Mein Kirchentag
Verpflegung

Morgens um sechs ist der Salat noch auf dem Feld

Tausende freiwillige Helfer müssen auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag verpflegt werden. Eine logistische Mammut-Aufgabe? Nicht für Matthias Fischer.

Von Timo Nicolas und Gesa Steegers

Matthias Fischer ist der Koch der Massen. Alles an ihm ist groß: Seine Hände, sein Kopf, er selbst - aber auch die Wannen und großen Kessel, in denen er 750 Liter Suppe braut. Während er und sein Team Dutzende Kisten Salat waschen, Wagenladungen Kartoffeln schälen und kiloweise Nudeln kochen, warten hinter einer Trennwand schon hunderte hungriger Mägen auf ihr Essen.

Kirchentag ist Ausnahmezustand. Aus ganz Deutschland reisen in diesen Tagen einige Tausend Freiwillige nach Stuttgart, die neben Schlafplätzen auch reichlich Verpflegung brauchen. Für das Sattmachen ist Matthias Fischer, Chef der Catering-Firma "Kommando Verpflegung", zuständig. In den Hoch-Zeiten versorgt er in seiner Zelt-Küche bis zu 3500 Helfer mit Mittag- und Abendessen. "Etwa zehn Tonnen Lebensmittel werden hier bis zum Ende des Kirchentags über die Theke gehen", schätzt Matthias Fischer. Der Chef der Verpflegung, Dag Luther, rechnet mit insgesamt 36.000 Portionen.

Kochen ganz nah am Gast

Für Matthias Fischer kein Problem. Im Gegenteil: "Das ist ein Traum, der hier stattfindet", sagt er. Kochen ganz nah am Gast und das in möglichst großen Dimensionen. Das Essen kommt direkt aus dem Topf auf den Teller. Die typischen Warmhalter der Großküche sucht man bei Fischer vergebens Das Küchen-Equipment hat er mitgebracht. 45 Leute arbeiten in zwei Schichten. Geliefert wird Regionales. Manchmal direkt vom Feld: "Der Salat steckt um sechs Uhr morgens noch in der Erde." Das Angebot bestimmt den Speiseplan und Überschüsse gehen wieder zurück zum Großhändler. Weggeworfen wird so wenig wie möglich. Um das sicherzustellen, wird nicht auf Masse gekocht, sondern auf Nachfrage. „Wenn wir zehn Prozent mehr kochen würden, wäre das weniger Personalaufwand“, sagt Matthias Fischer. Aber darum geht es nicht.

Bis 2019 will der Deutsche Evangelische Kirchentag (DEKT) die Verpflegung von Mitarbeitenden, Helferinnen und Helfern komplett auf Bio umstellen. Die CO2-Emissionen sollen gesenkt, der Fleischkonsum gemindert werden und Vegetarisches in den Vordergrund rücken. "Ökologisch, regional, saisonal. Das sind unsere Stichpunkte in Sachen Verpflegung", sagt Christof Hertel, Leiter der Umweltprojekte des DEKT. Schon heute sind 55 Prozent der Mitarbeitenden-Verpflegung Bio. Bei den Gästen auf dem Neckarparkgelände in Bad Cannstatt sind es sogar 90 Prozent. Matthias Fischers Traum wird in ein paar Tagen vorbei sein. Bevor es soweit ist, wird er noch viele Menschen satt und glücklich machen.

Video von Leonie Heim und Hannes Leitlein

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