Mein Kirchentag
Zentrum Kulturkirche

Loch in der Kirchenwand: Kunst schafft den Durchblick

Die Hospitalkirche in der Stuttgarter Innenstadt beherbergt das Zentrum Kulturkirche. Auf dem Podium wird über den Wert der Kunst in unserer Gesellschaft diskutiert - und über die Wertschätzung der Künstlerinnen und Künstler. In der Kirchenwand ist ein Loch: Kirche öffnet sich, regt an und hinterlässt Spuren.

Von Janka Hegemeister

Erreichen Debatten über Kunst und Kultur denn überhaupt ihr Publikum auf dem Kirchentag? Ist die Konkurrenz der brisanten politischen Themen nicht zu groß? "Wir waren der erste Veranstaltungsort, der am Donnerstag die Schilder 'Halle überfüllt' ausgepackt hat!", berichtet Johanna Schatke stolz. Die Bremerin gehört dem Projektleitungsteam Zentrum Kulturkirche an. Zwölf Engagierte aus ganz Deutschland haben das diesjährige Konzept seit April 2014 erarbeitet und die Hospitalkirche als architektonischen Raum ausgewählt.

Das passte aus mehreren Gründen: Die Hospitalkirche gehört zu den etablierten Kulturkirchen der Stadt und steht Seit‘ an Seit‘ neben dem  Evangelischen Bildungszentrum der Stadt. Zudem sind bis zum Herbst 2016 umfassende Umbaumaßnahmen geplant. Bisher empfing die nach dem Zweiten Weltkrieg lediglich rudimentär wiederaufgebaute Kirche ihre Gäste eng, dunkel und kühl. Das hat sich bereits zum Kirchentag geändert: Die Würzburger Künstlergruppe creo hat kurzerhand ein Loch in die Rückwand der Hospitalkirche gestemmt. Veränderungen brauchen Kraft, machen Dreck, was (ver)stört wird sichtbar.

Aufbruch erfordert Umbruch

Der Mauerdurchbruch ist der zentrale Ort der Installation "Aufbruch – Umbruch – Durchbruch". Er schafft eine Verbindung von Innen und Außen, er schafft Ein- und Aussicht. Eine grüne (Hoffnungs-)Linie führt vom Altar, durch die Maueröffnung raus bis in den Hof. Vier weitere grüne Linien vom Außenkreuz vereinigen sich nun mit der Altarlinie im historischen Taufstein (1806) im Innenhof. Aufbruch erfordert Umbruch.

Eberhard Schwarz, Pfarrer der Hospitalkirche und ebenfalls im Projektleitungsteam, ist begeistert, wie gut das Zentrum Kulturkirche angenommen wird. Das Publikum kommt zahlreich zu den Themenveranstaltungen und sitzt auf den Papphockern vor der Bühne. Auch das gehört zum Raumkonzept "Kirche öffnen": Die Bänke stehen für die Dauer der Installation im Innenhof. Sie bieten zufällig vorbeischauenden Gästen oder auch bei überfüllter Halle Platz und durch die offene Mauer lässt sich die Diskussion im inneren der Kirche ebenfalls verfolgen.

Kirche muss raus aus ihren dunklen Mauern. Sie muss gesellschaftlich relevante Themen aufgreifen und Menschen bewegen. Anregen, Grenzen überwinden und neue Wege aufzeigen. Kirche kann das, findet auch Anne-Catherine Jüdes, ebenfalls im Projektleitungsteam und Referentin in der Kulturstiftung St. Matthäus. Die Berlinerin blickt jetzt schon auf das Jahr 2017, wenn das Zentrum Kulturkirche mit dem Kirchentag in Berlin zu Gast ist.

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