Mein Kirchentag
Kirchentage auf dem Weg

Musik. Disput. Leben

Musikalische Leckerbissen, Pilgerreisen zu Wasser, eine Kaffeetafel durch die Stadt und viel Raum zum Feiern, Singen, Beten und Disputieren. Unter dem Dreiklang „Musik. Disput. Leben“ lädt Leipzig zum Kirchentag auf dem Weg ein.

von Stephan von Kolson

Er hatte es geträumt. In einer Nacht die ganze Schlussszene: die Lichtkuppel über dem Marktplatz in Leipzig. Darunter großes Orchester, Chöre und Solisten, Schauspieler, Tänzer. Gekoppelt mit Videoproduktionen, Soundund Lichtdesign. Hunderte Mitwirkende. Tausende Zuschauer. Aus dem Traum wird an den Abenden des 26. und 27. Mai 2017 während des Kirchentages auf dem Weg in Leipzig nun Wirklichkeit. „ZUM LICHT“ lautet der Titel des 70-minütigen Open-Air-Spektakels zur Reformation, zu Glaubenskriegen, zu Toleranz und zu Versöhnung, das der Leipziger Künstler Falk Elstermann eigens für das Reformationsjubiläum inszeniert.

Leipzig atmet Geschichte

Die Performance steht sinnbildlich für den Leipziger Dreiklang: Musik. Disput. Leben. Immer wieder verlinkt Falk Elstermann die historischen Ereignisse auf der Bühne, die um die Leipziger Disputation von 1519 kreisen, mit der Gegenwart. Und das ist vielleicht auch so etwas wie das heimliche Motto dieses Kirchentages auf dem Weg in Leipzig – und das Erfolgsgeheimnis dieser Stadt. Leipzig atmet Geschichte. Zugleich ist dieser Atem ein frischer Wind, der durch die Stadt weht. Diese Bürgerstadt, in der man stolz darauf ist, nie von einem Fürsten regiert worden zu sein. Die Stadt der Leipziger Buchmesse, die Stadt des Thomaskantors Johann Sebastian Bach. Felix Mendelssohn Bartholdy wirkte als Kapellmeister am berühmten Gewandhaus. Robert Schumann schrieb hier die „Frühlingssinfonie“. Im Leipziger Stadtteil Gohlis steht das kleine Bauernhaus, in dem Friedrich Schiller im Sommer 1785 die erste Fassung des Gedichts „An die Freude“ schrieb.

Lebendig und international

Es ist die Stadt, von der aus in Folge der Disputation im Juli 1519 zwischen Martin Luther und dem katholischen Theologen Johannes Eck die Kirchenspaltung ausging. Und die Stadt, deren couragierte Bürgerinnen und Bürger im Herbst 1989 von der Nikolaikirche aus ein ganzes Land bewegten und die Wiedervereinigung einleiteten. Es ist die Stadt der jungen Künstlerinnen und Künstler, in der Schreibende wie Juli Zeh und Clemens Meyer als Autoren groß geworden sind. In deren Nähe Neo Rauch lebt – und die eine äußerst lebendige Hochschullandschaft hat mit überproportional vielen internationalen Studierenden.

Von Kneipengesprächen bis Gottesdienst

Für die Disputation im Heute wird es während des Kirchentages auf dem Weg „Kneipengespräche“ geben. In zahlreichen Leipziger Kneipen können Teilnehmende mit bekannten und meinungsstarken Persönlichkeiten diskutieren, unter anderem mit Bürgerrechtler Roland Jahn, der Landtagsabgeordneten Petra Köpping, dem Lyriker Christian Lehnert und vielen mehr. Der Kirchentag auf dem Weg in Leipzig erwartet seine Teilnehmenden mit rund 500 Veranstaltungen an 100 Orten mitten in der Stadt. Ein ökumenischer Gottesdienst unter freiem Himmel zeitgleich mit allen anderen Kirchentagsstädten auf dem Weg und Berlin wird am Donnerstag der geistliche Auftakt sein, Bibelarbeiten etwa mit Lutherbotschafterin Margot Käßmann und die Jugend-Taizé-Nacht folgen.

Von Symphonie bis Limbo Kids

Musik spielt eine wesentliche Rolle: Die Sächsische Bläserphilharmonie wird ebenso dabei sein wie der Sächsische Kammerchor, das Mendelssohnorchester und der MDR Kinderchor. Und es gibt Theater – die Leipziger Cammerspiele führen beispielsweise „Sie“ nach Jean Genet auf. Die Theater- und Performancegruppe „friendly fire“ inszeniert das Stück „Eye: See: You. Limbo Kids“ und das Leipziger Kultur- und Kommunikationszentrum naTo e.V. bietet ein Beteiligungsprojekt mit Film, Theater und Ausstellung an.

Pilgerreisen zu Wasser

Was nur wenige wissen: In Leipzig gibt es 457 Brücken und Stege – mehr noch als in Venedig. Die Fließgewässer hier heißen Weiße Elster, Pleiße und Parthe – die Flüsse, der Karl-Heine- Kanal, die kleinen Wasserwege und die rund 20 Seen drumherum machen Leipzig zu einer Stadt, in der Wasser sehr präsent ist. Und das wird sich auch während des Kirchentages auf dem Weg widerspiegeln. Etwa bei einer Pilgerreise zu Wasser, die vorbei an zahlreichen künstlerisch gestalteten und musikalisch bespielten Brücken führt. Rund um die Bühne im Clara-Zetkin-Park wird Festival-Atmosphäre herrschen: Junge Bands und lokale Größen der Pop- und Rockmusik geben dann den Leipziger Herzschlag vor.

Zu Gast an der Kaffeetafel

Kaffeekultur wird hier großgeschrieben. Bereits 1694 wurde Kaffee in Leipzig öffentlich ausgeschenkt und 1697 die erste deutsche „Kaffeehaus-Ordnung“ erlassen. Während des Kirchentages auf dem Weg verwandelt sich die Innenstadt in eine riesige Kaffeetafel. Die unterschiedlichsten Gastgeberinnen und Gastgeber laden mit traditionellen Kaffeespezialitäten zu Gesprächen ein.

Posaunenchöre beim Festkonzert

Und es wird laut: 10.000 Musikerinnen und Musiker kommen zum Bläserfest mit großem Auftakt in der Innenstadt, mit einer musikalischen Serenade und einem Festkonzert des Evangelischen Posaunendienstes auf dem Augustusplatz. In den Morgenstunden des Sonntags brechen alle nach Lutherstadt Wittenberg auf. Mit der Vereinigung der Posaunenchöre vom Kirchentag aus Berlin machen dann 15.000 Bläserinnen und Bläser den Festgottesdienst auf den Elbwiesen auch musikalisch zu einem eindrucksvollen Erlebnis.

Neugierexpress durch Torgau

Geballte Reformation bietet das knapp 60 Kilometer entfernte Torgau. Die Stadt an der Elbe mit ihren 500 Baudenkmalen im Stil der Renaissance und der Spätgotik gilt als „Amme der Reformation“. Bei einem Musik- und Straßentheaterfest steht die Frage im Mittelpunkt: Was bedeutet Reformation für die Gegenwart? Ein „Neugierexpress“ macht Station und bietet zum Thema Nachhaltigkeit Experimente an. Auch das ist Reformation. Es darf geträumt werden.

Unterwegs – Kirchentage auf dem Weg

500 Jahre Reformation werden auch beim Kirchentag besonders gefeiert: mit sechs Kirchentagen in acht Städten! Mit kulturellen, spirituellen und touristischen Stationen in Leipzig, Magdeburg, Erfurt, Jena/Weimar, Dessau-Roßlau und Halle/Eisleben feiert jede Stadt von Donnerstag, 25. Mai, bis Samstag, 27. Mai, 500 Jahre Reformation mit ihrem eigenen Programm und ihren eigenen thematischen Schwerpunkten. Am Sonntag treffen sich dann alle Teilnehmenden zum gemeinsamen Festgottesdienst am 28. Mai 2017 in Wittenberg.

Zum Autor: Stephan von Kolson leitet die Abteilung Presse- und Marketing des Kirchentages auf dem Weg in Leipzig.

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