Mein Kirchentag
Politisches Abendgebet

Es geht um Menschen, nicht Minderheiten

Sie werden ausgegrenzt und verfolgt. Sinti und Roma erleben seit Jahrhunderten Diskriminierung. Beim Politischen Nachtgebet ging es um ihre Situation heute in Deutschland.

Von Anne Kratzer und Johannes Lohmaier

"Die Würde des Menschen, das, was uns wertvoll macht, muss unantastbar bleiben, so dass Lebensfülle lacht." Mit diesem Lied begann am Freitag das traditionelle Politische Nachtgebet des Kirchentages. Ein klares Statement, das stellvertretend für die Veranstaltung in der Lutherkirche Bad Cannstatt stand. Themenschwerpunkt war die Situation von Sinti und Roma in Europa und vor allem in Deutschland. Seit jeher ist die Geschichte dieser Volksgruppen eine über Ausgrenzung, Diskriminierung und Verfolgung. Deshalb erinnerten die Redner beim Politischen Nachtgebet daran, dass Sinti und Roma bereits im 16. Jahrhundert als Vogelfreie verfolgt wurden und über 500.000 von ihnen durch das NS-Regime ermordet wurden. Aber auch heute ist die gesellschaftliche Anerkennung für viele Sinti und Roma in Deutschland nicht selbstverständlich.

Probleme auf dem Arbeitsmarkt

Emran Elmazi, Mitarbeiter des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma, erklärte, dass die gesellschaftliche Stellung von Sinti und Roma in Deutschland sehr unterschiedlich sei. Was aber alle vereine, seien die vielfältigen Diskriminierungserfahrungen, die ihnen im Alltag begegneten. Die Auswirkungen spürten die Männer und Frauen zum Beispiel dann, wenn sie keine Arbeit fänden - oder keine Wohnung. Besonders heikel ist für Elmazi die Situation von Leuten, deren Asylantrag abgelehnt wurde und die wieder in ihr Heimatland zurückkehren müssen. Vor allem, weil in vielen Fällen keine Einzelfallprüfung der Anträge stattfände, sondern ein Standardschreiben die Ablehnung verkünde - dabei gäbe es doch die Chance, dass die Asylsuchenden tatsächlich ein Recht auf Asyl hätten.

Politik hat zu wenig getan

Auch Heinrich Bedford-Strohm, der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche, kritisierte die Abschiebung von Asylbewerbern in Länder, in denen sie nicht in Sicherheit leben könnten. "Trotz der Beteuerung der Politik sind einige Länder in Süd-Ost-Europa nicht immer sicher für Sinti und Roma." Ob Asylsuchende oder nicht – Vorurteile begegneten fast allen Sinti und Roma, stellte Emran Elmazi fest. Daher gelte es, diese Vorurteile aufzubrechen. Von den Zuhörern forderte er, nicht einfach zuzusehen, wenn Menschenrechte missachtet und Menschen diskriminiert werden: "Letztendlich geht es nicht um die Zugehörigkeit zu einer Minderheit. Der Mensch steht im Vordergrund."

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