Mein Kirchentag
Fußball

In Absprache mit Jesus

Torsten Hüner liebt den HSV - und Jesus liebt Torsten Hüner. Mit seinem Fanclub "Totale Offensive" hilft er suchtkranken Fußballfans.

Von Max Dinkelaker

Gleich dreht der Typ durch. Bierflasche in der einen Hand, Stinkefinger an der anderen ausgefahren. Sein Hamburger Sport Verein (HSV) hat verloren, auch noch gegen Werder Bremen, Pöbeleien werden ihm gleich nicht mehr reichen. Als ein Auto voll mit grün-weißen Bremern an ihm vorbei will, hat er genug. Mit beiden Fäusten schlägt er auf die Motorhaube ein, er ist jetzt im Tunnel.

Der Mann hat die Rechnung ohne Torsten Hüner gemacht. Dieser ist weder besonders groß, noch übermäßig stark, doch weiß er genau, wie er den Mann beruhigen kann. Nicht mit Gewalt, sondern mit Worten.

Torsten Hüner ist HSV-Fan und Christ, beides durch und durch, Reihenfolge beliebig. Seit bald 10 Jahren spricht er sich als Teil des Fanclubs "Totale Offensive" mit anderen Christen gegen Gewalt, Rassismus und Suchtverhalten in der Kurve aus. „Auf Auswärtsfahrten wird gebechert, bis der Arzt kommt, gerade den Jugendlichen wollen wir da eine andere Perspektive bieten.“

Seine eigene Perspektive ändert sich 1996 innerhalb einer einzigen Nacht. Nach Beziehungskrise und Schuldgefühlen fängt der Atheist im Bett an, um Vergebung zu bitten, mit einer Antwort rechnet er nicht. Doch zu seiner eigenen Überraschung fühlt er sich danach seltsam erleichtert. „Ich habe damals mein Herz für Jesus geöffnet, seitdem begleitet er mich.“

Immer wieder spricht er von Jesus wie von einem geliebten Freund, Jesus gebe ihm neue Impulse und helfe ihm in Gesprächen bei wichtigen Entscheidungen. Außerdem habe Jesus dem HSV erst kürzlich beim Klassenerhalt geholfen. Zwar glaubt er nicht an einen Fußballgott, aber vor dem entscheidenden Relegationsspiel gegen den Karlsruher SC hat er mit den Anderen trotzdem für den Verein gebetet. Der Erfolg gibt Torsten recht.

Hilfe für Alle?

Nicht nur in Hamburg gibt es den Fanclub, auch in 13 anderen Stadien haben sich Christen in der Kurve zusammengetan. Sie nehmen Kinder mit zu den Spielen und helfen Erwachsenen, die der Spirale aus Gewalt und Alkohol innerhalb der Fanszene entkommen wollen, neben dem gewohnten Umfeld nicht auch noch den Lieblingsverein zu verlieren. Zunächst von den anderen Fangruppierungen kritisch beäugt, sind die bekennenden Christen mittlerweile akzeptiert, auch wenn sie nach wie vor keine Schmähgesänge mitsingen. „Da kommt die Feindesliebe durch“, sagt Torsten.

Wer Torsten auf dem Kirchentag trifft, erlebt einen Mann, der zuhören kann, aber auch klar Position bezieht und diese gerne an andere Menschen weitergibt. Zusätzlich zu seinem Engagement im Fanclub ist er Mitglied der Ansgar-Freikirche in Hamburg. Der Apostel Ansgar wirkte im 9. Jahrhundert nach Christus als Missionar, auf der Kirchen-Website wird die Verbreitung des Evangeliums als oberste Priorität beschrieben. Und so verteilt Torsten am gemeinsamen Stand der christlichen Fanclubs kleine Ratgeber und erzählt von seiner Liebe zu Jesus und von den vielen unwissenden Menschen, die sich Jesus noch nicht anvertraut hätten. „Jesus liebt jeden Menschen. Nur mit den Handlungen mancher ist er nicht zufrieden.“ Dass Torsten damit auch Schwule und Lesben meint, zeugt nicht unbedingt von der Offenheit, die er selber zu leben glaubt. Natürlich würde er auch diesen Menschen versuchen zu helfen, sagt er. Dass diese Menschen im Gegensatz zu alkoholkranken Fußballfans womöglich gar keine Hilfe benötigen, scheint ihm Jesus erst noch mitteilen zu müssen.

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