Mein Kirchentag
"Aus der Tradition eine Zukunft schaffen"

Reformationsjubiläum 2017 - Was haben wir zu feiern?

Die evangelische Kirche bereitet sich auf ein riesiges Fest vor - aber was haben wir eigentlich zu feiern?

Von Silke Roß

Der innere Kern dieses Ereignisses ist die Gottesfrage", sagt EKD - Vizepräsident Thies Gundlach, "denn die Reformation hat das Verhältnis der Menschen zu Gott nachhaltig verändert". Vielleicht hatte Martin Luther damals in Wittenberg noch nichts Umstürzendes mit so weit reichenden Folgen im Sinn, als er seine Kritik an den vorherrschenden Verhältnissen in Thesen fasste, tatsächlich aber hat er in der Folge die Gesellschaft tiefgreifend erschüttert. Auch heute ist die Kirche wieder angefragt, der Umgang mit Flüchtlingen, die Haltung zur Pränataldiagnostik und zur Sterbehilfe und allemal die Krisenherde in der Welt lassen viele Menschen nach der Rolle Gottes fragen. 

Die Vorstellung der Reformatoren, dass dem Menschen aus seinem puren Mensch-sein und dem Glauben heraus die Gnade Gottes zuteil werde, muss heute von den Kirchen wieder neu mit Inhalten gefüllt werden. "Diese Sichtweise hat vor 500 Jahren eine Selbstsouveränisierung der Menschen herbeigeführt, die ihnen eine neue Autonomie in Glaubensfragen erschlossen hat", sagt Daniel Mourkojannis, Beauftragter für das Reformationsjubiläum der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche): " Und viele Menschen fragen, in dieser Tradition stehend, welches Verhältnis von Gott und Menschen sich in diesen Themen definieren lässt."

Glaube ist individuell unterschiedlich

 "Es ist so, dass jede Christin und jeder Christ auf eine individuelle Art und Weise glaubt – und die Kirche stellt dieser jeweiligen ganz persönlichen Glaubenserfahrung bisweilen eine relativ starre liturgische und dogmatische Struktur gegenüber.“ Hier definiert Mourkojannis die Herausforderung für die Vorbereitung des Reformationsjubiläums: „ Wir müssen versuchen, in dieser Erstarrung das lebendige Eigene zu finden und dann unser kirchliches Agieren neu überdenken und überprüfen. Dabei gilt es, nicht nur zurück zu schauen, sondern wirklich kritisch über neue Wege und Arten nachzudenken, individuell Glauben zu leben. Das Phänomen Kirchentag scheint mir daher sehr geeignet, diese Reflexion zu ermöglichen.“

Ähnlich äußert sich auch Prof. Gerhard Robbers, Regierungsbeauftragter für das Reformationsjubiläum für Rheinland-Pfalz. Er verwies beim Kirchentag darauf, dass „ wir zwar aus der Reformation heraus leben, aber dieser Tradition auch eine Zukunft schaffen müssen. Es gibt viele Jugendliche, die sich engagieren und Lust darauf haben, ihren Glauben, ihre Kirche zu gestalten – wir müssen sie mitnehmen in diese Jubiläumsfeier, durch Mund-zu-Mund-Propaganda in den Gemeinden und durch die verschiedenen Angebote in den Landeskirchen. Das Jubiläum ist europäisch bzw. sogar international, und zudem auch ein ökumenisches Ereignis, denn wir kommen nicht aus unserer Zeit hinaus – aber das Lebendige der Reformation wird auch in der Zukunft relevant sein.“ 

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