Mein Kirchentag
Abend der Begegnung

Mit der schwäb'sche Eisebahne zum Abendsegen

Stuttgart gilt als heimliche Chorhauptstadt Deutschlands. Nahe liegend, dass tausende Sänger und Musiker zum Abschluss des "Abends der Begegnung" zum Mitsingen in den Straßen der Stadt einladen: Beim "Klang des Südens" trifft die "Schwäb'sche Eisenbahne" auf Gospel und Choräle, bevor im Schein tausender Kerzen der Abendsegen den ersten Tag beschließt.

von Steffen Groß

Auf "Kein schöner Land" freut sich Bernhard Reich am meisten. Das Volkslied markiert den Abschluss des "Klangs des Südens", der ab 22 Uhr beim Abend der Begegnung die Stuttgarter Innenstadt mit Musik erfüllt. "Vorher haben wir gemeinsam mit den Zuhörern eine bunte Mischung aus geistlichen und weltlichen Liedern gesungen und musiziert. Mit "Kein schöner Land" leiten wir zum Abendsegen über." Wenn dann Hunderttausende singen: "Dass wir uns hier in diesem Tal/noch treffen so viel hundertmal/Gott mag es schenken, Gott mag es lenken, er hat die Gnad'", dann geht das auch dem württembergischen Landeskirchenmusikdirektor Reich ans Herz: "Das passt einfach zu Stuttgart."

Das Lied markiert den Schlusspunkt beim "Klang des Südens". Direkt nach dem Abend der Begegnung ab 22 Uhr singen und musizieren auf neun Bühnen in der Innenstadt insgesamt 4.000 Chorsänger, 1.200 Bläser und neun Bands ein schwäbich gefärbtes Programm, dass zum Mitsingen förmlich einlädt: "Hab oft im Kreise der Lieben", und "Auf dr schwäbsche Eisenbahne" bringen Lokalkolorit mit; "Geh aus, mein Herz" und "Lobe den Herren" zaubern den Klang des Gesangbuchs teils im swingend-poppigen Klanggewand auf die Bühne; dazu kommen Gospels und neuere geistliche Lieder.

"Stuttgart gilt bekanntlich als die heimliche Chorhauptstadt Deutschlands", erklärt David Dehn, der als Vorsitzender des Verbandes evangelischer Kirchenmusik in Württemberg das Programm gemeinsam mit Berndhard Reich konzipiert hat. "In unserem ganzes Bundesland Baden-Württemberg sind das Singen und das Musizieren stark im Leben der Menschen verankert. Deshalb wollen wir die Menschen auch musikalisch begrüßen." Ein Kirchentag ohne Sänger und Bläser sei "einfach nicht denkbar" - und an diesem Abend sind die katholischen und weltlichen Chöre ausdrücklich mit eingeladen: "An vielen Orten singen katholische, evangelische und weltliche Chöre ohnehin zusammen. Diese Realität wollten wir zeigen und gleichzeitig einen ökumenischen Akzent setzen", so Dehn.

Wenn dann der Klang des Südens kurz vor 22.30 Uhr verklingt, läuten in der ganzen Innenstadt die Glocken und laden zum Abendsegen ein. "Das ist der Moment, an dem alle Besucher eine Kerze entzünden können, die dann die Straßen in ein Lichtermeer verwandeln", freut sich Klaus Käpplinger, der als Präsidiumsmitglied des Kirchentages aus Stuttgart-Zuffenhausen den Abendsegen verantwortet. In dessen Mittelpunkt steht Psalm 1: "Glücklich ist der Mensch in der Nähe von Gott." Jeder kann den Text des Psalm in seinem eigenen Tempo sprechen oder murmeln, die Chorsänger rufen  Worte oder einzelne Verse in die Nacht, so dass ein ganz eigenes Klangbild entsteht. Ganz am Schluss singen dann alle Besucher gemeinsam Paul Gerhards Choral "Nun ruhen alle Wälder". 

Einen Geheimtipp für Kirchentagsbesucher hat Käpplinger dann auch noch: "Besonders eindrucksvoll wird der Abendsegen am Eckensee zwischen Neuem Schloss und Staatstheater sein", rät er. Dort, wo das Evangelische Jugendwerk seine Bühne aufgebaut hat, "werden sich die Kerzen im Wasser des Sees spiegeln - das wird einfach wunderschön".

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