte.

Dieses Buch soll den Kirchentag dokumentieren – wir zeigen daher die inhaltlichen Schwerpunkte auf, bilden aber gleichzeitig auch die große Fülle an Themen exemplarisch ab. Dieser Kirchentag hatte über 2.200 Veranstaltung – nur ein kleiner Teil davon ist in diesem Band enthalten.

Kirchentag und Ehrenamt

Warum kommen eigentlich so viele Menschen zum Kirchentag? Zum einen weil Kirchentag süchtig macht, knapp 60 Prozent der Teilnehmenden des Stuttgarter Kirchentages haben schon mindestens dreimal teilgenommen. Und zum zweiten, weil sehr viele, nämlich ca. 40 Prozent, nicht nur Gäste, sondern aktiv Mitwirkende sind. Bei seinem Grußwort nach dem Eröffnungsgottesdienst bezeichnete der Bundespräsident den Kirchentag als „Festival des Ehrenamtes“. Ravinder Salooja schreibt in diesem Buch über das Verhältnis von Ehrenamtlichkeit und Kirchentag und er berichtet vom jungen Vital aus Ruanda, der in Stuttgart studiert. Gefragt, ob er auch einfach als Gast teilgenommen hätte, sagt Vital, dass er dann wohl nicht dabei gewesen wäre. Was ihm beim Kirchentag so gut gefallen habe, sei gewesen, dass ihm vertraut wurde und er Verantwortung übernehmen konnte.

Gottesdienste

Die großen Gottesdienste bilden stets die Herzstücke des Kirchentages. Die einzigartige Atmosphäre, das gemeinsame Singen, das Glitzern der Trompeten und Posaunen in der Sonne und ihre Musik – vieles davon lässt sich nicht in einem Buch abbilden. Abgedruckt sind hier aber die biblischen Texte und die Predigten der Eröffnungsgottesdienste auf dem Schlossplatz, auf dem Rotebühlplatz und auf dem Marktplatz sowie vom Ökumenischen Gottesdienst auf dem Schlossplatz und vom Schlussgottesdienst auf dem Cannstatter Wasen.

Bibelarbeiten

In guter Kirchentagstradition war die Schar der Bibelarbeiterinnen und Bibelarbeiter auch in Stuttgart bunt gemischt: So finden Sie in der kleinen Auswahl aus insgesamt 99 Bibelarbeiten in diesem Band zum Beispiel Auslegungen von einem Ingenieur, einem Literaturwissenschaftler, einer Politikerin, von einer jüdischen und einer christlichen Theologiestudentin, sowie von Theologinnen und Theologen. Am Kirchentagsdonnerstag ging es um das Gleichnis vom Verwalter und den Umgang mit dem Mammon (Lk 16,1-13). Die freikirchliche Rundfunkbeauftragte Andrea Schneider stellte sich dazu beispielweise die Frage: „Ist dieses Gleichnis ein Gaunerstück, eine Robin-Hood-Geschichte oder ein Management-Ratgeber? Ist es unmoralisch oder missionarisch oder typisch protestantisch?“.

Kohelet (Prediger) 3,9-13 stand am Freitag auf dem Programm. Die Journalistin Beatrice von Weizsäcker schloss aus diesem komplexen Bibeltext: „Leben Sie den Tag ohne Angst, in Demut und Bescheidenheit. Denn die Ewigkeit ist schon da. Gott hat sie in unser Herz gelegt. Auch wenn wir das nicht immer verstehen.“ Am Samstag wiederum hielt Kardinal Lehmann in seiner Dialogbibelarbeit mit Andreas Barner zu Matthäus 25,1-13 einen dringlichen Appell zur verstärkten ökumenischen Zusammenarbeit.

Abgedruckt ist auch die Bibelarbeit des zu dem Zeitpunkt 88-jährigen Erhard Eppler, der von 1981-1983 und von 1989-1991 Präsident des Kirchentages war. Nach eigener Aussage war dies wohl sein letzter Beitrag zu einem Kirchentag.

Hauptvorträge

Die Hauptvorträge, die schon lange nicht mehr nur Vorträge von Einzelpersonen, sondern oft Dialoggespräche sind, gehörten zu den Höhepunkten dieses Kirchentages. Herausragende Denker aus der ganzen Welt äußerten zu den Fragen der Zeit. Dass dabei keine einseitigen und plakativen Forderungen, sondern sachlicher Austausch und kritischer Dialog im Vordergrund standen, wurde in Stuttgart oft als „neue Nachdenklichkeit“ des Kirchentages beschrieben. Tausende Menschen lauschten oftmals gebannt, ließen sich anregen und nutzten die Gelegenheit, um zu fragen oder zu kommentieren. Dieses einzigartige Miteinander über soziale, politische und religiöse Grenzen hinweg war auch in Stuttgart herausragendes Merkmal des Kirchentages.

Zwei klugen Menschen beim „laut denken“ zuhören konnte man beispielsweise beim Gespräch zwischen Bundespräsident Joachim Gauck und dem Soziologen Hartmut Rosa: Während Rosa den Wachstumsglauben kritisierte und einen Systemwechsel einforderte, warnte Gauck vor zu viel Pessimismus und betonte, dass wir in Zeiten lebten, in der es so viel Freiheit und Lebensmöglichkeiten gebe wie nie zuvor in der Geschichte.

Ebenfalls bewegt hat viele das Gespräch zwischen Kofi Annan, Frank-Walter Steinmeier und Nick Baines – sie redeten über die Welt, die aus den Fugen sei und darüber, wie Hoffnung dennoch ihren Platz behalten könne.

Bundeskanzlerin Angela Merkel diskutierte mit verschiedenen Akteuren über den digitalen Wandel; der Wirtschaftsphilosoph Michael Sandel beschrieb, wie Marktlogiken in alle Bereiche des Lebens Einzug gehalten hätten und plädierte dafür, Bereiche zu erhalten, die man mit Geld nicht kaufen könne; Rabbiner Julian Chaim Soussan und Landesbischof Ralf Meister sprachen miteinander über die Zukunft des jüdisch-christlichen Dialoges. Diese und weitere Hauptvorträge finden Sie in diesem Band abgedruckt.

Geflüchtete

Erst im Spätsommer 2015 wurde die Flüchtlingsfrage zum Thema Nummer eins der politischen Agenda, beim Kirchentag im Juni bildete sie bereits einen Schwerpunkt.

In der Podienreihe Migration und Menschenrechte wurde über Kirchenasyl und ein gerechtes Verteilsystem in Europa gesprochen. Diskutiert wurde auch über legale Fluchtwege und geregelte Einwanderung. Die Soziologin Bridget Anderson unternahm mit den Kirchentagsteilnehmenden ein Denkexperiment: Was wäre, wenn wir die Flüchtlinge im Boot auf dem Mittelmeer mit den Passagieren eines Ryan-Air Flugzeuges auf dem Weg in den Urlaub austauschten? In guter Kirchentagstradition wurde nicht über, sondern mit Flüchtlingen geredet: Alassane Dicko, ein abgeschobener Migrant aus Mali, eröffnete eine ganz neue Sichtweise, indem er forderte, Migranten als Akteure der Mobilität zu verstehen. Margot Käßmann beschrieb Migration als urbiblisches Thema und erinnerte daran, dass das europäische Ideal der Freiheit immer auch die Freiheit der Anderen sei. Manuela Schwesig sagte in ihrer Bibelarbeit: „Ich meine, wir sollten nicht allein über Lasten und Kosten sprechen, sondern mehr darüber, was diese Menschen mitbringen: ihre Kultur, ihre Erfahrungen, ihre Neugier und ihren Mut, an einem anderen Ort anzufangen.“ Und Nora Steen deutete die Bitte Salomos in 1. Könige 3,5-15 in ihrer Predigt im Schlussgottesdienst so: „Wenn du mit dem Herzen hörst, lässt du dich berühren von denen, die ein Zuhause suchen. Du kannst erst dann ruhig schlafen, wenn auch deine Nachbarn im Flüchtlingsheim nebenan willkommen sind.“

Interkultureller Dialog

Stuttgart ist in Deutschland die Stadt mit dem zweithöchsten Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund. Die Begegnung und das Gespräch Angehöriger unterschiedlicher Kulturen haben selbstverständlich auch den Kirchentag geprägt. Wir berichten in diesem Buch von dem interreligiösen Musikprojekt Trimum und von den interkulturellen Veranstaltungen, die unter der Überschrift „Stuttgarts Reichtum“ stattfanden.

Michael Blume, Leiter der Projektgruppe „Sonderkontingent Nordirak“ im Staatsministerium Baden-Württemberg, schrieb uns nach dem Kirchentag: „Es stimmt gar nicht, wie jemand halb scherzhaft vermutete, dass angesichts der Situation im Nordirak ein Kirchentag vielleicht ein wenig irrelevant erschiene. Ganz im Gegenteil: Noch nie habe ich so bewusst erlebt, was für ein Geschenk es ist, dass sich Menschen auch unterschiedlichster Religion auf kirchlicher Basis friedlich und freudig zusammenfinden können, dass sie zusammen reden und lachen, nachdenken und auch beten können. In den Kirchentagen zeigt sich (für mich mehr denn je), wie kostbar Frieden und Freiheiten ausgefüllt werden können – und wie falsch manche Zyniker und Spötter liegen. Konkret gesagt: Die Vielfalt der Religionen und Kulturen als Reichtum zu entdecken, ist wohl die beste Antwort, die man auf Hass und Terror geben kann.“

Gleichgeschlechtliche Liebe

Wenige Tage vor dem Kirchentag sprach sich im katholisch geprägten Irland eine klare Mehrheit für die Legalisierung der Ehe gleichgeschlechtlicher Paare aus. Diese Nachricht verstärkte den ohnehin geplanten Schwerpunkt zu Gender-Fragen und zu gleichgeschlechtlicher Liebe auf dem Stuttgarter Kirchentag. Das Programm hierzu war vielfältig: Das Gedenken zu Beginn erinnerte an die Verfolgung gleichgeschlechtlich Liebender im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit. Alice Nkom berichtete eindrücklich von Diskriminierung und Verfolgung von Schwulen und Lesben in ihrem Heimatland Kamerun. Besonders enttäuscht zeigte sich die Menschenrechtsanwältin von ihrer eigenen evangelischen Kirche. Das Zentrum Regenbogen wurde an allen drei Programmtagen zu einem Ort der Diskussion und der Begegnung. Im Abschlussgottesdienst verkündete Kirchentagspräsident Andreas Barner: „Unser klüger werden bezieht sich auch auf die Frage der gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Gegen Liebe können wir Christen und Christinnen uns nicht stellen.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Wirtschaft

Eine besondere Gelegenheit boten Stadt und Region Stuttgart durch ihren Status als Wirtschaftsregion. Außerdem übte nach Richard von Weizsäcker (1964-70 und 1979-81), Eleonore von Rotenhan (1987), Rainer Meusel (1997) und Martin Dolde (2001) mit Andreas Barner erneut ein Verantwortungsträger aus dem Bereich der Wirtschaft das Amt des Kirchentagspräsidenten aus. Diese Tatsache untermauerte den Charakter des Kirchentages als gesamtgesellschaftliche Bewegung und gab dem Ereignis Impulse für einen Dialog auf Augenhöhe mit Vertreterinnen und Vertretern der Wirtschaft.

Erstmalig fanden Kirchentagsveranstaltungen in Unternehmen statt – bei Bosch, in der Stuttgarter Börse, bei Kärcher und in der Volksbank. In der Hauptpodienreihe Gesellschaft verantwortet Wirtschaft in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle wurde über globale Produktionsprozesse und die Einhaltung von Menschenrechten diskutiert. Der Friedensnobelpreisträger Kailash Satyarthi sprach über Kinderarbeit und forderte, dass sich Wohlstand nicht weiter auf Kosten der Menschenwürde und der Gerechtigkeit entwickeln dürfe. In der Podienreihe Europa ging es um das aktuell in Verhandlung befindliche Freihandelsabkommen mit Amerika (TTIP) – der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm fragte Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel, ob TTIP mit der Vision einer Welt kompatibel sei, in der alle an den Ressourcen dieser Erde teilhaben könnten. In einer kontroversen Diskussion legte sich Gabriel darauf fest, dass Deutschland keinem Abkommen zustimmen werde, in dem private Schiedsgerichte vorgesehen seien.

Kooperation mit dem Christustag

Im Vorfeld des Kirchentages gingen der Kirchentag und die pietistisch geprägte Christustag-Bewegung aufeinander zu. Landesbischof July begrüßte die Zusammenarbeit: „Für Württemberg und die evangelische Kirche ist bei diesem Kirchentag ein Meilenstein gelungen […] Nach der ,Trennung’ beim vorletzten Stuttgarter Kirchentag 1969 gibt es wieder ein Miteinander.“ Erstmalig kam es nun seither zu einer Kooperation und der Christustag fand – eigenverantwortlich vorbereitet – auf dem Gelände des Kirchentages statt. Der Journalist Benjamin Lassiwe beschreibt in diesem Buch die Geschichte dieser Annäherung in seinem Beitrag „Ende einer Abgrenzung“.

Eine der Differenzen im Verhältnis der beiden Bewegungen ist der Umgang mit der Judenmission. Seit 1999 ist es Politik des Kirchentages, keine judenmissionarisch agierenden Gruppen zu den aktiven Mitwirkungsbereichen des Kirchentages zuzulassen. Gerade im Vorfeld des in Württemberg stattfindenden Kirchentages wurde diese Haltung vor allem bezüglich der sogenannten Messianischen Juden hinterfragt. Der Kirchentag blieb bei seiner Linie bezüglich der Mitwirkungsbereiche, griff die Kontroverse jedoch auf und organisierte ein theologisch fundiertes Gespräch mit dem jüdischen Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik, mit dem Messianischen Juden Richard Harvey und mit dem evangelischen Landesbischof Ralf Meister. Auszüge des Gespräches können Sie in diesem Buch nachlesen.

Richard von Weizsäcker

Es sind auch stets Personen, die den Kirchentag prägen: Kurz vor Beginn des Stuttgarter Kirchentages starb Richard von Weizsäcker, der nicht nur einer der mutigsten Staatsmänner dieses Landes war, sondern auch engagierter und beliebter Kirchentagspräsident des Kirchentages in Stuttgart 1969. Kirche und Welt einander näherzubringen, das war für Richard von Weizsäcker eine Lebensaufgabe. In einer bewegenden Veranstaltung wurde an ihn erinnert – die Rede von Thomas de Maizière finden Sie in diesem Band.

Außerdem im Dokumentarband

Neben den bereits angeführten thematischen Schwerpunkten, die den Kirchentag besonders prägten, gab es viele weitere Highlights, die Sie in diesem Band abgedruckt finden:

  • In der Hauptpodienreihe Schuld und Versöhnung bezeichnete der Kirchenhistoriker Martin Greschat die Stuttgarter Schulderklärung als einen Meilenstein in der Geschichte der evangelischen Kirche, der die Christen heute anspornen sollte, Verantwortung für Wege der Versöhnung zu übernehmen.
  • In der Hauptpodienreihe Mensch, Technik, Demokratie wurde unter anderem ein Blick auf das Feld der synthetischen Biologie geworfen. Die scherzhaft anmutende Frage, ob die klare Unterscheidung zwischen einem Hund als Lebewesen und einem Kühlschank als Gegenstand irgendwann nicht mehr ohne weiteres möglich wäre, gewann vor dem Hintergrund der Entwicklungen auf diesem Gebiet durchaus praktische Relevanz.
  • Der Bevölkerungsforscher Rainer Klingholz forderte im Zentrum Älterwerden angesichts des demografischen Wandels eine stärkere Entlastung und Förderung von Familien, da diese die Gesamtgesellschaft durch das Aufziehen von Kindern stützten und sozial absicherten.
  • Wir berichten über eine Veranstaltung zu Syrien, in der eine Muslimin und ein Christ gemeinsam dafür plädierten, die Opfergruppen nicht nach Ethnien oder Religionszugehörigkeit zu trennen, sondern auf die Situation aller Menschen in Not in Syrien zu schauen.
  • Im Zentrum Bibel wurde – anknüpfend an die Losung – über Weisheit in den heiligen Schriften gesprochen. Weisheit, die Vielfalt liebt und Ambivalenzen aushält.
  • Die Soziologin Jutta Allmendinger räumte im Zentrum Bildung mit Mythen des Bildungssystems auf und forderte ein Umsteuern in der Bildungspolitik und -finanzierung.
  • Im Zentrum Gemeinde wurde über die Gemeindeformen der Zukunft und ein neues Verständnis von Hauptamtlichen und Laien gesprochen, Bischof Steven Croft berichtete anschaulich von Beispielen aus England.
  • Im Zentrum Gender wurde der teilweise sehr aggressiv geführte gesellschaftliche Streit zum Gender Mainstreaming zum Anlass genommen, um über diesbezügliche Vorurteile und Ängste ins Gespräch zu kommen.
  • Melinda Gates sendete in der Podienreihe Globale Partnerschaft eine Botschaft an den parallel in Elmau stattfindenden G7-Gipfel und forderte von der deutschen Bundesregierung, die Umsetzung der Sustainable Development Goals (SDGs) voranzutreiben.
  • Beim Thementag Leiden wurden sehr persönliche aber auch fachliche und gesellschaftliche Aspekte zum assistierten Suizid vor dem Hintergrund der geplanten Gesetzesänderung im Herbst 2015 ins Gespräch gebracht.
  • Dem Kirchentag im Stammland der deutschen Automobilindustrie angemessen, wurde im Zentrum Mobilität, Energie, Ressourcen über vernetzte und ökologisch nachhaltige Mobilitätskonzepte gesprochen.
  • In der Podienreihe Muslime und Christen wurde die höchst aktuelle Frage des Verhältnisses von Gottes Barmherzigkeit und menschlicher Gewalt gestellt sowie umfassend und durchaus selbstkritisch reflektiert.
  • Beim Thementag Ökumene gaben katholische und evangelische Verantwortungsträger einen Ausblick darauf, wie das 2017 anstehende Reformationsjubiläum ökumenisch begangen werden kann.
  • Beim Thementag Religionsgemeinschaften und Staat machte der gastgebende Ministerpräsident Winfried Kretschmann deutlich, dass das Christentum eine Religion für die Welt sei und nicht für sich selbst.

Resolutionen

Insgesamt wurden zehn Resolutionen in neun verschiedenen Kirchentagsveranstaltungen verabschiedet. Sie sind hier alle im Wortlaut abgedruckt.

Berichte

Vieles, was beim Kirchentag passiert, lässt sich nicht durch die Wiedergabe von Veranstaltungsbeiträgen dokumentieren. Die Berichte in diesem Band bieten eine weitere Möglichkeit, die bunte Palette an Projekten und Kirchentagsgeschehen aufscheinen zu lassen. Durch diese erhalten Sie Einblicke ins Kinder- und ins Jugendzentrum, in das Kulturprogramm des Kirchentages, in das Zentrum Barrierefrei und in den Markt der Möglichkeiten.

Dank

Unser Dank gilt David Kiefer für die Unterstützung bei der Redaktion der Texte, Jakob Haller und Michael Raab für die Fotoauswahl, Gerda Diezemann, Petra Kirchner, Ilse Müller und Marlies Neidhart für das Transkribieren von Veranstaltungsaufnahmen – sie alle haben zu dieser Gesamtschau auf den Kirchentag 2015 beigetragen. Unterstützt haben uns auch Sirkka Jendis, Constantin Knall, Jörg Kopecz, Carsten Kranz, Arnd Schomerus, Lydia Seifert und Ellen Ueberschär durch ihre kollegialen Beratungen. Wir danken Gabriele Schneider und Diedrich Steen vom Gütersloher Verlagshaus für die gute Zusammenarbeit.

Andreas Barner war der Präsident dieses 35. Deutschen Evangelischen Kirchentages – ihm gilt unser besonderer Dank. Während er im Hauptberuf ein Weltunternehmen lenkte und zu Kirchentagssitzungen nicht selten direkt aus China, aus den USA oder anderswoher kam, leitete er diesen Kirchentag und dessen Vorbereitungen ganz im Sinne der Losung durch kluge Moderation und mit einem weisen Herz. Mit unglaublicher Wertschätzung und mit stets ungeteilter Aufmerksamkeit begegnete er allen Beteiligten des Kirchentages – egal ob der Polizistin, dem Helfer oder der Sekretärin. Er hat inhaltlich wichtige Impulse gegeben und damit diesen Kirchentag als Präsident, vor allem aber auch als Mensch wesentlich mit geprägt.

Am Tag nach dem Kirchentag titelte die Stuttgarter Zeitung: „Gebt uns das Paradies zurück“ (09.06.2015). In einem Jahr zieht dieses Paradies nach Berlin und Wittenberg – seien Sie dazu herzlich eingeladen.

Viel Spaß bei der Lektüre.

Fulda, im März 2016

Silke Lechner, Heide Stauff und Mario Zeißig

Der Dokumentarband zum Stuttgarter Kirchentag ist im KirchentagsShop erhältlich.

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