Mein Kirchentag
Bibelarbeit Alois Glück

Glück über Glück und Klugheit

Alois Glück, CSU-Politiker und Vorsitzender des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, ist wohl einer, den man gern als altersweise, gar als klug bezeichnet. Mit feinem Blick folgt er dem biblischen Text des Predigers und gibt Impulse für eine "christliche Lebenskultur" an die Hand

Von Steffen Groß

Wie kann der Mensch glücklich, gar klug werden angesichts der Unergründlichkeit des Lebens? Keine leichte Kost, die der Kirchentag da vorgegeben hatte. Aber eine glückliche Fügung, das gerade der ZdK-Vorsitzende Alois Glück diesen Text auszulegen hatte. In seiner leisen, fragenden Art öffnete er nicht nur die Welt des Predigers Salomo, sondern führte seine Zuhörer in der Fellbacher Schwabenlandhalle auch in die Schule christlicher Lebensführung ein.

Glück stellte den biblischen Prediger als Theologen in einer Zeit von Umbrüchen vor, der angesichts des Wandels in seiner Zeit auch Erhellendes zur Sinnsuche unserer Zeit zu sagen habe. Glück sei für ihn allein Gabe Gottes und nie menschlicher Besitz, so der Politiker. Es sei nicht mit dem Besitz irgendwelcher Güter zu verwechseln und auch nicht mit flüchtigen schönen Gefühlen, sondern etwas Bleibendes in unserem Leben.

Eine feine Abgrenzung unterscheide, so Glück, den "klugen" und den "cleveren" Menschen.  Beide seien aufmerksame Zeitgenossen - aber der Clevere "kalkuliert, wie er seine Ziele erreicht". Er sei "ein Gewinnertyp", flexibel genug, "gegebenenfalls auf ein anderes Pferd zu setzen". Kluge Menschen seien dagegen lebensklug, oft älter. Ihr Maßstab sei nicht der eigene Erfolg um jeden Preis, "sondern das Verantwortbare". 

"Am gefährlichsten für die Klugheit sind die, die ihre eigene Sichtweise absolut setzen. Denn die wissen ja schon alles, deshalb lernen sie auch nichts dazu", spitzte Glück seine Einsichten zu. Fanatismus sei das Gegenteil von Klugheit; Fanatikern oder Fremdenfeinde, wie christlich auch immer sie sich gäben, "können unsere Verbündeten als Christen nicht sein". Klug sei dagegen eine Haltung "engagierter Gelassenheit", zitierte Glück den Theologen Teilhard de Chardin.

Wie kann also ein Christenmensch klug leben, gar glücklich werden? Glück rief dazu auf, sich den Anstrengungen der Freiheit auszusetzen: "Für Christen ist die Freiheit untrennbar verbunden mit der Verantwortung gegenüber dem eigenen Gewissen." Freiheit bedeute auch Freiheit zum Engagement.  "Dafür muss ich immer zuerst die Fakten kennen: Mit einer noch so straken Gesinnung allein bin ich noch weit weg von der Klugheit."

Prägende Begegnungen mit anderen Menschen gehörten ebenso zum klugen Leben - und die Gabe der Selbstbegrenzung: "Frei ist der Mensch, der es schafft, sich in seinem Genussstreben und in seinem Leistungsstreben Grenzen zu setzen." Und schließlich verhelfe die Einsicht zur Gelassenheit, "dass die Liebe Gottes zu uns nie von unserer Leistungsfähigkeit abhängig ist."

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