Mein Kirchentag
Doppelpunkt

Einmal in 500 Jahren montags frei

Ein Zeichen für den Frieden setzen! Warum es wichtig ist, gemeinsam am 28. Mai den Festgottesdienst in Wittenberg zu feiern.

Wir leben in stürmischen Zeiten. Die Briten wollen aus der EU austreten und kündigen schon mal eine Politik des Steuerdumpings an. In den Vereinigten Staaten ist ein Präsident gewählt worden, der eine Abschottungspolitik propagiert, die Europa treffen wird. Gegen die bewaffneten Konflikte in der Ukraine, in den afrikanischen Ländern und den Flächenbrand im Nahen Osten ist kein Frieden in Sicht. Hierzulande ist eine offene Stimmungsmache gegen Menschen zu erleben, die vor Krieg, Terror und ausweglosem Leben in Hunger und Armut fliehen, und der Kirchentag muss sich mit der Frage auseinandersetzen, ob Rechtspopulisten auf seinen Podien zu Wort kommen sollen.

Ist es da richtig, für einen Reformationssommer zu werben, für ein vielfältiges, internationales Fest in Wittenberg und den Orten der Reformation? Auf den ersten Blick scheint das unangemessen. Ein fröhliches Festwochenende am 27. und 28.Mai 2017 vor der Drohkulisse der sich verschärfenden Weltlage? Nun, wir wären keine Protestanten, wenn das fröhliche Feiern nicht auch Tiefgang hätte, wenn nicht all die angesprochenen krisenhaften Phänomene auch Thema wären. Auf dem Kirchentag in Berlin werden wir an den Veranstaltungstagen von Donnerstag bis Samstag Menschen erleben, die sich mit hoher Kompetenz und großer Leidenschaft für Frieden einsetzen, die sich kritisch auseinandersetzen mit den Mängeln der Globalisierung, die das gleichberechtigte Zusammenleben aller und den Respekt vor Minderheiten vehement verteidigen.

Aber es gibt nichts Wirkungsvolleres, als dass sich am 28. Mai 2017 möglichst viele Christinnen und Christen versammeln, die der rückwärtsgewandten Hassbotschaft der rechten Blogs und Netzwerke die Friedensbotschaft des Evangeliums entgegensetzen. Vor der Kulisse von Wittenberg mit ihren markanten Kirchtürmen, vor den Toren der kleinen Weltstadt, die in das kulturelle Gedächtnis eingraviert ist, wird etwas Besonderes zu erleben sein – wie Tausende Menschen, die im Alltag mindestens ebenso viele Meinungen vertreten, friedlich und einander achtend, gemeinsam zeigen – Frieden in der Gesellschaft ist möglich.

Erst recht ist ein internationales, buntes und vielsprachiges Fest eines der besten Rezepte gegen eine destruktive, antidemokratische Protesthaltung.

Die Reformation, die im Mittelpunkt dieses Festes stehen wird, war selbst eine europäische Bewegung, und ihre Ideen der Erneuerung des christlichen Glaubens und der Reform der Kirche fanden globale Verbreitung. Das Wittenberger Fest im Mai 2017 wird genau diese europäische Dimension feiern – „von Angesicht zu Angesicht“, wie das biblische Thema des Festgottesdienstes sagt.

Nun höre ich viel Zustimmung zu diesen Überlegungen, aber auch viel Kleinmütigkeit ob der Anreise, ob denn alles geregelt sei und wie das denn gehe mit den Zügen von Berlin-Südkreuz und ob denn Toiletten vorhanden seien und ob man es überhaupt am Sonntag noch rechtzeitig nach Hause schaffte. Darauf ist meine Antwort: Einmal in 500 Jahren kann man montags freinehmen! Und sicher wird die Fahrt nach Wittenberg eher einer Pilgerreise gleichen als einer Luxustour, aber genau deswegen lohnt sie sich!

Herzlich

Ellen Ueberschär

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