Mein Kirchentag
Militärseelsorge

"Wenn eine Armee, dann die Bundeswehr"

Friedensbeauftragter und Militärbischof diskutieren auf dem Kirchentag über internationale Friedensmissionen.

Von Roger Töpelmann

Wo Waffen eingesetzt werden, um den Frieden zu sichern, finden Antworten sich schwer. "Welche Antworten gibt es aus der EKD heraus", wurde Renke Brahms zum Thema "Frieden schaffen mit oder ohne Waffen" auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag gefragt. "Wir finden keine gewaltfreie einfache Antwort", bekannte der Friedensbeauftragte der EKD, aber Alternativlosigkeit bei der Lösungssuche gebe es nicht. Jede Konfliktsituation müsse man sich genau ansehen, selbst wenn oft ein Dilemma bleibe. 

Die Frage des Brandenburger Militärpfarrers Friedrich von Kymmel ob die Unterstützung der nordirakischen Peschmerga mit Gewehren der Bundeswehr richtig sei, da diese Unterstützung doch Leben rette, beantwortete Brahms: "Jede militärische Einflussnahme des Westens halte ich für problematisch." Militärbischof Sigurd Rink wollte die Waffenlieferungen als Ultima Ratio gelten lassen, obwohl er es auch als "schwierig" bezeichnete, wenn nicht absehbar sei, was mit 17.000 Sturmgewehren aus Beständen der Bundeswehr passiere. Brahms bestand darauf, dass es ethisch nicht zu rechtfertigen sei, irgendeiner Seite Waffen zu liefern. Besser hätte man nach dem EKD-Leitbild eines "Gerechten Friedens" eine Schutzzone im Irak einrichten sollen, entgegnete er.

Verstärkte Entwicklungsarbeit als Option


In der vom Militärpfarrer und vormaligen Bundestagsabgeordneten Pascal Kober moderierten Diskussion um die richtigen Lösungen setzte auch Rink auf eine verstärkte Entwicklungszusammenarbeit. Dabei stünden Konfliktvermeidung und Wiederaufbau an erster Stelle. Rechterhaltende Gewalt dürfe es geben. Doch bei der Frage, ob Militär oder Polizeikräfte eingesetzt werden, befinde sich die Gesellschaft mitten in der Diskussion, sagte der Militärbischof. Deshalb nahm das Konzept der Krisenintervention durch "Just Policing" auch in diesem Gespräch breiten Raum ein; vor allem Brahms sieht hier eine Möglichkeit, dass Deutschland solche Einsätze unterstützt – auch wegen des guten Rufs, den die deutschen Polizeikräfte im Ausland genießen.

Die Kirchentagsteilnehmenden im kleinen Zelt auf dem Markt der Möglichkeiten ließen Kräfte der Bundeswehr moralisch nicht im Stich: Die Soldaten und Soldatinnen seien im Ausland sehr beliebt und genössen hohe Wertschätzung, sagte eine Frau. Und dann bekannte der Friedensbeauftragte, für manchen überraschend: "Wenn eine Armee, dann die Bundeswehr", denn sie sei immerhin eine Parlamentsarmee. Rink wies auf die schwierige politische Abstimmung hin, wenn es um die Frage nach dem Einsatz von Polizei oder Militär im Ausland gehe. Ein Paradigmenwechsel hin zum "Just Policing" mache eine völlige Revision der Verteidigungskräfte notwendig und bedürfe einer Änderung der UNO-Charta. Bislang sind die Aufgaben von Militär und Polizei in allen Ländern deutlich getrennt.

Diese Seite teilen

Bleiben Sie immer über unsere neuesten Aktivitäten informiert.
Abonnieren Sie unseren regelmäßigen Newsletter.