Das Plakatmotiv des Stuttgarter Kirchentages zeigt ein Suchfeld, wie man es in Internetbrowsern findet, auf rotem Hintergrund.

Stuttgart 2015

35. Deutscher Evangelischer Kirchentag
3. bis 7. Juni 2015

damit wir klug werden

(Psalm 90,12)

Bilanz von Kirchentagspräsident Andreas Barner

"Selten fand ein Kirchentag zu einer Zeit statt, die mehr von Konflikten, Bürgerkriegen, Kriegen, internationalem und lokalem Terrorismus und von Flucht vieler Menschen belastet ist als heute. Die Welt ist, so der Titel einer Veranstaltung mit Kofi Annan und Frank-Walter Steinmeier, 'aus den Fugen'. Das aus der Flucht vieler Menschen entstehende unermessliche Leid, das sich in einem wirklich ungeahnten Ausmaß für uns ganz deutlich an den Südgrenzen Europas zeigt, verlangt unsere klare Position, Hilfe und Unterstützung. Die Flüchtlingsproblematik an den europäischen Südgrenzen ist unerträglich. Eine Resolution des Kirchentages, die in ihrer Sprache nicht klarer sein könnte, fordert ein, alles dafür zu tun, dass die Flüchtlingsproblematik anders gelöst wird, als dies heute der Fall ist. Bootsflüchtlinge – und damit verbunden die vielen ertrunkenen Menschen – sind keine Lösung. Es muss und kann andere Wege geben, Asylsuchende bei dieser Flucht nicht der Lebensgefahr einer von windigen Schleppern organisierten Bootsüberfahrt auf miserablen Schiffen über das Mittelmeer auszusetzen."

Statistik

Den Stuttgarter Kirchentag besuchten insgesamt 97.127 Dauerteilnehmende und 36.200 Tagesteilnehmende. In den Gemeinschaftsquartieren kamen insgesamt 222.296 Brötchen auf den Tisch. Mehr Statistiken finden Sie in unserer Meldung Kirchentag in Zahlen.

Bibelarbeiten (Auswahl)

Donnerstag: Lukas 16,1-3, Klug handeln - mit dem Mammon?

Freitag: Prediger 3,9-13, Klug sein angesichts der Unergründlichkeit des Lebens

Samstag: Matthäus 25,1-13, Kluge junge Frauen

Bildergalerie

Pressestimmen

Gebt uns das Paradies zurück

Stuttgarter Zeitung, 9. Juni 2015, Holger Gayer

"Volle Straßen, Regen und Blitz statt Sonnenschein: StZ-Lokalchef Holger Gayer vermisst den Kirchentag und hätte da eine Idee: Die Großveranstaltung geht in die Verlängerung – zumindest bis zum 26. Mai 2016.
Verzeihung, liebe Kirchentagsorganisatoren, aber könnten wir uns nochmal kurz zusammensetzen, bevor Ihr allesamt abgereist seid? Wir sollten da eine Kleinigkeit besprechen. Die Sache ist nämlich die: Wir wollten Euch fragen, ob Ihr den Kirchentag nicht bis auf Weiteres verlängern könntet."

Kofi, Statthalter auf Erden

taz. die tageszeitung, 7. Juni 2015, Jan Feddersen

"Schuldenerlass für Griechenland; Gerechtigkeit für die Armen; Schluss mit prekären Arbeitsverhältnissen, der Entschleunigung eine Chance; Ende mit der Massentierhaltung; Öko ist eine persönliche Sache – achte auf einen CO2-Fußabdruck; Inklusion für alle; Flüchtlinge retten – alles war mit im Spiel, das die Republik insgesamt irgendwie beschäftigt: Wer das Maximale forderte, wer all das als Eingeladener zur Sprache brachte, bekam prasselnden Applaus.
Und am stärksten von allen, einmal mehr, erntete diesen Margot Käßmann, einst Bischöfin von Hannover und Kirchentagsikone schlechthin, die populärste Frau der evangelischen Volkskirche. Schuldenerlass für Griechenland – sie hatte diese Chiffre kaum ausgesprochen, da begannen sich vieltausend Hände zur Zustimmung zu regen."

Kirchentag prägt die Stadt – Stadt prägt den Kirchentag

Stuttgarter Nachrichten, 8. Juni 2015, Martin Haar

"Stuttgart ist wach, streitbar, diskussionsfreudig. 'Das war stadtprägend', sagt Bischof-Sprecher Oliver Hoesch. Auch Oberbürgermeister Fritz Kuhns ist von der Diskussionskultur, der Friedfertigkeit, aber auch der Ernsthaftigkeit begeistert, mit der um Gemeinschaft gerungen wurde. Stuttgart war aus Kuhns Sicht ein guter Boden für ökologische Themen und Denkanstöße. 'Ich bin stolz auf die Stadt', sagt Kuhn, 'wir konnten Akzente setzen und beispielsweise bei der Flüchtlingsdebatte zeigen, dass wir mit unserem Stuttgarter Weg richtig liegen.'"

Stadt der Begegnung

Stuttgarter Nachrichten, 8. Juni 2015, Jan Sellner

"Die Welt ist komplizierter geworden – das spiegelt sich auf den Kirchentagen wider. Stuttgart reihte sich da ein. Der 'Friedenskirchentag', von dem anfangs die Rede war, gewann insofern kein scharfes Profil. Es blieb bei Deutungsversuchen, ergänzt um einige Resolutionen. Das muss allerdings kein Schaden sein. Kirchentagspräsident Andreas Barner und Generalsekretärin Ellen Ueberschär stellten bei dem Christentreffen in Stuttgart eine 'neue Nachdenklichkeit' fest. Das trifft es ganz gut. Die Diskussionen fanden weniger auf offener Bühne statt als vielmehr im Kleinen – 'zwischen den Luftmatratzen in den Gemeinschaftsunterkünften', wie es die Pastorin Nora Steen am Sonntag beim Abschlussgottesdienst auf dem Cannstatter Wasen formulierte. Auffallend war eine Atmosphäre des Respekts und der Achtsamkeit."

Die Protestanten brauchen dringend neue Themen

Die Welt, 8. Juni 2015, Matthias Kamann

"Gerade das Treffen von Stuttgart hat gezeigt, wie sehr die evangelische Kirche eine neue verbindende Idee, eine mobilisierende Thematik braucht. Große Vorsicht ist angebracht bei der Forderung, die Protestanten sollten einfach frommer werden. Denn der religiöse Ernst ist auf Kirchentagen schon jetzt groß. An jedem Morgen versammelten sich in Stuttgart mehr als 100.000 Menschen bei kaum auszuhaltender Hitze zu Bibelarbeiten. [...] An sich ist der Kirchentag gar nicht so links, die Radikalen kommen von außen. Und auf jedem Podium sitzt auch immer jemand - hier Gabriel -, der zum unvoreingenommenen Blick auf die Realitäten auffordert. Aber weil das Kirchentagspräsidium versucht, den alten Weltverbesserungsschwung zu konservieren, und viele Moralutopisten auf die Podien lädt, entsteht dann doch der Eindruck einseitigen Politisierens. Sodass etwa das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in einer Einschätzung des Kirchentages Grund hatte zu dem Einwand, das Protestantentreffen mache trotz seines Mottos 'damit wir klug werden' die Menschen ökonomisch nicht klüger, da 'die positiven Folgen der Globalisierung' übergangen und viele 'Fakten ausblendet' würden."

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