Mein Kirchentag
Reportage

Kindern ein wenig Normalität schenken

Seit 2013 werden syrische Flüchtlingsfamilien in Jordanien von den Johannitern unterstützt – einen Schwerpunkt bildet die Arbeit mit traumatisierten Kindern.

von Silke Roß

In Syrien herrscht Krieg – rund 630.000 syrische Flüchtlinge sind mittlerweile in das Nachbarland Jordanien geflohen. Hier wollen die Menschen abwarten, „bis sich die Lage beruhigt hat und sie wieder nach Hause können.“ In dem 6,5 Millionen Einwohner zählenden Jordanien leben rund 20 Prozent der Flüchtlinge in offiziellen Flüchtlingslagern, der weitaus größere Teil der Menschen ist bei Einheimischen untergekommen oder lebt irgendwo in einem der wilden Lager.

Seit April 2015 engagieren sich die Johanniter im Norden Jordaniens: „In Irbid und umliegenden Gemeinden betreuen wir gemeinsam mit unserer muslimischen Partnerorganisation United Muslim Relief rund 400 Flüchtlingskinder in sogenannten Child Friendly Spaces“, erzählt die Johanniter-Mitarbeiterin Lena Franke. „Weitere 300 Kinder werden in Amman, der Hauptstadt Jordaniens, betreut. In kindgerechten Räumlichkeiten können sie sich in einer geschützten Umgebung entspannen – hier können sie ganz Kind sein, mit anderen Kindern spielen, lernen und, wenn sie wollen, auch über ihre Erlebnisse reden.“

Ausgebildete Psychologen und Sozialarbeiterinnen unterstützen die Kinder, die oft Verwandte und Freunde verloren haben und schon früh Verantwortung übernehmen mussten. Der geschützte Rahmen bietet den Kleinen die Möglichkeit, eine kurze Zeit einfach Kind zu sein. Beim Spielen, Malen, Lesen könne das Trauma ein Stück weit überwunden werden, so Franke. Bei der Arbeit vor Ort sei es wichtig, dass die Kinder ihre Lebensfreude wiederfinden.

„Die Kinder sind bis zu dem Tag, an dem der Krieg ihr Leben erreicht, ganz normale Kinder, die sich über ihre Lehrer ärgern, nicht aufräumen wollen und ihre Eltern, Großeltern, Geschwister lieben – und dann, ganz plötzlich, von einem Tag auf den anderen, ist ihr ganzes Leben auf den Kopf gestellt. Familien werden auseinandergerissen – Angehörige zum Beispiel nach einem Bombenangriff auf verschiedene Krankenhäuser verteilt“, berichtet Franke.

So erging es auch der elfjährigen Basmala, es dauerte zehn Tage, bis das Mädchen erst ihren kleinen Bruder wiederfand und dann die Mutter. Der Vater und der große Bruder hatten den Angriff nicht überlebt. Lena Franke kennt viele solcher Geschichten und weiß, dass die Arbeit der Johanniter nicht nur für die Kinder ein Segen ist – auch die Eltern profitieren davon, dass die Jüngsten für einige Stunden sicher betreut werden, denn sie brauchen ebenfalls Zeit für sich, um sich mit dem Erlebten auseinanderzusetzen.

Mit der Spende aus der Kollekte des Abschlussgottesdienstes des Evangelischen Kirchentages in Stuttgart 2015 wurde das Projekt unterstützt. „Wir konnten unter anderem die Räumlichkeiten in Amman kindgerecht einrichten und ausstatten“, freut sich Franke. Und noch ein weiteres Angebot konnte ausgebaut werden: In einem speziellen Therapieprogramm zur Behandlung posttraumatischer Belastungsstörungen versuchen die Mitarbeitenden, Kindern und Jugendlichen Sicherheit und Orientierung zu vermitteln. Verschiedene Angebote bringen die Kinder und Jugendlichen zusammen, damit sie erleben können, dass sie nicht allein sind mit ihren Erfahrungen.

Zur Autorin Silke Roß ist verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit der Arbeitsstelle für das Reformationsjubiläum der Nordkirche.

Die Johanniter auf dem Kirchentag

Seit 55 Jahren sind die Johanniter fester Partner des Kirchentages – ob Sanitätsdienst, Fahrdienst, Kinderbetreuung oder Begleitdienste für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen.

Auch in Berlin und Wittenberg sowie bei den Kirchentagen auf dem Weg sind die Johanniter wieder mit dabei. In Berlin werden rund 1.000 Sanitäter im Einsatz sein, in Wittenberg über 400 Helfende, 85 bei den Kirchentagen auf dem Weg. 250 Helfer mit 50 Autos sind im Fahrdienst für Berlin vorgesehen, 20 Fahrzeuge in Wittenberg.

Um die Begleitdienste und Kinderbetreuung kümmert sich seit 1989 die Johanniter-Jugend. In Wittenberg wird eine Kindernotinsel eingerichtet, um „verloren gegangene“ Kinder sicher zu betreuen. Insgesamt sind rund 250 Fahrzeuge der Johanniter während des Kirchentages im Einsatz, in Wittenberg werden 47 zur Stelle sein. Es kann also nichts schiefgehen!

Mehr Informationen auf der Kirchentagsseite der Johanniter

Bild: Johanniter

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