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Schwesig: Ehe für alle gleichstellen

Streit um Familienbild

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig hat dafür plädiert, das traditionelle Familienbild zu erweitern und sich für die Gleichstellung von sogenannten Homo-Ehen ausgesprochen. Außerdem kritisierte sie die Äußerungen der saarländischen Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer zu gleichgeschlechtlichen Partnerschaften als "unterirdisch und respektlos".

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig hat sich für eine Gleichstellung der sogenannten Homo-Ehen ausgesprochen. Es dürfe keine "Ehen erster und zweiter Klasse geben", sagte sie bei der Podiumsveranstaltung "Streit um die Familie". Gleichgeschlechtliche Partnerschaften mit Inzest und Polygamie in Verbindung zu bringen, wie es die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer getan hatte, bezeichnete Schwesig als "unterirdisch und respektlos". Die Ministerin plädierte zugleich für eine Erweiterung des traditionellen Familienbegriffs. So könne beispielsweise auch ein Einzelner, der seine Angehörigen oder sogar einen Pflegebedürftigen betreut, der nicht mit ihm verwandt ist, als Familie verstanden werden. Sie warb dafür, die "Lebenswirklichkeit, wie sie ist", wahrzunehmen. Zudem wisse die Politikerin  nicht, was Jesus dagegen gehabt haben könnte, "wenn zwei Frauen sich liebevoll um ein Kind kümmern".

Gleichzeitig machte Schwesig deutlich, dass Familien künftig noch stärker gefördert werden müssten. Dazu gehörten beispielsweise gute Betreuungsmöglichkeiten für Kinder. Sie unterstütze deshalb die aktuelle Forderung von Erzieherinnen und Erziehern nach einer höheren Bezahlung. "Arbeit mit Kindern muss genauso viel wert sein wie die Arbeit an Maschinen oder in Banken", so Schwesig. Die Ministerin war auch selbst betroffen: Sie habe Termine ausfallen lassen müssen, um ihre Tochter zu betreuen.

Der frühere Bundesverfassungsrichter Paul Kirchhof sprach sich bei der Veranstaltung in der Schwabenlandhalle Fellbach gegen das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Partnerschaften aus. Änderungen der gesetzlichen Grundlagen müssten "behutsam überlegt" werden. Nach Ansicht Kirchhofs basiere im Fall einer Adoption "das Familienglück einer erweiterten Partnerschaft auf der Tragik einer Mutter". Stattdessen solle der Blick stärker auf die Situation von Müttern in schwierigen Lebenssituationen fallen. Daneben müsse in Deutschland stärker "für Familie geworben" werden. Eines der reichsten Länder der Erde sei zugleich eines der ärmsten an Kindern, so der frühere Verfassungsrichter.

Als "Skandal" bezeichnete Kirchhof das gegenwärtige Rentenrecht in Deutschland. Es basiere fast ausschließlich auf Beitragszahlungen und berücksichtige etwa die Leistungen von Müttern viel zu wenig. Er forderte, die Erziehungsleistungen bei der Rente noch stärker zu berücksichtigen. Diese "elementare Ungerechtigkeit" abzubauen, habe das Bundesverfassungsgericht bereits mehrmals angemahnt.

Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung, forderte, die gesamte Politik künftig stärker von der Familie her zu gestalten. Nach wie vor fielen die maßgeblichen politischen Entscheidungen in anderen Feldern "und die Familie muss dann mitlaufen", so der Theologe. Er verteidigte auch das vor zwei Jahren erschienene umstrittene Familienpapier der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), das er mitverantwortet und das beispielsweise für mehr Rechte von Homosexuellen eintritt.

Nach Ansicht Jungs findet sich in der Bibel kein Bild für eine "vorbildhafte Familie". Vielmehr beinhalte die Heilige Schrift eine Vielfalt von Formen des Zusammenlebens. Sie reichten beispielsweise von der Vielehe bis zu Formen des Zusammenlebens, das auch Sklaven umfasse. Stattdessen warb er dafür, die Werte, die die Bibel mit Beziehungen verknüpfe, ernst zu nehmen. Dazu gehörte etwa Verlässlichkeit, Treue und Dauerhaftigkeit, wie sie Partnerschaften prägen. Der traditionellen Ehe werde "nichts weggenommen", wenn die Werte auch in anderen dauerhaften Verbindungen gelten würden, sagte Jung. Deshalb spreche er sich auch für Segnungen von gleichgeschlechtlichen Paaren aus.

Die Bochumer Theologieprofessorin Isolde Karle sieht gegenwärtig keine "Krise der Partnerschaft", sondern eine "Vervielfältigung der Formen". Ihrer Ansicht nach liegt dies auch daran, dass Menschen heute länger lebten und ihre Beziehung deshalb höheren Herausforderungen ausgesetzt sei. Nach wie vor seien ihren Untersuchungen zufolge aber Menschen daran interessiert, dauerhaft zusammenzuleben. 

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