Logo Deutscher Evangelischer Kirchentag. Berlin/Wittenberg, 24.-28. Mai 2017
Mein Kirchentag
Interview

Jetzt ist der richtige Augenblick, gastfreundlich zu sein

Klaus Lederer ist Berlins Senator für Kultur und Europa. Im Interview erzählt er, warum er den Kirchentag unterstützt und warum die Menschen in Berlin es auch tun sollten.

Sie sind ja selbst kein Christ. Warum ist der Kirchentag auch für Nichtchristen interessant?

Das Programm, was wir hier in Berlin beim Kirchentag erleben, ist ja auch eingebettet in die Feier des Reformationsjubiläums. Ich glaube, schlicht und ergreifend, dass die Reformation zur europäischen Kulturgeschichte dazugehört und demzufolge viel weiter gefasst und viel weiter von Interesse ist, als nur für evangelische Christinnen und Christen. Auch der Kirchentag selbst ist ja so angelegt, dass es nicht nur um die innerkirchliche Verständigung geht, sondern auch um den interreligiösen Dialog, um den Dialog mit nichtreligiösen Menschen und um die Herausforderungen der heutigen Zeit – in dem Sinne, wie man sagen kann: Die Reformation war damals in einen sozialreformatorischen, ja revolutionären Prozess der Gesellschaftsveränderung eingebettet. Nach 500 Jahren Reformation stehen heute auch wieder viele Fragen und Herausforderungen an, auf die eine Antwort nur übergreifend über Konfessionen und Weltanschauungen gefunden werden kann.

Sie gestalten auf dem Kirchentag am Donnerstag eine Dialogbibelarbeit mit Christina Aus der Au. Worauf freuen Sie sich besonders?

Die Bibel ist zunächst einmal das Wort Gottes für die Christinnen und Christen, und zwar egal ob evangelische oder katholische. Aber auch darüber hinaus ist die Bibel natürlich wie die Tora und andere Schriften von Kirchen und Religionsgemeinschaften ebenfalls ein Bestandteil europäischer Kulturgeschichte oder von Kulturgeschichte an sich. Insofern ist die Frage, was aus Bibeltexten zu lesen ist, welche Botschaft und Lehren man daraus ziehen kann, insbesondere jetzt, tausend Jahre später, natürlich immer auch eine gesellschaftliche Verständigung über die Frage, wie wir heute mit bestimmten Texten umgehen, die ja auch vor dem Hintergrund einer spezifisch historischen Situation entstanden sind. Das ist etwas, was mich unglaublich interessiert und es ist über die reine theologische Selbstverständigung hinaus sicherlich auch eine gesellschaftspolitisch spannende Debatte.

Wir brauchen noch fast 4.000 Privatquartiere. Warum sollten die Berlinerinnen und Berliner ein Bett geben?

Jetzt ist der richtige Augenblick sich gastfreundlich zu zeigen. Die Berlinerinnen und Berliner sind an sich sehr gastfreundlich, auch wenn man ihnen nachsagt, manchmal eine Kodderschnauze zu haben. Der Austausch und die Verständigung untereinander sind für die gesamte Stadt von Interesse und daher hoffe ich, dass noch mehr Berlinerinnen und Berliner ihre Türen öffnen.

Die Fragen stellte Juliane Voss.

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