Mein Kirchentag
Kirchentage auf dem Weg

Forschen. Lieben. Wollen. Tun.

Die Doppelstadt im Herzen der historischen Kulturregion Anhalt hat viel zu bieten. Als Kirchentagsstadt auf dem Weg wartet Dessau-Roßlau nicht nur mit Welterben der Kultur auf, sondern auch mit einem spannenden Programm unter dem Motto „Forschen. Lieben. Wollen. Tun.“.

Von Johannes Killyen

Der Fußmarsch von Welterbe zu Welterbe zu Welterbe dauert in Dessau-Roßlau 20 Minuten: In der Wissenschaftlichen Bibliothek der Anhaltischen Landesbücherei findet sich, unweit der Innenstadt, ein wertvoller und von zeitgenössischer Studentenhand kommentierter Druck von Luthers Römerbrief-Vorlesung. Erst vor wenigen Monaten wurde dem Dokument Welterbestatus zuerkannt.

Von da aus könnte der Weg zur Schlossanlage Georgium führen, die zum Dessau-Wörlitzer Gartenreich gehört: eine einmalige Landschaft von Parks, Monumenten, Schlössern und auch Kirchen rund um Dessau, initiiert vom Fürsten Franz zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Schließlich sind es nur noch ein paar Schritte bis zum historischen Bauhausgebäude, das in den 1920er Jahren entstand und zum Fanal für die Architektur der Moderne in der ganzen Welt wurde.

Doppelstadt mit vielen Facetten

Diese und viele weitere Facetten der Doppelstadt im Herzen der historischen Kulturregion Anhalt überraschen Besucherinnen und Besucher, die noch nie hier waren. Zum „Kirchentag auf dem Weg“ vom 25. bis 28. Mai 2017 sind sie in besonderer Weise eingeladen, Tage voll gelebten Glaubens, voll Kultur, Natur und Gemeinschaft zu erleben. Und der Weg zum großen Festgottesdienst auf den Elbwiesen vor Wittenberg ist von keiner anderen der beteiligten Städte so kurz wie von Dessau-Roßlau aus. Vorbereitet wird der „Kirchentag auf dem Weg“ in Gemeinschaft mit dem Reformationsjubiläum 2017 e.V. von der Evangelischen Landeskirche Anhalts, der Stadt Dessau-Roßlau, zahlreichen Institutionen und Touristikern aus der Region.

Tafel der Begegnung

Zu den vorgesehenen Programmpunkten beim „Kirchentag auf dem Weg” gehören mit dem „Anhaltmahl” eine große Tafel der Begegnung im Stadtzentrum, ein ScratchKonzert mit Chören und der Anhaltischen Philharmonie, Lesungen, Theaterstücke, Andachten, Gottesdienste, Ausstellungen und vieles mehr. Etliche Veranstaltungen werden auch in Wörlitz und anderen anhaltischen Orten stattfinden.

Köthen (Anhalt) lockt als Wirkungsort von Johann Sebastian Bach und Samuel Hahnemann ebenso wie Zerbst/Anhalt, das sich als erste Stadt nach Wittenberg der Reformation anschloss. In Wörlitz, dem Zentrum des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches, befindet sich der älteste Landschaftspark auf dem europäischen Festland.

Das Motto des „Kirchentages auf dem Weg” in Dessau-Roßlau lautet „Forschen. Lieben. Wollen. Tun.“ und nimmt Bezug auf ein Zitat des in Dessau geborenen jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn (1729–1786): „Nach Wahrheit forschen, Schönes lieben, Gutes wollen, das Beste tun.“ Dies sei, schrieb der Gelehrte, „die Bestimmung des Menschen“. Auch in dem Vierklang der Verben, der diese Aussage nun für den Kirchentag zusammenfasst, findet sich ihr doppeltes Spannungsfeld wieder: Der forschende Verstand braucht das liebende Herz, die Tat wird an ihrer Absicht gemessen.

Balance von Geist und Gefühl

Moses Mendelssohn schrieb dies in einer Zeit, in der die Rolle der Religionen in der Gesellschaft und untereinander neu und umfassend diskutiert wurde – und in der Immanuel Kant den „Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“ postulierte. Ein Blick auf die Gegenwart zeigt, wie aktuell diese aufgeklärte Besinnung auf die Balance von Geist und Gefühl, Wollen und Handeln noch immer ist.

In diesem ganzheitlichen Sinne taugt das von einem jüdischen Denker der Aufklärung stammende Motto auch als Grundlage für ein großes evangelisches Fest – zumal in der Geburtsstadt von Moses Mendelssohn, die sich immer auch an den Verlust ihrer reichen jüdischen Tradition erinnern muss. So ist „Forschen. Lieben. Wollen. Tun.“ im Reigen der Kirchentage zugleich als Dessau-Roßlauer Botschaft für das Wittenberger Reformationsjubiläum zu verstehen – als Erinnerung an den Denker, der Lessing als Vorbild für seinen „Nathan der Weise“ diente. Und als protestantisches Bekenntnis zum Evangelium wie zur Liebe und zum tätigen Dasein.

Lebendige Gemeinden

Die Evangelische Landeskirche Anhalts ist als Gastgeberkirche des Dessau-Roßlauer „Kirchentages auf dem Weg“ zwar die kleinste der EKD-Gliedkirchen und muss sich wie andere östliche Gliedkirchen gegenüber einem zu NS- und zu DDR-Zeiten geprägten, weit verbreiteten Atheismus behaupten.

Demgegenüber stehen jedoch lebendige Gemeinden und eine weit über den kirchlichen Rahmen hinaus wahrgenommene Rolle als Träger kultureller und sozialer Initiativen.

Als einzige öffentlich-rechtliche Institution bildet die anhaltische Landeskirche die Grenzen der historischen Region Anhalt ab, die sich heute im 1990 neu gegründeten Bundesland Sachsen-Anhalt wiederfindet. Die Landeskirche hat unbestritten eine prägende Bedeutung für die Menschen in Anhalt – nicht nur für Kirchenmitglieder.

Anhalt kompakt

Im Jahr 2017 hat Anhalt zum Reformationsjubiläum übrigens noch einiges mehr zu bieten: Bei der „Weltausstellung der Reformation“ in der Lutherstadt Wittenberg wird sich die Landeskirche gemeinsam mit vielen Partnern unter anderem aus der Pfälzer Kirche, aber auch mit Touristikern aus der Region mit drei ausgebauten Überseecontainern präsentieren. Sie laden unter dem Titel „Anhalt kompakt“ zum Verweilen, Erleben und Schauen ein, Kaffeeterrasse inklusive. Und auf dem Europäischen Stationenweg schließlich ist Bernburg (Saale), im Westen Anhalts gelegen, am 18. Mai 2017 die letzte Station vor Wittenberg. „Seien Sie uns willkommen und lassen Sie sich überraschen“, sagt der anhaltische Kirchenpräsident Joachim Liebig.

Zum Autor: Johannes Killyen ist Pressesprecher der Evangelischen Landeskirche Anhalts.

Bild: Hjochheim / CC-BY-SA 3.0 / cropped

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