Mein Kirchentag
Bibelarbeit

Die Sarah-Hagar-Tradition

Der Losungstext des Berlin-Wittenberger Kirchentages war auf dem Kirchentag in Bremen 2009 Bibelarbeitstext für Samstag. Unter anderem diskutierten der jüdische Religionsphilosoph Micha Brumlik, die Islamwissenschaftlerin Rabeya Müller und die christliche Theologin Angela Standhartinger die unterschiedliche Bedeutung der Geschichte in den drei Religionen. Wir haben den Trialog dokumentiert.

Micha Brumlik: Ich habe mir natürlich überlegt, was aus einer spezifisch jüdischen Sicht dazu zu sagen ist. Und wenn einen diese Sicht interessiert, dann ist man immer gut beraten, wenn man sich nicht auf den biblischen Text beruft, sondern sieht, was die Rabbinen vom 3. Jahrhundert bis ins 12., 13. Jahrhundert dazu gesagt haben. Und da findet man in einem Midrasch schließlich, also in einer Auslegung aus dem 3. oder 4. Jahrhundert, von dem im hohen Mittelalter berühmten jüdischen Bibelausleger Raschi ausWorms die ungewöhnliche Mitteilung, dass die Sklavin Hagar eigentlich die Tochter des Pharaos von Ägypten gewesen sei. Wie kommen die Rabbinen zu dieser Vermutung? Sie sagen erstens, es war dem Abram ohnehin verboten, eine Kanaanäerin zur Frau zu nehmen.

Zweitens ist ja bekannt, dass Abram eine eher unerfreuliche Begegnung mit dem Pharao von Ägypten gehabt hatte. Der hatte ihm ja gleich sein Weib Sarai ausspannen wollen; warum dann das Argument: »Das ist gar nicht meine Frau, sondern nur meine Schwester« den Pharao beeindruckt hat, ist eine Frage für sich. Jedenfalls meinen die Rabbiner, dass es angesichts dieser Überzeugungskraft gut für den Pharao gewesen sei, sich mit Abram in irgendeiner Weise zu verbünden und ihm also deswegen seine Tochter Hagar mindestens zum zweiten Weib zu geben. Das verweist zunächst darauf, dass die im Pentateuch, in den fünf Büchern Mose, vor allem in den Büchern Genesis und Exodus, immer wieder so stark betonte enge Verbindung mit Ägypten hier bereits einen deutlichen Vorlauf hat. Zweitens gibt es in der jüdischen Deutungstradition Spekulationen über den Namen dieser Person. Hagar, wenn man das anders punktiert und mit anderen Vokalzeichen versieht, dann kommt man auf ger, also die »Fremde«.

Schließlich weist die rabbinische Interpretation noch darauf hin, dass es – wenig bekannt – eine dritte Frau Abrahams gegeben hat, nämlich die Ketura. Und den Rabbinen war es aus irgendeinem Grunde wichtig zu spekulieren, dass Abraham nach dem Tode Sarahs – nun nicht mehr Sarais – die Ketura geheiratet hat, dass aber Ketura und Hagar als Personen identisch gewesen seien. Ich deute das so, dass es den Rabbinen wichtig war, hier eine sehr enge Verbindung herzustellen. Ansonsten will ich, bevor ich jeweils eine Frage stelle, noch auf folgenden Umstand hinweisen: Die rabbinische Auslegung verweist auch darauf, dass Isˆma’el die erste Gestalt im Tenach, in der Bibel ist, die den Gottesnamen im persönlichen Namen trägt – und das noch zu einer Zeit, als weder Abram noch seine Frau Sarai, später Sarah, (das »ai« steht für den Gottesnamen) in diesen Bund aufgenommen worden sind beziehungsweise Hagar mit El Ro’i diesen Bund geschlossen hat. Also ich entnehme dem, dass Gott vorher auch mit anderen einen, wenn auch anders gearteten, Bund geschlossen hat.

Das scheint mir wichtig zu sein in der ganzen Debatte über die missionarische Rolle der monotheistischen Religionen. Um historisch keinen falschen Eindruck aufkommen zu lassen: Das Judentum war bis ins 4. Jahrhundert auch eine missionierende Religion. Das ist dann von den römischen Kaisern und von der Kirche verboten worden. Aber wir haben aus dieser Not eine Tugend gemacht und haben in den biblischen Quellen dafür gute Hinweise gefunden. Und nun meine zwei Fragen an Angela Standhartinger: Wie ist das nun eigentlich? Sie haben ja über Josef und Aseneth gearbeitet, mit diesem Bezug zu Ägypten: Ist dieses sehr christliche Motiv, dass aus der tiefsten Erniedrigung, die auch der Hagar widerfahren ist, Erhöhung wird, nicht ein Motiv, das eigentlich mindestens durch das ganze Buch Genesis hindurchläuft? Mir fällt eine andere Gestalt ein, nämlich Josef: Der wird von seinen Brüdern verkauft, in einen Brunnen geschmissen und dann kommt er ganz nah an Pharaos Thron heran. Und meine Frage an Frau Müller: Soweit ich mich über die koranischen Schriften informiert habe, fällt natürlich auf, dass Isˆma’el, dem Jisˆmil eine wichtige Rolle zugeschrieben wird. Warum wird eigentlich seine Mutter, die Hagar, dort jedenfalls namentlich überhaupt nicht erwähnt?

Ein besonderes Gewicht in der muslimischen Tradition

Rabeya Müller: Die Geschichte von Sarah und Hagar ist eine sehr bedeutende Geschichte. Es ist eine Geschichte, die in meiner, nämlich der muslimischen Tradition ein besonderes Gewicht hat. So gewichtig, dass sie zum Beispiel innerhalb der Pilgerfahrt, des Hagˆgˆ, einen Bestandteil darstellt, nämlich in der Szene, in der Hagar zwischen den beiden Hügeln Safa und Marwa hin- und herläuft und Wasser sucht für Isˆma’el; allerdings auch eine Geschichte, die schmerzt, denn sie hat in der muslimischen Überlieferung oder Tradition viele Dinge ausgelöst, die sehr bedenklich sind. Sie hat zu sehr ominösen Schlussfolgerungen geführt. Unter anderem zum Beispiel zu der Vorstellung, dass Frauen untereinander einfach nicht befreundet sein können – man sieht es ja schon an Sarah und Hagar. Es ist aber auch interessanterweise eine Tradition, die eigentlich aus der Schrift heraus nicht bestätigt wird. Denn im Koran beziehungsweise in der koranischen Erzählung ist nicht festzumachen, ob es sich um eine oder um zwei Frauen handelt. Sie werden bemerkt haben, dass Angela Standhartinger und ich diese Texte mit einer Stimme gesprochen haben – ein Zugeständnis an diese muslimische beziehungsweise die koranische Vorstellung.

Demnach ist sicher, dass es zwei Söhne Abrahams beziehungsweise Ibrahims gibt, die auch namentlich erwähnt sind: Isˆma’el und Isaak. Aber Sarah und Hagar, die Frau, die Frauen Ibrahims werden dort beide nicht namentlich erwähnt. Es ist stets von der Frau Abrahams die Rede. Und was der Koran interessanterweise über diese Frau sagt, ist, dass sie lachte. »Und seine Frau stand dabei und lachte«, so heißt es in der elften Sure. Sarah und Hagar, sind das zwei Frauen, die mit einer Stimme sprechen, oder eine Frau mit unterschiedlichen Seiten?Auf alle Fälle ist es eine Geschichte, die auf etwas Wesentliches hinweist: auf das Vertrauen in die Schöpferkraft, dass bei Gott nichts unmöglich ist.

Aber, und das ist ein großes Aber: Sind Sarah und Hagar ein Vorbild? Ein Vorbild für was? Für ein Verhältnis zwischen Herrin und Dienerin?Welche der beiden sollte denn dann eine Identifikationsfigur sein? Wer möchte sich mit der Herrin und wer möchte sich mit der Dienerin identifizieren? Vorbild, als Ausgangspunkt zahlreicher Nachkommen: Ist das wirklich das einzige Ziel des weiblichen Daseins? Vorbild der Frau von…? Ist es das Ziel, sich über den Mann definieren zu lassen? Sicher sind sie ein Symbol für das Vertrauen und die Hingabe an Gott. Aber sind Sarah und Hagar auch Leitfiguren für einen interreligiösen Trialog? Haben sie sich überhaupt trialogisch verhalten? Wer wird zu der hierarchischen Vorstellung von der Herrin oder der Dienerin wirklich Parallelen ziehen? Gibt es nicht andere Figuren in den heiligen Schriften, an deren Unterschieden wir die Gemeinsamkeiten durchaus herausarbeiten könnten? Und jetzt meine Frage, die an Sie beide geht: Hat die Familie Abrahams, oder Ibrahims, als Identifikation für den interreligiösen Dialog nicht längst ausgedient?

Es geht um Unterdrückung

Angela Standhartinger: Ich möchte eine dritte Auslegung aus christlicher Perspektive anschließen. Und sie schließt tatsächlich, wie Sie merken werden, an die beiden vorgehenden an. In dieser Bibelgeschichte geht es um mehr als um den Streit zweier Frauen. Es geht um Unterdrückung. Und die Täterin, diejenige, die unterdrückt, ist peinlicherweise Sarai. Sarai, die unfruchtbare Frau Abrams, die jenseits aller Hoffnung noch schwanger werden und über die Ankündigung dieser Geburt das Lachen lernen, ja (hebr. Jizchak) das Lachen zur Welt bringen wird. Sie ist im Neuen Testament ein Modell des Vertrauens auf Gott. Gemeinsam mit Abraham ist sie das Vorbild des Glaubens ohne Werke, des Glaubens, der zur Gerechtigkeit angerechnet wird. Hier aber, in 1. Mose 16, tritt sie alles andere als vorbildlich auf. Ich kann Sarais Bedrängnis verstehen. Mehrfach hatte Gott gesagt, er wolle Abram mit unzähligen Nachkommen segnen. Aber Sara bleibt unfruchtbar. Ihr Plan beginnt ja eigentlich ganz uneigennützig. Anscheinend hat Gott mit der Nachkommensverheißung nicht sie gemeint. »Adonaj verhindert, dass ich Kinder bekomme«, sagt sie. Möge Abram doch mit einer anderen Frau Kinder zeugen.

Aber ihr Plan geht nur teilweise auf. Hagar, die ägyptische Sklavin, wird zwar schwanger, aber dadurch verliert Sarai in den Augen Hagars an Gewicht. Am Ende von Vers 6 haben alle Sarai im Stich gelassen. Hagar, Abram und Gott. Adonaj hat sie verschlossen und schafft ihr kein Recht. Der gleiche Vers 6 bedeutet auch für Hagar eine Wende. Bisher wurde sie »genommen« und »gegeben«. Man sprach über sie, aber niemand sprach mit ihr. Dem Ehemann ihrer Herrin ins Bett gelegt, ihr Körper ein Ort einer fremden Schwangerschaft, schließlich auch noch gedemütigt. Da flieht sie in die Wüste. Ein Bote Gottes trifft sie dort an einer Wasserquelle auf dem Weg nach Schur. An einer Quelle, dem Ort des Lebens in der Wüste. Der Bote kennt sie. Er ist der Erste, der sie mit Namen anspricht: »Hagar!«, und er ordnet sie ein: »Du Sklavin Sarais …« Der Weg in die Wüste Schur ist in der biblischen Geschichte ein Ort der Rettung und der Gefahr zugleich.

Gerettet aus dem ägyptischen Sklavenhaus, ziehen die Hebräerinnen und Hebräer vom Schilfmeer in die Wüste Schur. Aber in dieser Wüste Schur gibt es kein Wasser. Eben gerettet und doch in höchster Lebensgefahr. Da wird auf wunderbare Weise Salzwasser zu Süßwasser. Ebenso wird auch für Hagar die Wüste das eigentlich fruchtbare Land.

Drei Begegnungen mit dem Gottesboten

Hagar ist der erste Mensch der Bibel, dem ein Gottesbote begegnet. Dreimal spricht der Bote Adonajs mit Hagar, aber man kann sich fragen, ob es immer derselbe Gottesbote ist oder der Bote desselben Gottes. Zuerst sagt ein Bote: »Kehr zurück zu deiner Herrin und lass dich von ihrer Hand demütigen.« »Lass dich unterdrücken!«, heißt das ganz wörtlich. Hagar reagiert nicht. Was sollte sie dazu noch sagen. Ein Bote erhebt ein zweites Mal die Stimme: »Vermehren, vermehren will ich deine Nachkommen, sodass man sie vor Menge nicht zählen kann.« Dies ist eigentlich die Verheißung und Segnung, die Abram einige Kapitel vorher erhalten hat. Hagar ist die erste Frau der Bibel, der unzählige Nachkommen verheißen werden. Aber Hagar schweigt weiter. Da spricht zum dritten Mal ein Bote und kündigt ihr die Geburt eines Sohnes an. Der soll Isma’el heißen, denn Gott hat ihre Demütigung oder – anders übersetzt – »Unterdrückung« gehört. Hagar ist die erste Frau der Bibel, der die Geburt eines Sohnes angekündigt wird.

Nun erst antwortet Hagar: »Du bist El Ro’i, Gottheit des Hinsehens.« Hagar ruft Gott nicht nur an, betet zu Gott oder dankt Gott, nein, sie benennt Gott. Hagar ist die einzige Person der Bibel, die Gott selbst einen Namen gibt: El Roi, Gottheit, die mich sieht.

Hagar begründet ihren Namen, aber wie? Schon der Blick in die beiden Übersetzungen, die Sie im Kirchentagsheft finden, zeigt das Textproblem. Der Text ist an dieser Stelle nicht zu übersetzen. Sagt sie: »Gewiss hab ich hier hinter dem hergesehen, der mich angesehen hat«, so Luther; oder stellt sie, mit der Kirchentagsübersetzung, eine Frage: »Sehe ich nicht gerade hier der Gottheit nach, die mich sieht?« Und ist es eine überraschte oder eine ängstliche Frage? Der Text scheint Hagar nicht wirklich zu verstehen.

Mich, als christliche Theologin, fordern die Hagargeschichten heraus. Sie fordern mich heraus, über meine Täter- und Mittäterschaft nachzudenken. Sie fordern mich, fremde und andere Religionen wahrzunehmen und unser Nichtverstehen, ja auch das Nichtverstehen unserer heiligen Texte einzugestehen. Ich bin stolz auf meine Bibel, die auch den anderen, den Fremden, Raum gibt. Ich kann die Hagargeschichte aber auch als Verheißung lesen; dass Gott Menschen wie diese dunkelhäutige ägyptische Sklavin begleitet; dass ihr Überleben, ihr Mut zum Durchhalten im Hause ihrer Demütigung und ihre Befreiung an den Wasserquellen in der Wüste heilige Geschichte ist; dass Gott das Weinen der Verlassenen, der körperlich und seelisch Ausgebeuteten und Unterdrückten hört. Hagar bezeugt eine Gottheit, die sich mit den Gottverlassenen in ihrem Unrecht und Leiden solidarisiert. Es gibt eine Linie von Hagar zum Kreuz des Jesus von Nazareth. Meine Frage an jüdische und muslimische Auslegungen lautet: Gibt es einen Weg zwischen Ausgrenzung und Vereinnahmung Hagars?

Nicht namentlich im Koran

Müller: Ich denke, jetzt wollen wir auf die Fragen, die wir uns gegenseitig gestellt haben, zurückkommen. Als Erstes stehen die Fragen unseres jüdischen Mitauslegers hier im Raum. Ich würde ganz gerne zunächst auf die Frage eingehen, die Sie mir gestellt haben, Herr Brumlik. Es ist ja nicht nur so, dass Hagar nicht im Koran benannt wird, sondern auch Sarah nicht namentlich benannt wird. Ich habe eben angedeutet, dass es nicht einmal eindeutig ist, ob es sich um ein oder zwei Frauen handelt, und dass das viel damit zu tun hat, dass das Gewicht der koranischen Interpretation nicht auf dieser Problematik, auf dieser zwischenmenschlichen Situation dieser beiden Frauen liegt. Vielmehr geht es um die Prüfung Abrahams und seiner Frau hinsichtlich der Tatsache, dass sie im hohen Alter keine Kinder mehr bekommen können. Der Fokus liegt auf der Vorstellung des Vertrauens zu Gott, zur Schöpferkraft. Nichtsdestotrotz ist das natürlich eine Angelegenheit, die für muslimische Frauen nicht immer ganz einfach zu ertragen ist. Es gibt ja ganz viele Frauengestalten im Koran, die nicht namentlich erwähnt werden. Die Einzige, die tatsächlich mit Namen erwähnt wird und nach der auch eine ganze Sure benannt ist, ist Mariyam.

Und ich könnte mich jetzt ein bisschen zurücklehnen und denken: Das ist göttlicher Ratsschluss, dass das so ist. Aber ich denke, dass die feministische Theologie da noch einiges zu leisten hat, um die Gründe wirklich zu erforschen.

Standhartinger: Dann möchte ich versuchen, auf die Frage von Micha Brumlik zu antworten: Ich glaube, dass das Ägyptenmotiv tief in unsere Tradition eingeschrieben ist. Zum einen, weil wir einen Teil der Bibel ja teilen; zum andern, weil unserer Tradition in dem Teil, den Micha Brumlik nicht mit mir teilt, das Motiv von Erniedrigung und Erhöhung in die Jesus-Christus-Geschichte eingeschrieben ist. Darüber hinaus ist für mich eine lange Tradition des »Dialogs« bedeutsam, der aber häufig vergessen worden ist. Micha Brumlik hat die rabbinische Erkenntnis zitiert, dass die Ketura, die dritte Frau Abrahams, möglicherweise doch Hagar sein könnte, sodass man Hagar nach ihrer Verstoßung ein biblisches Weiterleben ermöglicht und damit ihre Versöhnung mit Abraham in die biblische Geschichte einschreibt. Diese Idee ist von Martin Luther in seiner Genesisauslegung aufgenommen worden, und zwar – und das ist selten – mit der Bemerkung, er habe rabbinische Kollegen befragt und stimme ihnen zu. Dies ist für mich ein Beispiel eines vergessenen Dialogs, den es in den meisten Jahrhunderten gegeben hat. Damit will ich nicht sagen, dass all die schlimmen Dinge, die Martin Luther über die Juden gesagt hat, vergessen sein sollen! Ich will aber darauf hinweisen, dass der interreligiöse Dialog älter ist als das 21. Jahrhundert, und ich möchte solche Traditionen immer wieder ausgraben.

Die Erfindung des Monotheismus in Ägypten

Brumlik: Ich würde gern auf zwei Fragen reagieren, zuerst auf die Frage von Angela Standhartinger: Gibt es einen Weg, Hagar so zu betrachten, dass man sie weder vereinnahmt noch ausgrenzt? Ich habe die Frage nicht ganz verstanden und kann sie deswegen auch so nicht beantworten. Aber, um noch einmal beim Thema Ägypten zu bleiben: Mir ist doch aufgefallen, dass es eine ganz enge Bindung des Volkes Israel an Ägypten gibt. Das fängt mit Hagar an, das geht – wir haben es festgestellt – mit der Gefangennahme und dem Aufstieg Josefs in Ägypten weiter und endet schließlich bei dem Umstand, dass es eine Tochter Pharaos gewesen ist, die Moses gerettet und aufgezogen hat. Ich erwähne das deshalb, weil in der gewöhnlichen Lektüre unter monotheistischen Religionen Ägypten ja so ziemlich als das Schlimmste und das Letzte und das Heidnischste überhaupt gilt. Offenbar findet sich in den biblischen Überlieferungen auch noch etwas anderes. Ob das etwa daran liegt, dass – wie etwa Sigmund Freud gemeint hat – der Monotheismus in Ägypten erfunden worden ist, mit diesem Echnaton, mit dem Sonnen-Monotheismus, oder ob es nicht anderweitige Prägungen gibt, das wäre zu diskutieren.

Und auf Ihre Frage, Frau Müller, ob nicht Abraham, oder Ibrahim, im Dialog inzwischen überflüssig geworden ist, würde ich gerne mit einem emphatischen »Ja!« antworten. Also diese Ursprungsgeschichten, diese genealogischen Geschichten, die sind von begrenztem Wert. Und ich werde nun gerade auf einem deutschen evangelischen Kirchentag dafür werben, dass wir vielleicht diesen Dialog zwischen den drei monotheistischen Religionen auf eine andere Grundlage stellen, nämlich auf die Grundlage einer Theologie des Wortes. Ich kann das nur andeuten: Im Judentum gibt es diesen D’war-elohim, diesen Marschall, der sich zuerst in den Zehn Geboten äußert und von dem wir dann im Deuteronomium lesen: »Dieses Wort ist nicht fern von ihr. Du musst nicht unter die Erde fahren und du musst auch nicht in den Himmel steigen, dasWort ist ganz nah bei dir, du kannst es erfüllen.« In der christlichen Religion haben wir einen ganz anderen Tonfall. Da ist nun dieses Wort Gottes, dieser Logos Fleisch geworden – Inkarnation mit ganz anderen Konsequenzen. Im Islam wiederum, wenn ich das richtig verstanden habe, ist es vielleicht in einem noch konkreteren Sinn als im Judentum Buch geworden. Die Islamwissenschaftlerin Annemarie Schimmel spricht nicht von einer Inkarnation, sondern von einer Inlibration, einer Buchwerdung. Aber wenn man dann dieses Buch liest – und gerade auch in den Passagen, die mich ein bisschen ärgern, wenn da so einiges über die Juden steht, was einfach nicht stimmt –, findet man doch einen wichtigen Gedanken, dass nämlich der Koran lediglich, oder vor allem, eine Neuformulierung des göttlichenWortes ist, dass die Juden bereits am Sinai erhalten haben. Und ich glaube, dieser Blick auf die Bedeutung des göttlichen Wortes führt vielleicht ein wenig weiter, als dass man sich freundlich immer wieder desselben Ursprungs versichert.

Ein anderes Schriftverständnis

Müller: Ich bin Ihnen dafür sehr dankbar, Herr Brumlik, denn es ist in der Tat so, dass wir von einem absolut unterschiedlichen Schriftverständnis ausgehen müssen. Also das Verständnis in Bezug auf den Koran als Schrift ist nicht vergleichbar mit dem Schriftverständnis hinsichtlich der Bibel, sondern ist eher vergleichbar mit der Person Jesu. Interessanterweise wird übrigens auch Jesus im Koran als Wort Gottes bezeichnet. In diesem Zusammenhang möchte ich vielleicht noch mal auf die Frage von Frau Standhartinger eingehen. Die Frage zwischen Ausgrenzung und Vereinnahmung stellt sich innerhalb der islamischen Gemeinschaft in dem Sinne eigentlich nicht. Wie gesagt: Wir haben die Geschichte nicht in dieser Form zu bieten, wie sie in der hebräischen Bibel steht, aber – und da bin ich Herrn Brumlik für seinen Hinweis sehr dankbar – der Koran sagt selbst, er sei ein wiederholendes Buch, das sich grundsätzlich auf Tora und Evangelien, auf bestimmte wesentliche Teile darin bezieht. Und er wiederholt diese auch, einfach, weil es bestimmte Dinge gibt, die Gott dem Menschen immer wieder nahebringen will, damit er sie versteht. Von daher stellt sich diese Frage so nicht. Und ich denke nicht, dass Abraham ganz überflüssig geworden ist. Denn die Geschichte, die er transportiert, gibt durchaus immer noch eine bestimmte sinnweisende Richtung. Aber für den interreligiösen Trialog, denke ich, müssen wir uns tatsächlich andere Formate suchen. Da bin ich ganz Ihrer Meinung.

Standhartinger: Ich möchte noch mal auf Rabeya Müller eingehen und meine Abrahams-Antwort damit verbinden. Als jemand, die sich ganz gut in der Literatur um die Bibel herum auskennt, ertappe ich mich beim Lesen des Koran bei dem Gedanken: Ah ja, das kenne ich jetzt daher und das kommt jetzt daher und das kenne ich in dieser Version und so weiter. Das ist eine religionswissenschaftliche Betrachtungsweise, aber keine dialogische. Denn im Dialog muss jede Religion ihre Identität und ihre heiligen Texte behaupten.Wenn der Koran eine Geschichte von der Frau erzählt, der die Engel begegnen – ich nenne sie jetzt extra nicht Sarah –, dann ist das eine koranische Geschichte und nicht eine Geschichte, die ich nach 1. Mose 18 kenne. Es geht also darum, dass man sich diese Fremdheit klarmacht, dass man wirklich neue Geschichten zu entdecken sucht und sie nicht einfach für die eigene Tradition vereinnahmt. Das ist es, was ich an der schnellen Antwort: »Wir sind ja alle abrahamitische Religionen« für ein Problem halte; dass wir dann leicht übersehen, wie unterschiedlich wir sind.

Die drei Rollen des Abraham

Abraham, wie er im Neuen Testament vorkommt, ist ja nicht der, der als Ibrahim im Koran steht, und auch nicht der Abram oder Abraham der Tora. Wir haben je eigene Traditionen. Aber ich möchte anderseits vieles an dieser Abrahamstradition (im Trialog) nicht missen. Denn Abraham ist eine Figur, die drei Rollen zugleich ausfüllt: Er ist der erste Jude. Er ist aber auch der Erste, der berufen wird zum Judentum, also der erste Proselyt und der erste Mensch aus den Völkern, der auf Gott sein Vertrauen setzt, der an Gott glaubt. Und er ist zugleich – das ist ein Grundmotiv der ganzen Geschichte – ein Segen für alle Völker. Diese dreifache – in meiner Tradition dreifache – Funktion von Abraham finde ich einen ganz wichtigen Gedanken. Und das ist zugleich der Grund, warum ich bei oder wegen aller Schwierigkeiten auch die Sarai- und Hagar-Traditionen schätze: Sie erinnern uns einerseits daran, wie Dialog misslingen kann. Und sie machen aber anderseits auch Hoffnung. Zwar versöhnen sich die beiden Frauen in der Bibel nicht, aber ihre beiden Kinder Isaak und Ismael werden sich versöhnen (1. Mose 25) und gemeinsam ihren Vater begraben. Insofern ist dies für mich eine Geschichte, die die Spannung von Fremdheit und Hoffnung gleichzeitig ausdrückt.

Brumlik: Da hätte ich jetzt noch ein Problem, das wird Sie vielleicht wundern. Nämlich Abraham ist der erste Jude, und wir reden ja auch so; Abraham ist »abbinu« (unser Vater). Aber wenn ich genau nachdenke, sehe ich zwar: Er ist in hohem Alter beschnitten worden, aber die Tora – und das diskutieren die rabbinischen Quellen immer wieder ausführlich – ist ihm noch nicht gegeben worden. Also das war, wenn überhaupt, ein Jude vor dem Sinaibund! Und ob es das geben kann, ist die Frage.

Aber genauso wenig bin ich der Meinung, dass Abraham der erste Moslem gewesen ist, wenn man den Moslem jetzt im Sinne der historisch entstandenen Religion versteht. Also wenn man sagt, er sei ein tief ergriffener, gottverbundener Mensch gewesen, dann ja; aber ein Moslem im Sinne von jemandem, der die Stimme des Propheten oder des Koran gehört hat, das war er natürlich mit Sicherheit nicht. Interessanter ist schon der Gedanke, dass er ein Proselyt gewesen ist.Wobei ich mich frage – entschuldigen Sie, das ist jetzt auch historisch gedacht –, ob in einer polytheistischen paganen Umwelt der Sinn des Proselyten überhaupt derselbe ist wie in unserer Gesellschaft. Ich bin mir da nicht so sicher. Er ist sicher der Urvater, aber wenn er der Urvater ist, dann ist er weder ein Jude noch ein Moslem noch ein Christ »avant la lèttre« gewesen – in seinem Glaubensgehorsam, in seinem Gehorsam nur aus Glauben.

Müller: Vielleicht darf ich da direkt reagieren. Ich weiß, welche Stelle im Koran Sie meinen, Herr Brumlik. Und es ist tatsächlich so, dass auch viele Muslime und Musliminnen glauben, es wäre da tatsächlich vom ersten Muslim die Rede. Aber natürlich ist das historisch völlig unhaltbar, weil es zu der Zeit den Islam in der Form, einer Religionsgemeinschaft überhaupt noch nicht gab. Das Wort Muslim heißt übrigens nicht nur »Anhänger des Islam«, die Bedeutung hat es erst bekommen, nachdem der Islam als Religionsgemeinschaft entstanden ist. Das Wort Muslim kommt vom arabischen Wort »salima«. Und »salima « heißt sinngemäß: mit sich und Gott, mit dem Schöpfer in Einklang stehen. Genau das ist eigentlich damit gemeint. Denn Ibrahim wird auch an anderen Stelle des Korans als ein Freund Gottes bezeichnet, also als jemand, der Gott sehr nahe steht und der auch als Gottsuchender zunächst einmal wesentliche Erkenntnisse gewonnen hat, um die monotheistische Grundlage zu legen.

Ich möchte noch kurz auf Angela Standhartinger eingehen: Diese Sarah-Hagar-Tradition ist sicherlich eine sehr schöne; aber man darf auch nicht vergessen, dass natürlich von christlicher Seite eigentlich so ein bisschen mit den Augen der Sarah auf diese Dinge geschaut wird. Während man den Musliminnen und Muslimen im Grunde genommen die Sklavin Hagar als Urmutter zuschreibt.

Ich glaube, das ist ein hierarchisches Denken, das durchaus ganz subtil in uns verankert ist, wenn wir miteinander umgehen. Ich will niemandem einen bewussten Herrschaftsanspruch unterstellen, aber – und das ist das, was ich vorhin mit schmerzhaft gemeint habe – ich glaube, wenn wir überhaupt diese Sarah-Hagar-Tradition bemühen wollen, dann sollte es eine Tradition sein, die auf Augenhöhe geschieht. Und mich würde interessieren, wie das tatsächlich gehen soll, wo wir doch innerhalb der Geschichte eine sehr hierarchische Abfolge haben.

Die Grundbotschaft der paulinischen Theologie

Standhartinger: Wenn ich die Zauberformel kennen würde, würde ich sie jetzt sagen. Natürlich spielt Sarah, oder Sarai, im Neuen Testament die größere und herausgehobene Rolle im Gegenüber zu Hagar. Aber auch Sarah verschwindet häufig aus den Augen, denn zunächst mal ist es natürlich Abraham, der im Vordergrund steht. Wer denkt schon bei der Lektüre des Römerbriefs im vierten Kapitel an Sarai, obwohl sie drinsteht? Ja, sie steht in Römer 4, wird aber meistens überlesen, das ist schon mal das Erste. Dann ist sie für uns das Vorbild des Vertrauens auf Gott jenseits der Möglichkeiten. Es geht um ihren Glauben ohne Werke – ich sage es jetzt mal ganz traditionell. Es geht darum, dass die Ordnung der Werke und Leistungen, die man durch geschriebene Gesetze zu etablieren versucht, letztlich nicht funktioniert haben. Deshalb, so Paulus, hat Gott eine Ordnung des Glaubens und des Vertrauens offenbart.

Das ist die Grundbotschaft der paulinischen Theologie, die ich auch sehr schätze. Diese Ordnung des Vertrauens bringt aber für Paulus die Tora erst recht zur Geltung. Dabei ist gerade das Wort von der nahen Tora zentral. Im Römerbrief (10. Kapitel) steht genau dieser Text, den Herr Brumlik gerade zitiert hat: »Du musst nicht in den Himmel steigen, um das Wort Gottes zu erfahren, und du musst nicht unter die Erde fahren, sondern das Wort ist dir ganz nah.«

Ich meine, wir können uns hier einigen, aber wir haben auch einen eigenen Zugang. Und die einzige Stelle, an der Hagar vorkommt im Neuen Testament, ist ganz peinlich, nämlich im Galaterbrief im vierten Kapitel. Da wird in der klassischen Lesart eine Linie aufgemacht: nicht Hagar, sondern Sarah und dann Jesus Christus. Also: Zur Freiheit seid ihr befreit von Jesus Christus, und das geht erst, nachdem Hagar aus dem Haus des Abraham rausgeworfen ist. Ich lese diese Geschichte allerdings anders: In dem Moment, wo Hagar in die Wüste flieht, in diesem Moment ist sie nicht mehr Sklavin im Hause Abrahams, sondern jetzt ist sie eine freie Frau. Sie sucht für ihr Kind einen Ehemann, sie siedelt sich an, sie ist jetzt endlich befreit.Und das ist genau die Freiheit, die wir meinen! Die Befreiung aus der Sklaverei. Das ist aber eine neue Lesart, die erst mal gegen eine lange Tradition anderer Lesarten steht. Wir müssen da selber noch viel weiter-, um- und neudenken.

Der materialistische Kern

Brumlik: Ich würde dem jetzt doch noch etwas entgegenhalten, auch wenn wir das jetzt nicht zu ausführlich machen können. Um dieser doch, wie ich finde, ein bisschen zu lutherischen Deutung etwas entgegenzustellen und noch mal auf den materialistischen Kern dieser Geschichte hinzuweisen: Da ist genealogisch von drei Völkern die Rede, von den Ägyptern, von den Arabern und von den Israeliten. Und dann wird eine repressive, unterdrückerische Zentralinstitution dieser Epoche zum Thema gemacht, nämlich das Institut der Sklaverei. Und ich glaube, es ist die erste Passage der hebräischen Bibel, in der sehr früh dieser Skandal der Sklaverei aufgegriffen wird. Das scheint mir bedeutsam. Aber mindestens genauso bedeutsam, und das wäre dann auch mit feministischer Theologie zu diskutieren, ist doch, dass hier zwei Frauen vorkommen: Ist das jetzt unfair, dass eine eigentlich männliche Institution den Frauen zugeschoben wird? Oder ist es nicht eigentlich so, dass Frauen als Täterinnen und Opfer in diesen verhängnisvollen Zusammenhang integriert worden sind? Und jetzt käme die antilutherische Spitze: Ist es wirklich ein Zufall, dass diese Frau Sarai, die durch Glauben gerecht geworden ist, eindeutig eine Sklavenhalterin und eine Unterdrückerin ist, jedenfalls nach Maßgabe dieses Textes? Es könnte da ja vielleicht irgendeinen Zusammenhang geben, wenn man die Weisung (Tora) so herunterstuft, wie Sie das jetzt eher zitatorisch gemacht haben.

Müller: Ich würde gern daran mit einer Frage anschließen: Werden Frauen dadurch, wie diese Geschichte dargeboten ist, nicht auf eine bestimmte Sache, nämlich auf das Kinderkriegen, reduziert? – Die sich nur über die Anzahl der Kinder, vor allen Dingen natürlich der Söhne, und aber auch über den Mann definieren. Das halte ich für außerordentlich problematisch, was die Geschlechtergerechtigkeit, auch gerade des Schöpfungsgedankens, betrifft.

Standhartinger: Ich wollte gar nicht so lutherisch verstanden werden, aber ich möchte doch noch mal auf den Text zurückkommen: Sarai ist ja nicht diejenige, die hier allein schuld ist. Abraham trägt das System und sagt: »Ja, mach mal.« Und Gott trägt das System hier eindeutig mit. Und die erste Antwort des Boten heißt: »Kehr zurück und lass dich unterdrücken.« Hier sieht man die Schwierigkeit, die dieses System mit sich bringt. – Soll Hagar in der Wüste verdursten? Ist es vielleicht für ihr Überleben und das ihres Kindes nicht sinnvoll, dass sie zurückkehrt? Aber: Ist Zurückkehren nur unter dem Preis der Sklaverei zu haben? Das ist doch die große Schwierigkeit, die uns diese Geschichte hier auflegt. Und wir müssen versuchen, uns mit diesen drei Antworten des Boten, diesen drei Versuchen Gottes irgendwie zu arrangieren. Insofern kann ich schon sagen: Es gibt den perfekten göttlichen Willen und es gibt auch die perfekte göttliche Weise, aber sie kommt nicht immer perfekt bei uns an. Vielleicht können wir uns darauf einigen.

Hagar war Neutestamentlerin

Brumlik: Aber, vielleicht doch noch etwas zum Lobe der Hagar: Ich finde, dass sie in mindestens zwei Hinsichten wichtige Themen sowohl des Alten Testaments, der hebräischen Bibel, wie auch des Neuen Testaments antizipiert. In gewisser Weise durchlebt sie als Erste die Konflikte, die die Kinder Israel durchleben, nachdem sie Ägypten verlassen haben und in die Wüste gegangen sind. Diese Schwierigkeit, um Gottes willen in der Wüste zu bleiben und das Risiko einzugehen, zu verhungern und zu verdursten, oder zurück an die Fleischtöpfe Ägyptens. Bei Hagar ist das in der Nussschale antizipiert und dann – Sie sind die Neutestamentlerin – hatte ich immer diese Assoziation in Vers 11. Sie antizipiert auch irgendwie das Magnifikat aus dem Lukasevangelium: Da wird eine Frau von einem Engel, von einem Boten angesprochen und mit einer großen rettenden Verheißung bedacht, wenngleich das natürlich nicht so großartig und Herrschaftsverhältnisse umstürzend ist, wie das später im Lukasevangelium der Fall ist.

Müller: Es ging mir auch gerade um den Bezug auf heute: Es gibt ja sehr viele Initiativen, die sich mit diesen Sarah-Hagar-Geschichten beschäftigen. Für mich ist die Frage, jetzt vor allem auch an Frau Standhartinger, welche Rolle spielt das tatsächlich und auf was berufen sich diese Initiativen in dem Sinne: Diese Geschichte, die wir heute hier zusammen gelesen haben, diese Geschichte liegt dem Ansinnen zugrunde, was ist das Ziel? Oder gäbe es nicht auch eine Möglichkeit, sich durchaus eine andere oder mehrere andere Identifikationsfiguren wirklich aus den heiligen Schriften herauszuarbeiten? Und da meine ich wirklich arbeiten, mal wirklich tiefergehend theologisch miteinander ins Gespräch zu kommen. Ich habe das ungute Gefühl, dass die Familie Ibrahims da nicht den rechten Boden bietet.

Standhartinger: Wir müssen hier an dieser Stelle zu einem Ende kommen. Ich würde mich auch gern in einer Miriam-Maria-Gruppe engagieren. Und ich stimme Micha Brumlik völlig zu, dass in der ganzen Bibel zu beobachten ist, wie sich die Geschichten durch Zitate und Anspielungen immer wieder und weiter gegenseitig auslegen und miteinander diskutieren. Wir danken Ihnen ganz herzlich für das Kommen und das Zuhören.

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