Mein Kirchentag
Christustag goes Kirchentag

Freude über Annäherung und klare Unterschiede

Der Christustag, das jährliche Großtreffen des württembergischen Pietismus, fand erstmals in Kooperation mit dem Kirchentag statt.

Von Margit Mantei

Ein Menschenstrom schiebt sich dichtgedrängt die Treppe hinauf und teilt sich an einem Absperrband. Links geht es in die Schleyer-Halle zur Bibelarbeit mit Margot Käßmann, rechts zum „Christustag“ in die Porsche-Arena. „Christustag“ - das ist eine Veranstaltung der Bewegung „Lebendige Gemeinde“ in Württemberg. Seit 1969, als der damalige Stuttgarter Kirchentag in der Aufbruchstimmung jener Zeit vielen pietistisch ausgerichteten Christen zu stark von brennenden politischen Themen geprägt schien, findet er jährlich an Fronleichnam statt.

Zu Anfang hieß er „Gemeindetag unter dem Wort“. Nun, da Kirchentag und Fronleichnam zeitlich zusammenfallen, proben auch beide Veranstaltungen den Schulterschluss: Der Christustag ist in den Kirchentag integriert, bleibt aber eigenständig. Der Vorsitzende, Dekan Ralf Albrecht aus Nagold, freute sich: „Ich bin sehr, sehr dankbar, dass dies möglich war: Christustag goes to Kirchentag“, sagte er, und versicherte: „Wir spielen uns als Pietismus nicht zum Oberlehrer der Kirche auf.“ In Anlehnung an das Kirchentagsmotto stand der Christustag unter dem Thema „Dein Wort macht mich klug“. Die Porsche-Arena mit ihren über 6.000 Plätzen war fast voll besetzt. Musikalisch begeisterten Judy Bailey und Band, die Liedermacher Albert Frey und Andrea Adams-Frey und ein Bläserensemble.

Die unterschiedlichen Standpunkte, die trotz Annäherung nach wie vor zwischen Kirchentag und Christustag bestehen, wurden an einem Punkt besonders deutlich: Die Ablehnung der Judenmission durch den Kirchentag kann und will der Pietismus nicht teilen. Dass jüdisch-messianische Initiativen sich nicht am Kirchentag beteiligen dürfen, bedauerte Pastor Anatoli Uschomirski und erhielt dafür viel zustimmenden Beifall. Für ihn sei es „das Selbstverständlichste“, dass Juden an Jesus als den Messias glauben können sollen, sagte er. Die Gemeinschaft von Juden und Nichtjuden schätze er als untrennbare Teile des „Leibes Christi“. Uschomirski, Pastor und Leiter der jüdisch-messianischen Gemeinde „Schma Israel“ in Stuttgart, umarmte auf der Bühne demonstrativ Dekan Ralf Albrecht unter starkem Beifall der Besucher. Er selbst setze sich in einem Forum für jüdisch-arabisch-christliche Versöhnungsarbeit ein.

Auch für Dorothee Gabler, Dozentin der Banauer Bruderschaft Unterweissach, ist es eine große Tragik, dass das Gespräch mit messianischen Juden "nur minimalistisch" geführt wird. Sie ermunterte aber die Christustag-Besucher, sich auch in den Kirchentag aktiv einzumischen. Man könne dabei den eigenen Standpunkt einbringen und gleichzeitig von den anderen lernen, sagte sie.

In der Bibelarbeit am Morgen, in der es wie in allen Kirchentags-Bibelarbeiten um den "ungerechten Verwalter" ging, rief Mihamm Kim-Rauchholz von der Internationalen Bibelschule Liebenzell zur Barmherzigkeit mit hochverschuldeten Mitmenschen auf. Sie führte vor Augen, dass unsere eigenen Tugenden uns manchmal im Wege stünden. Im Gegensatz zu Deutschland, wo Ehrlichkeit oberste Priorität habe, wären in anderen Kulturen beispielsweise Gastfreundschaft, Teilen, Freundlichkeit höher im Kurs.

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