Mein Kirchentag
Bibelarbeit Margot Käßmann

Die Logik des Marktes durchbrechen

Der untreue Verwalter als Beispiel für einen, der den Ausbruch aus der Gier nach immer mehr Geld wagt: Margot Käßmann liest das biblische Gleichnis gegen den Strich und bekennt: Wer freigiebig ist, lebt glücklicher.

Zur Entwicklung einer die Menschen und die Gemeinschaft fördernden Wirtschaft hat die Reformationsbotschafterin Margot Käßmann bei ihrer Bibelarbeit am Donnerstag in der mit 12.000 Menschen überfüllten Hanns-Martin-Schleyerhalle aufgerufen. Christen müssten gegen ein System, dass das "immer Mehr haben" zum einzigen Ziel erhebe, Widerstand leisten: "Wo immer wir die Logik des Mammons, des Marktes durchbrechen, kann sich Neues entwickeln, das überraschend ist", betonte Käßmann. Es gehe um die Entwicklung einer "Ethik des Genug".  Dass Investitionen in Rüstungskonzerne eine besonders gewinnbringende Art des Investments darstellen, bezeichnete sie als "absolute Verantwortungslosigkeit, wenn Gier zum einzigen Kriterium des Handelns wird".

Käßmann bezog sich dabei auf das biblische Gleichnis Jesu vom reichen Mann und dem untreuen Verwalter aus dem Lukas-Evangelium in Kapitel 16: Ein Reicher entlässt seinen Verwalter, der Gerüchten zufolge den Besitz seines Herrn verschleudert hat. Der Entlassene leistet keinen Widerstand, sondern ruft die Schuldner seines Herrn zusammen und erlässt ihnen eigenmächtig einen Teil der Schuld. Der Hintergedanke: Der Verwalter knüpft auf diese Weise Beziehungen, die ihm in der Zeit der Arbeitslosigkeit helfen sollen. Und Jesus tadelt diesen Mann nicht etwa, sondern lobt sein Verhalten.

Margot Käßmann übersetzte das Gleichnis in die heutige Zeit und charakterisierte dabei den Reichen als "Machtmenschen". Er sei nur an Gewinnmaximierung interessiert und handele knallhart: "So eine Art Herr Piech zu neutestamentlichen Zeiten."  Nicht Reichtum oder Macht seien dabei aus Sicht des christlichen Glaubens das Problem, sondern die Vergöttlichung von beidem. Der Verwalter dagegen sorge zwar zuerst für sich selbst und für seine eigenen Interessen, aber er "durchbricht die Logik des Systems und schafft so Wege in die Zukunft". Käßmann weiter: "Das wäre mal eine Vision für Griechenland!" 

Die Reformationsbotschafterin sprach sich deutlich gegen die Rede von den "eigenen Gesetzen des Marktes" aus, denen der Einzelne hilflos gegenüberstehe: "Nein, wir sind nicht ausgeliefert an Systeme. Wir können handeln." Das koste zwar Kraft und Nerven "und manchmal auch Bequemlichkeit und Ansehen, aber es ist eine klare Konsequenz unseres Glaubens". Es gehe für Christen  nicht um einen sich immer schneller drehenden Kreislauf der Geldvermehrung, sondern "um einen Segenskreislauf". Käßmann weiter: "Wer freigiebig ist, lebt glücklicher." Ihr Fazit: "Dienen wir Gott und nicht dem Gott Mammon! Auch in der Welt des Mammon lässt sich das Leben in Verantwortung vor Gott und den Menschen gestalten!"

Diese Seite teilen

Bleiben Sie immer über unsere neuesten Aktivitäten informiert.
Abonnieren Sie unseren regelmäßigen Newsletter.