Mein Kirchentag
Reformation

Das erwartet die Besucher im Reformationssommer 2017

Das 500-jährige Jubiläum der Reformation wird ein vielfältiges Ereignis. Wir geben einen Überblick über die Hintergründe und die geplanten Veranstaltungen.

von Christof Vetter

"Wer nicht dabei gewesen ist, wird sich dann ärgern." Davon sind die Macher im Verein "Reformationsjubiläum 2017" überzeugt. Einmalig soll nicht nur der Anlass sein, einmalig soll auch werden, was in diesen Tagen noch im Haus der Berliner Stadtmission vorbereitet wird. Dort, in der Lehrter Straße beim Berliner Hauptbahnhof, ist der Verein noch untergebracht, der vom Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und dem Deutschen Evangelischen Kirchentag (DEKT) gegründet wurde. Mit zu den Vorbereitungen gehört aber auch, dass im Herbst ein Umzug nach Lutherstadt Wittenberg ansteht. Dann wird die Geschäftsstelle zur Vorbereitung der zentralen kirchlichen Ereignisse angesichts des Jubiläums 500 Jahre Reformation dort sein, wo auch die meisten Veranstaltungen stattfinden sollen.

Das gibt‘s nur einmal

Das Ereignis ist einmalig und spricht sich auch langsam als großer Jubiläumsanlass herum: Vor 500 Jahren hat der Wittenberger Mönch und Theologieprofessor Martin Luther mit dem Datum des Tages vor dem Allerheiligenfest 1517 seine 95 Thesen über die Buße der Christen zur Diskussion frei gegeben. Über Jahrhunderte wurde erzählt, er habe sie an die Tür der Wittenberger Schlosskirche genagelt. Ob dies an diesem herbstlichen Vorabend des großen Gottesdienstes zu Allerheiligen historisch wirklich so gewesen ist, bleibt umstritten. Jahre später - Luther selbst war schon verstorben - schrieb sein Freund Philipp Melanchthon die Geschichte so auf. Nur: Der im badischen Bretten geborene Reformator lehrte 1517 noch an der weit entfernt liegenden schwäbischen Universität Tübingen. Er hat es selbst also gar nicht miterlebt.

Auch das vor einigen Jahren entdeckte Zeugnis von Luthers Wittenberger Zeitgenossen Georg Rörer, am 31. Oktober 1517 haben Thesen gegen den Ablasshandel an den Türen der Wittenberger Kirchen gehangen, lässt nicht den Rückschluss zu, dass die Schläge an jenem Abend von einem durch den Reformator persönlich geführten Hammer durch die engen Straßen Wittenbergs gehallt seien. Sei‘s drum: Schon einhundert Jahre später wurde dieser Tag zum Anlass genommen, der einhundert jährigen Reformation zu gedenken, auch wenn das, was danach gekommen ist, mit den Thesen nur einen Anfang verzeichnet. Bis heute begehen evangelische Christen den 31. Oktober im Gedenken an die Reformation. So ist es nur konsequent, dass Kirche und Politik sich darauf geeinigt haben, im Jahr 2017 werde 500 Jahre Reformation gefeiert. Ein "Ereignis von Weltrang", so der Deutsche Bundestag.

500 Jahre sind nahezu einmalig. Nur wenige Gebäude werden so alt. Menschen, an deren Geburt vor 500 Jahren erinnert wird, sind tot. Doch reformatorisches Gedankengut hat über 500 Jahre die Welt mit geprägt. Auch wenn Luthers 95 Thesen zur Buße und gegen den Ablasshandel Anlass sind, ist der in Eisleben geborene und gestorbene Theologe nicht allein die Reformation. Reformatorische Bestrebungen gab es auch schon vor Luther, etwa mit John Wycliff, der schon im 14. Jahrhundert in England reformatorische Gedanken formulierte. Oder der Böhme Jan Hus, der vor 600 Jahren in Konstanz wegen seiner Äußerungen, die als ketzerisch eingestuft wurden, den Tod auf dem Scheiterhaufen sterben musste. Auch zur Zeit, als Martin Luther, Philipp Melanchthon und andere in Wittenberg reformatorische Gedanken formulierten und an Gleichgesinnte aus vielen europäischen Ländern weitergaben, entwickelte sich unabhängig ähnliches Gedankengut: durch Huldrych Zwingli in Zürich oder auch Johannes Calvin zuerst in Frankreich und später in der Schweiz.

EIne Statue von Martin Luther mit Kirchentagsschal

Ökumenisch und international

Deshalb werden 500 Jahre Reformation auch nicht lutherisch gefeiert, sondern in großer ökumenischer Verbundenheit mit anderen reformatorischen und protestantischen Konfessionen: den Kirchen in reformierter und unierter Tradition, die zur EKD gehören, oder etwa auch den evangelischen Kirchen in der Schweiz, wo die Reformation wenige Jahre später Raum gegriffen hat. Da die Reformation zwar auch in Deutschlands Mitte aufgebrochen ist und von dort aus eine große Wirksamkeit erzeugt hat, veränderten und prägen reformatorische Gedanken europaweit und weltweit kirchliches Leben. Deshalb kann nach 500 Jahren das Reformationsjubiläum nicht nationalistisch gedacht oder geprägt gefeiert werden, sondern in Kooperation mit den kontinentalen und weltweiten ökumenischen Bünden und Organisationen.

In den letzten Jahrzehnten hat das ökumenische Gespräch zwischen den Kirchen gezeigt, dass katholische und evangelische Christen mehr verbindet als trennt. Deshalb soll das Reformationsjubiläum zu Beginn des 21. Jahrhunderts als Christusfest gefeiert werden, "das die Botschaft von der freien Gnade Gottes ausrichten will an alles Volk. Diese Grundintention der Reformation selbst ist für die EKD der Anlass, nicht allein alle traditionelle Polemik abzustreifen, sondern alle christlichen Kirchen und Konfessionen zum Mitfeiern einzuladen, selbst wenn sie ein anderes und kritischeres Bild von der Reformation und ihren Wirkungen haben." Dies hat der Vorsitzende des Rates der EKD, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, im Mai 2015 an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, geschrieben.

"Die Deutsche Bischofskonferenz begrüßt, dass die EKD ihr Reformationsjubiläum nicht feiern möchte, ohne ihre ökumenischen Partner mit einzubeziehen", antwortet der Erzbischof von München und Freising, der der deutschen Bischofskonferenz vorsteht. Die Reformation und die nachfolgenden Entwicklungen seien auch Teil der Geschichte der katholischen Kirche. Auch er betont, "dass uns der Glaube an Jesus Christus, das Lesen der Heiligen Schrift und das sakramentale Band der Taufe zutiefst miteinander verbinden". Das Reformationsjubiläum 2017 kann so nicht nur die Freude zum Ausdruck bringen, sondern wird auch das Versagen und schuldhafte Entwicklungen zwischen den Konfessionen wahrnehmen: "Wer sich auch mit den dunklen Seiten der Reformation beschäftigt, zeigt Stärke", so der EKD-Ratsvorsitzende.

Auf einem aufgestellten Ortsschild ist Stuttgart durchgestrichen und Forum Reformation ist als nächster Ort ausgeschildert

Ein Jubiläum der gesamten Gesellschaft

Das reformatorische Gedankengut hat nicht nur die kirchliche Landschaft seit dem Mittel alter verändert. So hat der Deutsche Bundestag schon 2009 festgestellt: "Die Reformation als ein zentrales Ereignis in der Geschichte des christlich geprägten Europas hat die Entwicklung eines Menschenbildes gefördert, das von einem neuen christlichen Freiheitsbegriff maßgeblich beeinflusst wurde. Sie war wichtig für die Ausbildung von Eigenverantwortlichkeit und die Gewissensentscheidung des Einzelnen. Damit konnten sich die Aufklärung, die Herausbildung der Menschenrechte und die Demokratie entwickeln. Durch die Reformation wird bis heute das religiöse Leben und die kulturelle Entwicklung in Musik, Kunst und Literatur entscheidend mitgeprägt. Die Übersetzung der Bibel durch Martin Luther ins Deutsche war zum Beispiel für die Entwicklung und Verbreitung der deutschen Sprache von wesentlicher Bedeutung." Deshalb feiert nicht nur die evangelische Kirche, feiern nicht nur die Kirchen, sondern die gesamte Zivilgesellschaft ist eingeladen, sich eines Ereignisses zu erinnern, dass ihre Entwicklung nachhaltig und bis heute prägt.

Deshalb kann Reformationsjubiläum nicht nur der Blick auf das zurück sein, was im 16. Jahr hundert in Wittenberg und Augsburg, in Worms und Zürich, in Turku und Ljubljana geschehen ist. Bedacht, erinnert und gefeiert wird der Aufbruch, der Menschen bis heute dazu bringt, innovativ und zukunftsfähig Kirche und Gesellschaft zu gestalten, Verantwortung zu übernehmen und zu ihrer Überzeugung zu stehen. Ein Gedanke, der aus der Reformationszeit kommt, ist die allgemeine Bildung, um einer lebendigen Sprache in Wort und Schrift mächtig zu sein. Dies ist die Voraussetzung für allen Fortschritt, alle Kommunikation, alle Beteiligung an gesellschaftlichen Prozessen - mit der Übersetzung des Neuen Testaments in die Sprache, die das Volk spricht, hat auch die Reformation einen ihrer Anfänge, den es zu feiern lohnt. Mit dieser Voraussetzung debattieren und diskutieren Menschen und wirken bei dem, was Gesellschaft heute prägt, aus ihrem Glauben heraus mit. Sie nehmen die Tradition ernst und gestalten daraus das Leben neu, bestimmen über sich selbst und miteinander im demokratischen Prozess. So ist das Reformationsjubiläum auch der Blick in die Zukunft: Wer die Reformation feiert, will auch die Zukunft gestalten.

Bild von der Staffelstab-Übergabe von Stuttgart an Berlin
Übergabe des Staffelstabs von einer Gastgeberstadt in die nächste auf dem Stuttgarter Kirchentag

Vorbereitung der einzelnen Aktionen

Vielfältig wirkt auf den ersten Blick, wo überall wer das Reformationsjubiläum vorbereitet: Der Verein "Reformationsjubiläum 2017" in enger Kooperation mit der EKD und dem DEKT, die staatliche Geschäftsstelle Luther 2017 in Lutherstadt Wittenberg in enger Kooperation mit dem Verein, der EKD und der Wittenberg-Stiftung der EKD, die Bundesländer, in denen wichtige Stätten der Reformation liegen, die Landeskirchen mit ihren Beauftragten für das Reformationsjubiläum, viele Kirchenkreise und Kirchengemeinden.

Verantwortlich für die Vorbereitungen sind Gremien, in denen Staat, Gesellschaft und Kirchen gleichermaßen vertreten sind: Im Kuratorium, das schon seit Jahren die Lutherdekade begleitet, treffen sich unter der Leitung des Ratsvorsitzenden der EKD Ministerpräsidenten, Bischöfe, Bundesminister. Dort werden "Entscheidungen zu den über greifenden konzeptionellen und organisatorischen Vorgaben" getroffen. Dem Kuratorium arbeiten der Lenkungsausschuss unter dem Vorsitz des Kultusministers des Landes Sachsen-Anhalt, Stephan Dorgerloh, und der Wissenschaftliche Beirat unter dem Vorsitz des früheren Verfassungsrichters Udo Di Fabio zu. Die Zusammenarbeit der verschiedenen Geschäftsstellen wird im "Gemeinsamen Beirat der Geschäftsstellen" diskutiert.

Für die zentralen kirchlichen Aktivitäten gibt es unter Vorsitz des Justizministers von Rheinland-Pfalz und früheren Kirchentagspräsidenten Gerhard Robbers den Leitungskreis. In diesem Leitungskreis sind außer Vertreterinnen und Vertretern des Rates der EKD und des Präsidiums des DEKT auch die Landeskirchen Mitteldeutschlands, die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland, die Europäische protestantische Ökumene (Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa), der Lutherische Weltbund (LWB), die evangelischen Freikirchen in Deutschland und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken vertreten. Für die unterschiedlichen Veranstaltungsformen hat der Leitungskreis Projektleitungen berufen, in denen wiederum kirchliche und gesellschaftliche Gruppen vertreten sind. Für die Orte, an denen zu "Kirchentagen auf dem Weg" eingeladen wird, wurden Programmausschüsse berufen, die mit regionalen Vertreterinnen und Vertretern besetzt sind.

Auf das Reformationsjubiläum bereiten sich zudem Touristiker vor, die wissen, dass das Reformationsjubiläum für viele Christen etwa in Skandinavien, USA oder Korea Anlass für eine Reise sein wird. Auch Museen, Verlage, Jour nalisten, Redakteure, Autoren und viele andere beschäftigen sich jetzt schon mit Themen, die Ausblick auf 2017 verschaffen.

Die einen bereiten das Reformationsjubiläum mit einem offiziellen Auftrag vor, die anderen aus geschäftlichem Interesse. Aber alle arbeiten mit einer hohen Begeisterung und inhaltlichen Motivation: 2017 wird ein besonderes Jahr und ein Höhepunkt nach den Jahren der Lutherdekade, den vielen Renovierungen historischer Stätten der Reformation und den ausschweifenden Debatten darüber, was eigentlich gefeiert wird.

Die großen, zentralen Veranstaltungen

Für die großen und zentralen kirchlichen Veranstaltungen haben EKD und DEKT den Verein "Reformationsjubiläum 2017" gegründet. Vorsitz im Verein führt Marlehn Thieme, Mitglied des Rates der EKD. Geschäftsführer sind Hartwig Bodmann und Ulrich Schneider, die beide über lange Zeit beim Kirchentag Erfahrungen in der Organisation von Großveranstaltungen erworben haben. Etwa 20 Mitarbeitende umfasst das Team im Sommer 2015, angelegt darauf sich ständig zu vergrößern, bis dann der Reformationssommer 2017 umgesetzt wird. Fünf große Veranstaltungsformate werden im Verein für die Zeit zwischen November 2016 und September 2017 geplant: Der "Europäische Stationenweg" mit 67 Stationen in 18 Ländern, "Tore der Freiheit" als Weltausstellung Reformation vom Mai bis September 2017, sechs Kirchentage auf dem Weg über Himmelfahrt 2017, der Festgottesdienst mit Bürgerfest am 28. Mai 2017 bei Wittenberg und Camps für Konfirmanden und Jugendliche in der Nähe von Wittenberg im Sommer 2017.

Zu den Veranstaltungen des Reformationssommers gehört auch der 36. Deutsche Evangelische Kirchentag, der in Berlin und Wittenberg stattfinden wird. Kirchentag und Kirchentage auf dem Weg münden in den Festgottesdienst auf den Elbauen vor Wittenberg. Der Kirchentag in Berlin-Wittenberg wird wie jeder Kirchentag von der Geschäftsstelle und einer regionalen Arbeitsstelle in Berlin vorbereitet und durchgeführt.

Im Reformationssommer 2017 und bis dahin - unabhängig von der kirchlichen Vorbereitung und Durchführung gibt es von Museen und in Zusammenarbeit mit der staatlichen Geschäftsstelle Luther 2017 organisierte nationale und regionale Sonderausstellungen. Neben diesen Veranstaltungen im Reformationssommer 2017 wird es eine große Anzahl von zentralen und regionalen Veranstaltungen geben, die das Reformationsjubiläum in den Mittelpunkt stellen. Dazu kommen Angebote, die besonders das Verhältnis zwischen der evangelischen und der katholischen Kirchen im Blick haben: Angedacht ist etwa ein Versöhnungsgottesdienst am 11. März 2017 in Berlin. Das eher katholisch ausgerichtete Fest der Kreuzerhöhung, das 2017 am 14. September gefeiert wird, soll ebenfalls ökumenisch gefeiert werden. Nicht nur die katholische und die evangelische Kirche, auch Orthodoxe und Anglikaner sollen dazu eingeladen werden. Dazu kommt eine Reihe weiterer Veranstaltungen, die regional ausgerichtet sind oder zu denen bestimmte Zielgruppen eingeladen werden.

Zum Autor: Christof Vetter ist Abteilungsleiter Marketing des Vereins Reformationsjubiläum 2017

Der Text ist ein Auszug aus dem Studienbrief G3 der Arbeitsgemeinschaft Missionarischer Dienste (AMD). Der vollständige Studienbrief, der die Ziele aller Veranstaltungen noch weiter vertieft kann auf den Seiten des Reformationsjubiläums heruntergeladen werden.

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