Mein Kirchentag
Bibelarbeit Bodo Ramelow

Der Mensch ist "kein Arbeitsochse"

Bodo Ramelow ist Christ und Mitglied der Linkspartei. Seit einem halben Jahr ist der thüringische Landesvater der erste linke Ministerpräsident in Deutschland. Auf dem Kirchentag hielt er eine Bibelarbeit.

Von Margit Mantei

Lieber hätte er ja über den Text vor seinem Text aus dem Buch Kohelet, gesprochen, gesteht Bodo Ramelow. In dem es darum geht, dass alles seine Zeit hat, auch "Steine sammeln und Steine zerstreun", den auch die Puhdys besungen haben, doch in den Mühen, denen man sich stelle, lägen Chancen. Um die Mühen der Arbeit und die Freuden des Lebens ging es in der Freitags-Bibelarbeit. Der Prediger zwinge uns, nachzudenken: Welcher Gewinn bleibt denen, die sich abmühen, von ihrer Arbeit?, so Ramelow, der seit genau einem halben Jahr nun Ministerpräsident in Thüringen ist und damit der erste "Landesvater", der der Partei Die Linke angehört – "und die Welt ist nicht untergegangen!", kommentierte er.

Die Mühen der Menschen sehen

Die Mühen, die Gott uns zuordnet, müssten wir nicht einfach erdulden, sondern so damit umgehen, dass sie uns nicht erdrücken, sagte Ramelow. Burnout, Entfremdung von der Arbeitswelt, zunehmende Suchterkrankungen und Medikamentenmissbrauch ("dopen, um fit zu sein") und die schwere Vereinbarkeit von Familie und Beruf seien Alarmzeichen. Als Schlichter im Bahnstreik war es ihm wichtig, dass die Züge zum Kirchentag rollen, aber man müsse auch die Mühen der Lokführer sehen. Er verwies auf die drei Millionen Überstunden, die sich bei ihnen angesammelt haben, und "wenn bei manchen schon am 1. Januar das Arbeitszeitkonto des ganzen Jahres gefüllt ist", dann müsse etwas geschehen. "Der Streik ist nur eine Gegenwehr, wenn man keine Möglichkeit mehr hat, vernünftige Verhandlungen zu führen." Dagegen hätten gewisse Medien das Bild eines Gewerkschaftsführers gezeigt, "der der Bahnsinnige ist", kritisierte er.

Wenn es keine Gewissheit über die Tragfähigkeit der Altersvorsorge mehr gebe, dann wachse die Angst. Ramelow beklagte die Macht der Hedgefonds und großen Banken: Börsenkurse könnten eine Gesellschaft nicht zusammenhalten. Wir könnten nicht so leben, als hätte es Zinsverbot in den drei monotheistischen Religionen nie gegeben, mahnte er. "Die Welt ist aus den Fugen geraten", sagte er mit Blick auf Ungleichheit in der Gesellschaft und auf die Flüchtlingsströme.

Der Mensch braucht die Sonntagsruhe

Jedoch sei der Mensch "kein Arbeitsochse". Er brauche Auszeiten: "Gott hat gewollt, dass am siebten Tag Ruhetag ist." Eine große Niederlage musste er selbst beim Kampf um das Ladenschlussgesetz einstecken. Die "Unterordnung unter die Glitzerwelt" sei ein falscher Weg. Die Heilsversprechen von steigendem Umsatz und vielen neuen Arbeitsplätzen hätten sich nicht erfüllt. So liege zwischen allen Mühen die Aufforderung, sich zu freuen, das Gute zu sehen und das Leben zu genießen.

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