Logo Deutscher Evangelischer Kirchentag. Berlin/Wittenberg, 24.-28. Mai 2017
Mein Kirchentag
Programm

Kirchentag erleben mit allen Sinnen

2.500 Veranstaltungen locken zum Kirchentag nach Berlin und Wittenberg. Was gibt es zu entdecken? Welche Highlights sollten Sie auf keinen Fall verpassen? Wir helfen Ihnen, den Überblick zu behalten.

von Alexander Matzkeit und Stefanie Rentsch

Ein spannendes und inhaltsreiches Programm erwartet die Besucherinnen und Besucher des 36. Deutschen Evangelischen Kirchentages in Berlin und Wittenberg. 500 Jahre Reformation, nicht als Geschichtsstunde, sondern vielmehr mit dem Blick der Losung „Du siehst mich” auf die Gegenwart und Zukunft des Christentums gerichtet.

Abend der Begegnung

Kulinarische Spezialitäten, Musik und jede Menge Aktionen bietet der Abend der Begegnung. Die Gemeinden, Einrichtungen und Freunde der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz laden in Berlins Mitte zwischen Tiergarten und Gendarmenmarkt zum großen Straßenfest ein. Emotionen zeigen, zum Beispiel mit dem Austausch von Emoji-Spielkarten, und sich dann bei echter Begegnung von Angesicht zu Angesicht austauschen. Angeleitete Gespräche laden ein, die Losung „Du siehst mich“ neu zu entdecken – bis zum Abendsegen mit Schatten und Licht vor den drei Bühnen der Eröffnungsgottesdienste.

Reformation und Glaubensfragen

Reformation und Glaubensfragen sind Thema gleich mehrerer Hauptvorträge. Der Soziologe Armin Nassehi wird über die provokante These „Du sollst nicht alles wissen!” mit SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz sprechen. Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au und die amerikanische Pfarrerin und Bestsellerautorin Nadia Bolz-Weber diskutieren unter der Fragestellung „Brauchen wir andere Kirchen?“. In der säkularisierten Stadt Berlin geht der Kirchentag außerdem aktiv in das Gespräch mit Menschen, die nicht an einen Gott glauben, im Dialog mit humanistischen Gemeinschaften.

Ökumene und gesellschaftlicher Wandel

Wie Menschen weltweit kirchlichen und gesellschaftlichen Wandel erleben, zeigt das Centre Reformation Transformation. Ein englischsprachiges Zentrum, zu dem der Kirchentag Christinnen und Christen aus Ländern rund um den Globus einlädt, von ihren Erfahrungen zu berichten. Was „Katholizität“ auch in der evangelischen Kirche bedeutet, klärt Wolfgang Huber mit der Tübinger Dogmatikerin Johanna Rahner im Dialog.

Ökumene und interreligiöser Austausch

Reformation ist auf diesem Kirchentag eine Bewegung hin zu Ökumene und interreligiösem Dialog – nicht nur mit dem zentralen ökumenischen Gottesdienst, der gleichzeitig in Berlin und allen Städten der Kirchentage auf dem Weg am Donnerstagabend gefeiert wird. Gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken widmet sich ein ganzer Thementag in der Französischen Friedrichstadtkirche der Frage: „Wie geht es ökumenisch in die Zukunft?“ Auch das Zentrum Juden und Christen und das Zentrum Muslime und Christen stehen für den intensiven interreligiösen Dialog – im Zeitzeugengespräch mit dem Rabbiner William Wolff und im Austausch mit jüdischen, muslimischen und christlichen Frauen in der feministisch-interreligiösen Basisfakultät.

Lange Nacht der Religionen

Die „Lange Nacht der Religionen“, in der Gotteshäuser und weltanschauliche Institutionen aller Couleur in Berlin ihre Türen öffnen, findet 2017 während des Kirchentages statt. Gestartet wird bereits mittags mit der 25 Meter langen „Weißen Tafel der Religionen“ auf dem Gendarmenmarkt. Wer sich spontan dazusetzen will, ist willkommen.

Auf der Suche nach Orientierung in Europa

Die Podienreihe Europa fragt danach, was unseren Kontinent zusammenhält und welche Perspektiven es für ein Europa von morgen gibt. Die Europapolitiker Günther Oettinger und Rebecca Harms diskutieren mit Gästen aus Polen, Österreich, Ungarn und Belgien. Speziell zu den Entwicklungen in Ost- und Mitteleuropa wird die Budapester Philosophin Ágnes Heller sprechen, aber auch die Entwicklungen in der Ukraine und Russland werden in eigenen Podien diskutiert, unter anderem mit Andrii Portnov und Irina Scherbakowa. Eine eigene Podienreihe Deutschland und Polen findet in Potsdam statt.

Herausforderungen in der globalisierten Welt

Die Podienreihe „Flucht, Migration, Integration“ beleuchtet Fluchtursachen und fragt, wie die Einwanderungsgesellschaft eigentlich uns verändert. Was es braucht, damit ein gutes Zusammenleben gelingen kann, darüber sprechen Bundesinnenminister Thomas de Maizière und der Soziologe Aladin El-Mafaalani. Am „Begegnungsort Willkommenskultur“ lädt der Kirchentag zur Begegnung und zum Dialog mit Geflüchteten, Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen ein.

Frieden und Gerechtigkeit

Wie überhaupt noch Frieden gelingen kann und was Religionen dazu beitragen können, ist Thema der Podienreihe Frieden. Über mehr Verantwortung für den Frieden spricht Bundesaußenminister Sigmar Gabriel mit OSZEGeneralsekretär Lamberto Zannier. Thomas de Maizière begibt sich in den Dialog mit dem ägyptischen Großscheich Sheikh Ahmad al-Tayyeb. Wie unsere eigene Demokratie Streit aushält und wie sie zukunftsfest gemacht werden kann, darüber diskutieren der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse und der Sozialpsychologe Andreas Zick.

Klimawandel und globale Verantwortung

Bei der Suche nach Antworten auf globale Fragen müssen Menschen nicht nur miteinander, sondern auch mit ihrem Planeten in Verbindung treten. In Potsdam geht es um die Folgen des Klimawandels, unter anderem mit Jennifer L. Morgan von Greenpeace und dem Klimawissenschaftler Ottmar Edenhofer. Auf der Messe stehen die nachhaltigen Entwicklungsziele der UN und das „Entwicklungsland Deutschland“ im Vordergrund. Wie die neuen Ziele der UNO, Armut zu reduzieren, wirklich erreicht werden können, diskutieren in einem Hauptvortrag die Philanthropin Melinda Gates, Bundesentwicklungsminister Gerd Müller, Klaus Seitz von Brot für die Welt und der britische Philosoph William MacAskill.

Vielfalt leben

Die Losung „Du siehst mich“ und die Geschichte der Hagar, die von Gott angesehen wird, erinnern daran, dass Gott alle Menschen ansieht. Zentren für Jugendliche, Kinder und ältere Menschen, wie auch das Zentrum Regenbogen im ehemaligen Kino Kosmos in Friedrichshain, laden zu Angeboten für alle Altersgruppen ein. Das Podium „Vielfalt und Zusammenhalt“ stellt die Frage nach selbstbestimmter Sexualität im interreligiösen Dialog mit Houaida Taraji, der Frauenbeauftragten des Zentralrats der Muslime. Im Gender-Zentrum sprechen SPD-Generalsekretärin Katarina Barley, der „Aufbruch Neukölln“- Initiator Kazim Erdogan, die Aktivistin Kübra Gümü?ay und die Soziologin Encarnación Gutiérrez Rodríguez über Geschlechterbilder vor und nach der Kölner Silvesternacht. Die Podienreihe „Menschenbilder“ fragt nach dem, wie wir uns selbst sehen als Menschen, in Beziehung zu anderen und zu Gott.

Kirche in der Großstadt – Großstadt in der Kirche

Überhaupt bringt Berlin als Veranstaltungsort sein ganz eigenes Flair mit ins Programm ein. Ein Liturgischer Tag widmet sich, inspiriert von der Umgebung, den Rhythmen der Stadt. Mit einem „Urbanen Labor” wird die Großstadt in der Kirche sichtbar und erlebbar. Das Zentrum der gastgebenden Landeskirche Berlin-Brandenburgschlesische Oberlausitz am Alexanderplatz verortet die Kirche in und um die Hauptstadt unter dem Titel „Berlin. Zukunft.Kirche“ und stellt in einer Vielzahl von Veranstaltungen unter anderem die Frage: „Ist das noch Kirche oder kann das weg?“

Gedenken zu Beginn

Die bewegte Geschichte Berlins manifestiert sich nicht zuletzt im diesjährigen Gedenken zu Beginn „Verfolgt. Geflüchtet. Gesehen?“. Am Tempelhofer Flughafen, Erinnerungsort nationalsozialistischer Gewaltverbrechen und heute ein Ort für geflüchtete Menschen, kommen in einer szenischen Collage die Stimmen der Vergangenheit und der Gegenwart zusammen. In der Innenstadt ergänzt ein kleines Zentrum der Erinnerung die Auftaktveranstaltung.

Kultur pur

Kultur bedeutet beim Kirchentag nicht nur Streitkultur. In Deutschlands Filmhauptstadt Berlin muss „Du siehst mich“ auch im Kino stattfinden. Eine gleichnamige Filmreihe wirft von „Mad Max“ bis „Das Leben des Brian“ Eindrücke auf die Leinwand. Treffpunkte laden Gospel- und Kabarettbegeisterte ein, gemeinsam Musik, Theater und Kleinkunst zu erleben. Bei großen Konzerten können Teilnehmende gemeinsam ihre musikalische Leidenschaft feiern.

Zentrum Kinder

Die Kirchentagslosung „Du siehst mich“ (1. Mose 16,13) steht im Zentrum Kinder auf dem Gelände der Stadtmission im Mittelpunkt. Zu den zahlreichen Spiel- und Kreativ-Angeboten des Zentrums gehören das Erlebnisprogramm der „FÜRKINDERKISTE“ (FürK) der gastgebenden Landeskirche, ein mittelalterliches Dorf in Kooperation mit dem FEZ-Berlin, das das Leben zu Martin Luthers Zeiten lebendig werden lässt, Kindermusicals und ein Gläsernes Restaurant für Kinder, das zum spielerischen Entdecken unserer Ernährung einlädt.

Zentrum Jugend

Das Zentrum Jugend am Tempodrom bietet jungen Menschen Konzerte, Workshops, Mitmachprogramme und Orte, an denen sie Gleichaltrige treffen können. Die Vielfalt des Zentrums zeigt sich in über 200 Veranstaltungen. Unter anderem diskutieren Heinrich Bedford-Strohm und Schauspielerin Anna Thalbach zum Thema „Glaube leben in der Öffentlichkeit“. Sichtbares Symbol des Zentrums ist eine Gerüstkirche, die auf dem Askanischen Platz errichtet wird. Am Donnerstag wird ein besonderes Programm für Konfirmandinnen und Konfirmanden geboten.

Veranstaltungen in Wittenberg

Auch vor dem Festwochenende ist Lutherstadt Wittenberg Veranstaltungsort des Kirchentages. Bibelarbeiten von Landesbischöfin Ilse Junkermann und der Chicagoer Bischöfin Elizabeth A. Eaton stehen neben Zeitzeugengesprächen und kabarettistischen Impulsen. Am Samstagabend wird unter dem Titel „Schwerter zu Pflugscharen – den Frieden weiterschmieden“ das Magdeburger Friedensmanifest vorgestellt.

Festwochenende für Seele, Leib und Sinne

Einmal in 500 Jahren wird der Schlussgottesdienst des Kirchentages zum Festgottesdienst. Vor den Toren Wittenbergs rufen Tausende Bläserinnen und Bläser auf einer 40 Hektar großen Festwiese zum gemeinsamen Feiern. Wer möchte, kann schon am Samstagabend anreisen, eine „Nacht der Lichter“ mit den Brüdern aus Taizé feiern und unter freiem Himmel übernachten. Auf den Gottesdienst mit Abendmahl folgt ein Reformationspicknick für „Seele, Leib und Sinne“. Den Abschluss bildet ein großes Konzert.

Zu den Autoren:

Stefanie Rentsch ist Programmleiterin Gesellschaft und Politik des Deutschen Evangelischen Kirchentages.

Alexander Matzkeit leitet die Abteilung Presse und Marketing der Kirchentags-Geschäftsstelle in Berlin.

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