Mein Kirchentag
Bilanz

Beflügelnde Glaubenserfahrung

Als gelungenes Fest des Glaubens und Forum ernsthaften Ringens um Lösungen für die drängenden Probleme der Gegenwart und Zukunft würdigen Verantwortliche des Kirchentags, der gastgebenden Landeskirche und der EKD auf der "Zielgeraden" den Stuttgarter Kirchentag.

Von Wolfgang Heilig-Achneck

Als friedlichen Kirchentag, geprägt von Zuhören und Diskussion wie von Musik, Gebet und Ökumene, würdigte Kirchentagspräsident Prof. Andreas Barner bei der Bilanz-Pressekonferenz das "Fest des Glaubens". Diesen Charakter unterstreiche nicht zuletzt die hohe Beteiligung an den Bibelarbeiten. Eine klare Position beziehe der Kirchentag angesichts der unerträglichen Flüchtlingssituation am Mittelmeer. Von großer Nachdenklichkeit bestimmt sah er die Beschäftigung mit technischen Innovationen wie der synthetischen Biologie und der Digitalisierung. Den Austausch zwischen dem Soziologen Hartmut Rosa und Bundespräsident Joachim Gauck zu den Grenzen von Marktwirtschaft, Wettbewerb und Wachstum bezeichnete Barner als Muster gemeinsamen Lernens: "Das ist Kirchentag, wie er sein soll."

Die "Balance zwischen spiritueller, frömmigkeitlicher Stärke und ernsthafter, fairer Debatte" sei gut gelungen, freute sich Generalsekretärin Ellen Ueberschär. Aus ihrer Sicht habe die Losung "ihre Wirkung entfaltet". Dabei seien - entsprechend der Vielfalt des Protestantismus - "Differenzen ausgelotet, aber nicht ausgeräumt" worden, sagte sie im Blick auf den Christustag. Die Beschäftigung mit dem messianischen Judentum habe dabei gezeigt, "dass viel theologische Bildungs- und Aufklärungsarbeit" nötig sei. Das nehme auch der Kirchentag "als Aufgabe" mit.  Anknüpfend an Bundespräsident Gauck, der vom "Festival der Mitmachkultur" gesprochen hatte, sagte Ueberschär, der Kirchentag habe erneut seine Funktion als "Motivationstraining für engagierte Christinnen und Christen" unter Beweis gestellt.

Im Bild des Lichtermeers auf dem Schlossplatz bündelt sich das Fazit des württembergischen Landesbischofs Otfried July. Das abendliche Beten und Singen von Abertausenden Teilnehmern im Kerzenschein habe ihn regelrecht beflügelt. Als Anstoß und Bestärkung habe der Kirchentag zum einen für die Verantwortung der Kirche in der Gesellschaft und in der internationalen Ökumene gewirkt, andererseits für alle, die sich auf dem langen Weg zu einer gerechteren, menschenfreundlicheren Welt "ernsthaft bemühen, etwas weniger unklug zu sein". Klug weiterzuarbeiten gelte es aber auch an der  Kooperation von Kirchen- und Christustag.

"Wenige Stunden vor dem G7-Gipfel in Elmau" hob der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm die Aufgabe der Christen hervor, sich einzumischen. Auch dafür sei der Kirchentag selbst eine ermutigende Glaubenserfahrung. Die intensive Beteiligung, auch besonders von jungen Menschen, trotz strahlender Sonne und Tropenhitze sei beeindruckend. "Christinnen und Christen bleiben eine entscheidende zivilgesellschaftliche Größe in unserem Land."

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