Mein Kirchentag
Wissenschaft

Wann werden wir Götter?

In der Porsche-Arena diskutierten Vertreter von Wissenschaft, Umwelt, Politik und Ethik über die großen Themen der Wissenschaft. Hier lesen Sie die sechs wichtigsten Fragen – und ihre Antworten.

Von Philipp Mangold


 

1. Wer hat diskutiert?

 

Prof. Dr. Petra Schwille, Biophysikerin und Direktorin am Max-Planck-Institut für Biochemie, Martinsried

PD Dr. Joachim Boldt, Institut für Ethik und Geschichte der Medizin, Freiburg/Breisgau

Theresia Bauer, grüne Wissenschaftsministerin von Baden-Württemberg, Stuttgart

Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Berlin

Prof. Dr. Michael Bölker, Biologe, Marburg

Wolfgang Kerbe, Chemiker und Soziologe der Biofaction KG, Wien

Dr. Arnold Sauter, stellvertretender Leiter des Büros für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag, Berlin

Prof. Dr. Alfred Pühler, Ehrenvorstandsmitglied beim Centrum für Biotechnologie, Bielefeld 

2. Wer soll die Grenzen der Wissenschaft bestimmen?

 

Darüber gehen die Meinungen auseinander. Forscherin Schwille und Grünenpolitikerin Theresia Bauer sind für Freiheit in der Forschung. Bauer wünscht sich eine gemeinsame Definition von Spielregeln  aus Gesellschaft und Wissenschaft. Eine Regulierung von Wissenschaft hält sie nur auf internationaler Ebene für sinnvoll. Die Gegenposition zu Schwille und Bauer formuliert Umweltschützer Weiger: Seiner Meinung nach soll die Gesellschaft entscheiden, wo geforscht wird. Nicht die Wissenschaftler – und schon gar nicht die Unternehmen. 

3. Was ist das Leben, aus naturwissenschaftlicher Sicht?

 

Petra Schwille nennt das Leben eine Problemlösungsmaschine. Ihr zufolge gibt es in der Natur fast kein Problem, das das Leben nicht lösen kan – bis auf den Tod. Allen Lebewesen eigen ist der Wille zu leben, den selbst Mikroorganismen haben. Und alles Lebendige hat, laut Michael Bölker, einen Selbstzweck: die Vermehrung. 


 4. Können Forscher künstlich lebendige Organismen erschaffen?

 

Michael Bölker zweifelt daran, dass es je gelingen wird, neues Leben zu schaffen. Allerdings könne man tief in Organismen eingreifen. Zum Beispiel mit einer Methode namens CRISPR/CAS, die es eventuell sogar möglich machen wird, den Neandertaler wieder zu erschaffen. Für die Entdecker von CRISPR/CAS erwartet Bölker in den nächsten zwei bis drei Jahren einen Nobelpreis. 

5. Mit welchen Erfindungen ist in den nächsten Jahrzehnten zu rechnen?

Arnold Sauter erwartet in den kommenden zehn Jahren weiterentwickelte genetisch veränderte Mikroorganismen; was Pflanzen und Tiere angeht, rechnet er jedoch mit politischen Beschränkungen sowohl in Europa und den USA als auch in China.

Langfristig denkbar ist laut Petra Schwille die Züchtung künstlicher Organe. Eine entscheidende Rolle spielt dabei der sogenannte Minimalorganismus: ein Organismus, der nur die notwendige Mindestzahl von Eigenschaften im Erbgut hat. Er besitzt wenige oder keine Abwehrmechanismen – und kann daher Menschen nicht gefährlich werden. Ihn könnten Forscher nach Belieben manipulieren, bis er tut, was sie wollen. Zum Beispiel Wasserstoff produzieren – einen möglichen Brenn- und Treibstoff.

6. Kann man die Debatte um Ethik in der Wissenschaft in den sozialen Netzwerken verfolgen?

Ja, auf Twitter: #klugesynbio.

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