Mein Kirchentag
Bibelarbeit Manuela Schwesig und Wolfgang Schäuble

Gott und das Geld

Wolfgang Schäuble und Manuela Schwesig lesen ein Bibelzitat (Lukas 16, 1-13) ganz unterschiedlich – und erklären damit ihre aktuelle Politik.

Von Philipp Mangold und Phil Beng


Ein reicher Mann will seinen Geschäftsführer feuern. Dieser ruft die Schuldner des Reichen zu sich und erlässt ihnen einen Teil ihrer Schuld. Und handelt damit klug, sagt Jesus. Er kauft sich Freunde, mit fremdem Geld.

„Wenn's um das Geld von Anderen geht, sind auch die Schwaben großzügig“, sagt Wolfgang Schäuble knapp 2000 Jahre, nachdem Jesus obige Geschichte erzählte, zu seinen knapp 2.000 Besuchern im Beethovensaal der Liederhalle am Donnerstagmorgen. Ausführlicher interpretiert der Bundesfinanzminister die Bibelstelle nicht. Stattdessen erklärt er seine Finanzpolitik – und bald bekommen die Besucher das Gefühl, auf seiner Wohnzimmercouch zu sitzen.

"Unsere Werte sind attraktiv für alle"

Immer wieder guckt er mit wachen Augen ins Publikum, grinst, gestikuliert, scherzt und doziert. Unser Finanzsystem ordne das Leben, darum müssten Widrigkeiten Folgen haben – sonst breche die Ordnung zusammen. Die Ordnung in westlichen Gesellschaften nennt er soziale Marktwirtschaft – und von ihr hält er sehr viel: Mit fast missionarischem Eifer verkündet Schäuble, die westlichen Wirtschaften müssten erfolgreich sein, damit die soziale Marktwirtschaft auch ein Ziel für aufstrebende Länder sein könne. „Unsere Werte sind attraktiv für alle. Es liegt an uns, sie attraktiv zu halten.“

Erst zum Ende seiner Rede kommt Schäuble wieder auf den Bibeltext zu sprechen. Ohne Orientierung, ohne Fundament sei jede Ordnung bloß leere Hülle. Schäubles Fundament ist Gott. Und zwischen Gott und der Ordnung besteht für Schäuble eine Verbindung: „Wenn wir auf Gott ausgerichtet sind, können wir darauf vertrauen, dass auch unsere finanzielle Klugheit immer wieder in die richtigen Bahnen gelenkt wird.“

Schwesig: Macht und Geld sind ungerecht verteilt

Auch Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig geht ihre Bibelarbeit politisch an. Während Schäuble seine Auslegung der Mammon-Geschichte erklärt, sucht Schwesig in der bis auf den letzten Platz gefüllten Stiftskirche andere Schwerpunkt – im gleichen Text. Die Motive aus der Geschichte von Schuld und Schulden erscheinen der Sozialdemokratin heute so aktuell wie zu Zeiten Jesu: Konflikte in hierarchisch organisierten Unternehmen, ein allgemeiner Schuldenschnitt, Eigentümer, die sich mehr um Umsätze als um das Wohl ihrer Pächter oder Mieter scheren. Noch heute seien Macht und Geld ungerecht verteilt, das habe sich seit Jahrhunderten nicht geändert.

Schwesig ruft ihr Publikum dazu auf, eine Balance zu finden zwischen materiellen Wünschen und zwischenmenschlichen Werten. Wer Renditen über Menschen stelle, „der dient nicht Gott, egal wie oft er in die Kirche geht“, sagt sie. Gute Nachrichten hat Schwesig für Alleinerziehende: Die Ministerin kündigt an, ihnen die Doppelbelastung von Beruf und Erziehung durch Steuerentlastungen zu erleichtern. Zudem fordert sie mehr Anerkennung für solche Berufsgruppen, die sich der Pflege oder Betreuung von Menschen widmen. Immer noch würden Bänker weitaus höher wertgeschätzt als Erzieherinnen und Erzieher. „Das muss sich ändern!“ So zeigt Schwesig Verständnis für die Streiks der Kita-Angestellten. Die 40-Jährige ist selbst Mutter eines Sohnes, dessen Hort dieser Tage bestreikt wird.

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