Mein Kirchentag
Bibelarbeit Christina aus der Au

"Geld soll dem Reich Gottes nicht im Wege stehen"

Im Haus der Wirtschaft geht es, ganz klar, ums Geld. Auch beim Kirchentag: Die Schweizer Theologin Christina Aus der Au, designierte Präsidentin des Kirchentags 2017, ließ den Reichen Mann, seinen Verwalter und "Frau Schmidt" live auftreten,über Sparen und Ausgeben räsonnieren - und auf Calvin und Luther lauschen.

von Wolfgang Heilig-Achneck

Gleich drei Bibelarbeiten lockten Kirchentagsteilnehmer ans Haus der Wirtschaft. Lange vor Beginn waren die Reihen gefüllt. Wer draußen ausharrte, konnte eine der Bibelarbeiten zum größeren Teil dann doch noch miterleben: Christina Aus der Au hatte die Erzählung vom wohlhabenden Besitzer und seinem der Untreue bezichtigten Verwalter szenisch aufbereitet - mit verschiedenen Stationen auch vor dem Haus und in der Nachbarschaft. Die Zuhörer wurden damit zum wandernden Gottesvolk. Und rasch war klar: Was da verhandelt wird, ist alles andere als eine verstaubte Geschichte von vorgestern.

"Deutschland ist glänzend durch die Weltwirtschaftskrise gekommen, das Wohlstandsniveau ist hoch, die Steuereinnahmen sprudeln - alles das Ergebnis harter, geradliniger, protestantisch-asketischer Arbeit", lässt Aus der Au den reichen Mann sagen. Und wie eine Glücksformel den Zusammenhang von Wohlstand, Wirtschaftskraft, Innovation, Unternehmergeist, Freiheit und Vertrauen betonen. "Weitermachen, mithalten, dranbleiben", lautet das Credo des Verwalters, der "gleich mal ein paar Schuldscheine anpasst". Und dann ist da "Frau Schmidt", offenkundig eine Verwandte der viel beschworenen schwäbischen Hausfrau. Mit ihrem Sparstrumpf und dem reparaturbedürftigen Dach ihres Häuschens gerät sie, mit roter Nase und Hütchen liebevoll verkörpert von der Theologin und Clownin Brigitte Becker, auf ihre Art ins Grübeln.

Die Tour führt zum Reformationsdenkmal an der Hospitalkirche, wo "Frau Schmidt" auf klare Ansagen hofft. Nicht prinzipiell sei der Handel mit Geld verboten, erfährt sie von Calvin, der zwischen "schädlichem Wucher" und "produktivem Umgang" unterscheidet. Und wie er will auch Luther, der Zins und Wucher eigentlich grundsätzlich ablehnt, im Zweifel wenigstens die Armen teilhaben lassen an den Erträgen. Wie aber sieht richtiges und kluges Handeln heute aus? "Frau Schmidt" klettert zu Jesus hoch, der in der Mitte thront, legt ihren Sparstrumpf bei ihm ab und empfiehlt den Umstehenden, die Dinge mal aus seiner Perspektive zu betrachten. Fazit: "Und jetzt sollen wir so handeln mit unserem Geld, dass es dem Reich Gottes nicht im Wege steht. Oh, das ist nicht grad einfach."

Diese Seite teilen

Bleiben Sie immer über unsere neuesten Aktivitäten informiert.
Abonnieren Sie unseren regelmäßigen Newsletter.