Mein Kirchentag
Helfer

Helfen ohne Altersgrenzen

Sie ist 79 Jahre alt, er gerade mal 16. Der Altersunterschied spielt für Marlis und Norwin keine Rolle, denn sie haben eine gemeinsame Aufgabe: hinter den Kulissen des Kirchentags für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen.

von Christina Özlem Geisler, Martin Nejezchleba, Phil Beng

Marlis Schäpers Brötchen sind in aller Munde. Nichts geht besser als Vollkorn-Käse. Wenn hunderte Kirchentags-Helfer mit knurrenden Mägen zu ihr strömen, steht die 79-Jährige bereit und schmiert, was das Zeug hält. Die ehrenamtliche Krankenhausmitarbeiterin aus Neuss engagiert sich in diesem Jahr zum vierten Mal auf einem Kirchentag. Von Dienstag bis Sonntag tauscht sie die Unfallstation gegen die „Schmierstraße“ in einer der Helfer-Küchen. Dass sie die Älteste unter den Kollegen ist, stört sie nicht. Sie genießt den Austausch mit den Freiwilligen, die jünger sind als ihre eigenen Enkel.

Mit seinen 16 Jahren ist Norwin Lang einer der jüngsten Helfer auf dem Kirchentag. Gesellschaftliches Engagement ist aber auch für ihn alles andere als Neuland. Seit zehn Jahren ist er im Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) aktiv und übernimmt in der „Sippe Panda“ immer mehr Verantwortung. Bald schon will er seinen eigenen Stamm leiten.

Schals und Fahrradverleih

Deswegen sieht er genau hin, wie die Gruppenleiter auf dem Kirchentag das Heer aus Helfern koordinieren. Zuhause in Bad Dürkheim sammeln Norwin und seine Freunde Altpapier, entsorgen Tannenbäume und helfen auf Volksfesten mit – oder eben überall dort, wo sie gebraucht werden. Auf dem Kirchentag soll es ganz ähnlich laufen. Norwins Gruppe verteilt die roten Kirchentags-Schals und organisiert den Fahrradverleih auf dem Veranstaltungsgelände.

Vor Norwin und nach Marlis sind alle anderen 4300 Helfer des Kirchentages geboren. Die Jahrgänge reichen von 1935 bis 1999. Wer mitmachen möchte, muss zwar volljährig sein. Wer aber wie Norwin in einer Gruppe organisiert ist und unter Aufsicht anreist, darf auch schon mit 16 dabei sein.

Die Altersspanne macht das Arbeiten aufregender

Dass die weite Altersspanne die Zusammenarbeit nicht schwieriger, sondern aufregender macht, begeistert die beiden. Norwin beeindruckt schon beim ersten Einsatz auf dem Kirchentag, wie offen das Team ist: „Man trifft hier so viele Leute und du kannst jeden ansprechen, ohne dass dir irgendwer einen bösen Blick zuwirft.“ Neue Kontakte zu knüpfen ist für ihn der größte Ansporn zur Mitarbeit – neben der Möglichkeit, anderen zu helfen. Kirchliche Werte wie Nächstenliebe und Toleranz sind ihm auch aus den Leitlinien der Pfadfinder vertraut und wichtig.

Für Marlis ist das Großevent mittlerweile zu einem Treffpunkt mit alten Bekannten geworden. Das Gemeinschaftsgefühl unter Jung und Alt treibt sie an, jedes Jahr aufs Neue zum Kirchentag zu fahren – egal ob zum evangelischen, katholischen oder ökumenischen. Denn Religion kennt keine Grenzen, findet sie.

Genauso offen wie untereinander gehen die Jüngeren auch mit Marlis um – alle duzen die Rentnerin. Das sagt in ihren Augen eine Menge über die Veranstaltung aus. Füreinander da zu sein ist ihr auf dem Kirchentag genauso wichtig wie die Vorträge und Gottesdienste. Dort sehe sie mit jedem Jahr mehr Teilnehmer aus nachkommenden Generationen, die nachströmen und dem Fest ein immer neues Gesicht geben. Norwin und den anderen Jugendlichen gibt sie nur einen Rat mit auf den Weg: weitermachen. „Man gewinnt so viele Eindrücke, die man mit nach Hause nimmt“, sagt sie. Und davon hat Marlis noch längst nicht genug. Wenn sie so gesund bleibt wie bisher, will sie auch 2017 in Berlin dabei sein.

Diese Seite teilen

Bleiben Sie immer über unsere neuesten Aktivitäten informiert.
Abonnieren Sie unseren regelmäßigen Newsletter.