Mein Kirchentag
Zentrum Barrierefrei

In Gemeinden soll sich jeder willkommen fühlen

Inklusion - Teilhabe für alle – ist das ein neues Leitwort oder ein schillerndes Modewort? Der Kirchentag widmet sich mit mehreren Veranstaltungen diesem Anliegen und hat ein Zentrum Barrierefrei eingerichtet – mit Service für alle mit besonderen Bedürfnissen und einem Café der Begegnung. Die Veranstaltungen hier werden in leichte Sprache und in Gebärdensprache übersetzt und in Schrift gedolmetscht.

Von Margit Mantei

"Wir müssen an unseren Haltungen und Einstellungen arbeiten und eine Willkommens-Kultur für alle in den Gemeinden gestalten", betonte der württembergische Landesbischof Otfried July, der ein „Wort zur Inklusion“ an die Gemeinden geschrieben hat, im "Zentrum Kirchentag Barrierefrei". Unter der Frage "Inklu... was? Wie geht Gemeinde für alle?" ging es um Teilgeben und Teilnehmen, um Teilhaben und Teilsein. Alle Menschen sollen die gleichen Möglichkeiten haben, am Leben der Gesellschaft teilzuhaben. Das heiße, die äußerlichen, baulichen Barrieren zu überwinden, aber auch die Barrieren in Köpfen und Herzen. Intellektuell wüssten wir, was zu tun ist, aber im Herzen sei es noch nicht überall angekommen. Die Sensibilität dafür müsse sich noch ausbreiten, auch wenn man nicht überall gleich Abhilfe schaffen könne, sagte July.

Eine "große Offenheit" habe er bei Pfarrerinnen und Pfarrern zum Thema Inklusion festgestellt, berichtete der Landesbischof. In einer Umfrage unter ihnen wurden allerdings auch die Hindernisse deutlich: Unsicherheit und Berührungsängste bei der Begegnung mit Menschen mit Behinderung und die Vielfalt der anderen Aufgaben, so dass manche stöhnten: "Was sollen wir denn noch alles machen?"

Auch nach links und rechts schauen

Die Diskussion um Inklusion werde schnell "technisch", warnte Silke Köser von der Führungsakademie Kirche und Diakonie Berlin, "und wir neigen mit unserer protestantischen Gründlichkeit dazu, erst einmal ein System von Checklisten zu entwickeln". Ebenso viel Zeit und Kraft sollten wir aber aufwenden, um die Barrieren in eigenen Einstellungen, durch Unwissenheit, Berührungsängste, Scham und Unsicherheit abzubauen, forderte sie. Nicht nur nach vorn preschen, sondern auch nach links und rechts schauen, auf Nachbarn und uns selbst: "Was brauchen wir alle, um teilzuhaben an dem, was uns Menschen in erster Linie ausmacht" – Beziehungen zu anderen. Wir müssten nicht „perfekte Inklusionisten“ werden. Lieber mit wachen Augen und zugewandter Haltung in der Gemeinde leben und prüfen, ob Strukturen und Haltungen Inklusion ermöglichen oder Exklusion fördern.

Inklusionspreis für Gemeinde

Inklusion im Alltag des Gemeindelebens - wie geht das? Katrin Hübner berichtet von ihrer Sophie-Scholl-Gemeinde Schwäbisch Hall, die im vorigen Jahr den Inklusionspreis der Landeskirche gewonnen hat. Dabei hätten sie keine spektakulären Sachen gemacht. In ihrer jungen Gemeinde, in die auch viele Menschen mit Migrationshintergrund kommen, wird ein aktives und nahes Miteinander gelebt. Es herrsche große Offenheit, und es gebe viele Engagierte, die die Spaß haben, mit anderen in Kontakt zu kommen.

Mary Matysiak vom Förderkreis zur Integration von Schwerhörigen und Ertaubten erzählte, dass Schwerhörige sich schnell zurückziehen, weil sie oft für begriffsstutzig gehalten werden. "Das ist eine Behinderung, die man nicht sieht", sagte sie, und nicht selten ziehe das psychische Erkrankungen nach sich. 17 Millionen Menschen seien deutschlandweit als Schwerhörige registriert, sieben Millionen seien gehörlos. Sie wünsche sich, dass in den Kirchengemeinden auch Menschen auf sie zukommen.

Inklusion kostet auch

"Inklusion hat ihren Preis, es gibt sie nicht zum Nulltarif", sagte Thomas Mann, Vertrauensperson der württembergischen Pfarrerinnen und Pfarrer mit Behinderung, und sprach sich für einen Fonds für Maßnahmen zur Barrierefreiheit in den Gemeinden aus.

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