Mein Kirchentag
Grundsatzpapier zum Reformationsjubiläum 2017

"Kirchentag ist angewandte Reformation"

Ob Bischöfin, Bäcker oder Außenminister - beim Kirchentag begegnen sich Menschen, die nach dem Glauben fragen, auf Augenhöhe. Es ist ein Ort für Kultur, Bildung, interreligiösen Dialog und die Verantwortung für Gesellschaft, Umwelt, Wirtschaft und Politik. Die Schlussfolgerung liegt auf der Hand: Der Kirchentag ist gelebte, angewandte Reformation.

Von Wolfgang Heilig-Achneck

Begegnung und Gemeinschaft, die Verknüpfung von Glauben und Weltverantwortung, die Ermutigung zur Übernahme von Verantwortung - das gehört seit seiner Gründung zum Selbstverständnis und zu den Stärken des Deutschen Evangelischen Kirchentags. Im Licht des Reformationsjubiläum 2017 erhält das neue Aktualität: Was den Kirchentag ausmacht - von Dialog und Teilhabe über Bildung und Kultur bis zur Feier des Glaubens - ist nichts anderes als das, was den Reformatoren vor 500 Jahren wichtig war.

Das beschreibt und entfaltet der Kirchentag in einem Grundsatzstatement unter dem Titel "Hoffnung, die uns bewegt". Die zwölf Thesen des Papiers wurden zum Ausklang des Stuttgarter Kirchentags im Rahmen der Bilanz-Pressekonferenz von der Präsidentin des nächsten Kirchentags in Berlin, Christina Aus der Au, und dem EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm vorgestellt. Auf einen kurzen Nennen gebracht, halten die Verfasser fest: "Kirchentag ist angewandte Reformation."

Auch 500 Jahre nach dem legendären Thesenanschlag von Martin Luther sei und bleibe Kirche in Bewegung, betonte Aus der Au und verwies auf ein Kernmerkmal der Reformation: Menschen, die ihren Glauben und ihre Kirche  ernst nehmen, darum ringen, streiten, feiern, singen und tanzen, überlassen die Kirchen und die Welt "nicht denen da oben", sondern bringen ihre Überzeugungen ein - wie eben beim Kirchentag. In besonderer Weise soll das Jubiläum daher bei den "Kirchentagen auf dem Weg" in den Reformationsstädten Mitteldeutschlands sowie in Berlin vom 24. bis 27. Mai 2017 und zum Abschluss in Wittenberg am 28. Mai 2017 begangen werden. Zu feiern gebe es, so Aus der Au, nicht "die Reformation'", sondern "was vor der, in der und seit der Reformation immer wieder  entdeckt worden ist: der lebendige Gott, der Menschen bewegt".

Dass 2017 "viel ökumenischer ausgerichtet wird, als das noch zu Beginn der Dekade zu hoffen war", betonte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm als EKD-Ratsvorsitzender. Bei den katholischen Geschwister sei angfängliche Skepsis der "festen Bereitschaft" gewichen, 2017 als Christusfest mitzufeiern. Die "500-jährige Wiederkehr des reformatorischen Aufbruchs sei eine riesengroße Chance "für uns als Kirche, die Wahrheit und Schönheit, Tiefe und Verantwortlichkeit unseres Glaubens vielen Menschen aufzuzeigen". Er wünsche sich, dass eine Kirche sichtbar werde, die ihre moralische Kraft gerade dadurch zeigt, dass sie allen Moralismus überwindet, aus der Freiheit lebt und zur Kraftquelle der Hoffnung wird.

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