Mein Kirchentag
Bibelarbeit Winfried Kretschmann

Menschliches Leben als Gabe und Aufgabe

Menschliches Leben, so Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei einer Bibelarbeit auf dem Kirchentag, ist gleichermaßen Gabe und Aufgabe. Sinn und Glück im Leben zu finden, ist Sache jedes einzelnen; die Politik kann nur die äußeren Voraussetzungen dafür liefern.

Von Dirk Klose

Ein sinnerfülltes Leben zu führen, ist Aufgabe jedes einzelnen. Vom Staat könne Glück entgegen einer verbreiteten Meinung nicht erwartet werden, er schaffe allenfalls die Rahmenbedingungen, dem einzelnen ein sinnerfülltes Leben zu ermöglichen. Das erklärte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Freitagmorgen in einer Bibelarbeit auf dem Stuttgarter Kirchentag. Der populäre Grünenpolitiker legte einen Text aus dem Alten Testament (Prediger 3, 9-13) aus, in dem es im wesentlichen um Fragen eines sinnerfüllten Lebens geht.

Das menschliche Streben nach Glück und Wohlstand, so Kretschmann, sei verständlich und keineswegs verwerflich. Erst in einer gesicherten Lebenssituation komme der Mensch dazu, tiefer nach Sinn und Zweck des Daseins zu fragen. Als ein Geschöpf Gottes habe der Mensch aber auch die Aufgabe, nicht sinnlos in den Tag zu leben, sondern entsprechend seinen Anlagen und Fähigkeiten zu handeln. "Das menschliche Leben ist also Gabe und Aufgabe". Und es ist, so Kretschmann weiter, auch eine alte Erfahrung, dass erst eine Mängelsituation den Menschen anspornt, sein Leben bewusster zu gestalten: "Der Sinn des Lebens wird nur dann lebendig, wenn etwas auf dem Spiele steht" erläuterte der Politiker diesen nur scheinbar paradoxen Sachverhalt. Werde er akzeptiert, könne man nach Kretschmanns Worten von "Lebensklugheit" sprechen.

Die Politik kann nach Kretschmanns Worten lediglich die Rahmenbedingungen für ein sinnerffülltes Leben schaffen und die Freiräume dafür absichern. Es sei ein gewaltiger Irrtum zu glauben, dass Politik den Menschen glücklich machen soll. Wo die Politik mit diesem Anspruch antritt, "wird, wie wir erlebt haben, die Erde zur Hölle". Der Staat dürfe keine Utopien ausmalen, sondern müsse sich auf konkretes Handeln beschränken. Dass es dabei langsam, für viele Menschen oft allzu langsam vorangeht, kennzeichne den auf Kompromisse und Interessenausgleich aufbauenden Verfassungsstaat. Ungeduld sei völlig fehl am Platz: "Das Schneckentempo ist das normale Tempo der Demokratie."

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