Mein Kirchentag
Geschäftsstelle

Ein Büro mit Blick über Berlin

Am 30. November 2015 wurde das Organisationsbüro des Kirchentages offiziell eröffnet. Für die Mitarbeitenden kann es jetzt richtig losgehen.

Von Alexander Matzkeit

Sie sind so frisch, dass sie noch ein bisschen stauben. Wegen der erhöhten Auftragslage der umliegenden Schreinereien in der Vorweihnachtszeit und einer Reifenpanne auf der Autobahn von Dresden nach Berlin, sind die orange leuchtenden, meterhohen Holzbuchstaben erst in letzter Minute angekommen. Gerade noch rechtzeitig für das große, symbolische Foto. Geschäftsführerin und Geschäftsführer, Kollegiumsmitglieder und Vertreter von Senat, Landeskirche und Vorstand des Durchführungsvereins nehmen jeweils einen Buchstaben in die Hände, drapieren sich gemeinsam um die aufgestellten Papphocker und präsentieren stolz die Stadt, in der sie sich befinden, und das Jahr, um das sich alles dreht: BERLIN 2017. Kameras blitzen. Applaus.

Eine Geschäftsstelle in der Hauptstadt zu finden war keine triviale Aufgabe. Die Organisation eines Kirchentages hat besondere Anforderungen, die nicht jeder Bürokomplex erfüllen kann. Die Räumlichkeiten müssen Platz für zunächst rund 30, aber irgendwann über 100 Mitarbeitende bieten, sie brauchen große und kleine Konferenzräume, einen Küchenbereich für die Verpflegung der Mitarbeitenden in der stressigsten Phase und Lagerräume für Shopartikel und alles andere, was der Wanderzirkus Kirchentag so mit sich durchs Land bewegt. Für die vielen Sitzungen mit Ehrenamtlichen aus der ganzen Republik, die in der Regel mit der Bahn anreisen, sollten die Büros zentral liegen, aber zu teuer dürfen sie auch nicht sein. Schließlich erhält der Kirchentag öffentliche Zuschüsse und fühlt sich einer Grundsparsamkeit verpflichtet.

Gebäude mit Geschichte

Bei so hohen Ansprüchen hätte es die Berliner Startmannschaft aber dennoch schlechter treffen können. Die oberen beiden Stockwerke des Gebäudes in der Potsdamer Straße 180 bieten einen beeindruckenden Blick über Berlin. Wer im richtigen Büro sitzt oder durch das so genannte Casino flaniert, in dem sich zur Eröffnung alle sammeln, kann problemlos Fernsehturm, Sony Center und Nikolaikirche ausmachen. Zwei Hausnummern weiter südlich öffnet sich die Potsdamer Straße für den Kleistpark mit weiten Grünflächen und schmucken Rokoko-Kolonnaden. Das Haus Nummer 180 beherbergt einige Geschichten. 1913 war es Schauplatz des „Ersten deutschen Herbstsalons“, einer wegweisenden Ausstellung moderner Kunst, die allerdings von der zeitgenössischen Kritik verschmäht wurde. 1972 nahm das erste selbstverwaltete Jugendzentrum „Drugstore“ hier seinen Betrieb auf. Zuletzt steuerten die Berliner Verkehrsbetriebe BVG aus den Büros im fünften Stock einen Teil ihres gelben ÖPNV-Imperiums, dem die Einwohner Berlins in inniger Hassliebe verbunden sind.

Der besondere Charakter dieser Stadt und der Menschen, die in ihr leben, wird bei der Eröffnung der Geschäftsstelle immer wieder betont. Nicht nur, dass sich an Berlin die deutsche und die Kirchentags-Geschichte sehr gut ablesen lässt. Fünfmal schon war der Kirchentag in Berlin zu Gast, wie Ellen Ueberschär in ihrer Andacht betont: 1951 kurz nach Gründung der Bundesrepublik, 1961 am Vorabend des Mauerbaus, 1977 während der deutschen Teilung, 1989 kurz vor der Wiedervereinigung und 2003 – in Einheit nicht nur der beiden deutschen Staaten, sondern auch der beiden großen deutschen Konfessionen am 1. Ökumenischen Kirchentag. Dennoch gilt in Deutschland keine Stadt als zugleich so säkularisiert und so pluralistisch. „Mancher bezeichnet sie als Hauptstadt des Atheismus. Anderen erscheint diese Stadt als wildes Durcheinander eines seelenlosen Molochs“, berichtet Hartmut Rhein, Beauftragter der Staatskanzlei für Kirchen, Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften, in seinem Grußwort. Berlin ist auch eine Stadt der Begegnungen. 131.200 Kongresse und Tagungen fänden pro Jahr statt, sagt Rhein. „Dazu kommen über 10 Demonstrationen – pro Tag wohlgemerkt.“

Brummbärig und Dickfellig

Die Berliner könnten wie ihr Wappentier grummelig und brummbärig sein, erklärt der Beauftragte, aber eben auch liebenswert dickfellig. Sie wohnen außerdem im Einzugsgebiet der Landeskirche mit dem langen, aber sehr präzisen Namen „Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz“ (EKBO), die im Vergleich zur Stadt noch relativ jung ist – die Fusion der beiden Vorgängerkirchen geschah erst 2004.

Der anwesende Vertreter der EKBO, Propst Christian Stäblein, lenkt die Aufmerksamkeit auf die Neu-Berliner, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Geschäftsstelle. „Sie stehen praktisch nie im Rampenlicht, Sie sind meist unsichtbar und doch wäre alles ohne Sie nicht denkbar. Und heute, bei der Eröffnung der Geschäftsstelle sagen wir: Wir sehen Euch.“ Für so viel gutes Geleit gibt Geschäftsführer Constantin Knall im Gegenzug ein Versprechen. Auch in einer an Events fast übersättigten Stadt, hätten er und sein Team vor, „einen Kirchentag zu organisieren, von dem auch Berlin noch lange sprechen wird.“

Erste Anzeichen für die Erfüllung dieses Versprechens gab es dafür bereits bei der Eröffnungsfeier. So manch einer, der angekündigt hätte, nur sehr kurz vorbeischauen zu können, sei am Ende doch mehrere Stunden geblieben, hieß es anschließend. Wenn das kein gutes Omen für den Kirchentag 2017 ist.

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