Mein Kirchentag
Kirchentag erstmals zu in Stadt und Land unter bündnisgrüner Führung

Alles im grünen Bereich

Um "grüne" Inhalte und um eine möglichst umweltschonende Organisation und Gestaltung bemüht sich der Kirchentag schon lange. Aber dass Stadt und Land als Gastgeber politisch unter grüner Führung stehen, hat es bei einem Kirchentag noch nie gegeben.

Von Wolfgang Heilig-Achneck

Haben die Verantwortlichen an der Spitze von Stadt und Land schon ihren Frieden mit dem lange verteufelten Mega-Projekt gemacht? Ist der "Sündenfall" von "Stuttgart 21" womöglich schon verdrängt und vergessen? Von wegen, poltert eine Aktivistin beim Kirchentagsempfang der Bundestagsfraktion der Bündnisgrünen und verweist auf die schön jetzt spürbaren, negativen Folgen. Der Verlust der Bäume im Park neben dem Hauptbahnhof habe die Feinstaubbelastung weiter steigen lassen - und in der Talkessellage der Innenstadt staue sich die Hitze noch mehr als früher. Mit einer Gruppe will sie das schlechte Gewissen in der Partei wachhalten und auch beim Kirchentag beim Markt der Möglichkeiten über die anhaltenden Diskussionen informieren.

Die Kirchentagslosung "damit wir klug werden" könnten und wollen die Bündnisgrünen durchaus auch auf sich selbst beziehen, sagte Katrin Göring-Eckardt, freilich ohne damit bestimmte Probleme oder Streitthemen zu anzusprechen. "Wie wir gemeinsam klüger werden, wollen wir in vielen Gesprächen herausfinden", unterstrich die Co-Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag. Während viele in ihrer Partei, vielleicht sogar eine Mehrheit, eher eine striktere Trennung von Staat und Kirche favorisieren, steht die 49-Jährige als ehemalige Präses der EKD-Synode und Präsidentin des Dresdner Kirchentags wie wenige andere für eine Art Interessengemeinschaft, gerade bei Kernthemen wie dem Klimaschutz. Kein Wunder, dass die Hälfte der Kirchentagsbesucher mit den Grünen sympathisiere, zitierte sie eine Umfrage. "Die andere müssen wir noch gewinnen." Neben Elmau und zwei weiteren Politikertreffen sei der Kirchentag der "vierte Gipfel" in diesem Jahr. "Und der hebt sich positiv ab: Er ist nicht abgeschottet und funktioniert nicht nur von oben nach unten."

Für die Offenheit, auch "mit anderen klüger zu werden", warb Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn, während Ministerpräsident Winfried Kretschmann ebenfalls die Gemeinsamkeiten betonte: Kirchentage seien "immer auch grün", etwa wenn zum Abendsegen Lieder wie "Geh aus mein Herz" angestimmt werden. "Wir müssen die Liebe zur Natur und zu den Menschen wach halten, nur dann engagieren sich die Menschen." Zwar erinnern Kirchentage einerseits daran, "was wir selbst nicht machen können", sagte Kretschmann auuch in Anwesenheit des Ratsvorsitzenden Heinrich Bedform-Strohm. Andererseits sei auch klar, "dass wir mit der Bibel keine Erbschaftssteuerreform entwerfen können".

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