„Wenn Dein Kind Dich morgen fragt …“

Hannover 2005

30. Deutscher Evangelischer Kirchentag
25. bis 29. Mai 2005

Wenn Dein Kind Dich morgen fragt …

(5. Mose 6,20)

Schlussgottesdienst in Hannover

Kultur des Fragens

Wenn es einen gemeinsamen Tenor der Kommentierung und Interpretation des 30. Deutschen Evangelischen Kirchentags in Hannover gibt, dann ist es die Beschreibung, dieser Kirchentag sei auf bemerkenswerte Weise „spirituell und politisch“ gewesen. Zwar mag man darin auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches sehen, hatte doch schon beim Kirchentag in Hannover 1983 der damalige Kirchentagspräsident Erhard Eppler die Formel aufgestellt, der Kirchentag sei politisch weil fromm und fromm weil politisch. Doch hat sich etwas verändert: Mit dem Begriff „spirituell“ ist eben nicht mehr »fromm« gemeint. Der Kirchentag 2005 hatte eine andere Farbe als seine Vorgänger, indem er deutlich machte, dass die geistige und geistliche Dimension und ihre Durchdringung der Lebenswirklichkeit die Grundvoraussetzung für menschliches, gesellschaftliches und politisches Engagement der Christinnen und Christen ist.

In diesem Sinne hat auch die Losung: „Wenn dein Kind dich morgen fragt …“ den 30. Deutschen Evangelischen Kirchentag geprägt. Ein Satz aus dem 5. Buch Mose, der an die Tradition des Glaubens, an die Erzählkultur im jüdisch-christlichen Glauben und an die grundsätzliche Zukunftsorientierung des Menschen verweist und somit alle Dimensionen unserer Existenz umfasst. Besonders sind in Hannover Fragen von Gegenwart und Zukunft, etwa im Sinne unserer demographischen Entwicklung, aufgeworfen und in einer neuen Kultur des Fragens bearbeitet worden – das heißt: im Wissen darum, dass Fragen über das Bekannte und Bestehende hinaus führen; dass sie Räume öffnen und den Horizont weiten; dass sie eine Begegnung mit dem Neuen, Unbekannten, Ungewussten ermöglichen und immer auch den Fragenden selbst in Frage stellen – und dass sie, wo sie das tun, Platz für die Begegnung mit Gott schaffen.

Doch Fragen sind kein Selbstzweck. Fragen suchen Antworten. So auch der Kirchentag, der in guter protestantischer Tradition unterschiedliche, zuweilen konkurrierende Antworten miteinander ins Gespräch brachte und strittig diskutierte. Besondere Themenschwerpunkte waren dabei neben dem demographischen Wandel die Gestaltung der Globalisierung sowie die Zukunft der Kirche. Stets ging es dabei um die Suche nach Lösungen für die drängenden Fragen der Zeit, um Verständigung auf Werte und Normen, die unserem Handeln Ziel und Richtung geben – und dies getragen von der Überzeugung, dass Gott das Maß aller Dinge ist.

Die auf dem Kirchentag erprobte Kultur des Fragens beschränkte sich aber nicht auf das Ringen um Antworten – sie prägte auch seine Spiritualität, die neben neuen Verstehensräumen auch neue Erfahrungsräume öffnete. Bemerkenswert, dass dabei die Dimension des Politischen nicht verloren ging: Beherzt handeln lautete die Parole, eine Globalisierung der Herzen wurde zum Postulat.

Aus dem Vorwort der Herausgeber zum Dokumentarband

Messehalle
Horst Köhler
Karl Lehmann

Themen und Bibeltexte

Die drei Themenbereiche des Kirchentages in Hannover waren gemäß der Losung als Fragen formuliert. "Wie können wir glauben?", "Wie sollen wir leben?" und "Wie wollen wir handeln?". Als Bibelstellen für die Bibelarbeiter dienten Maleachi 2, 17 bis 3,24 (Donnerstag), Markus 10, 13-16 (Freitag) und 5. Mose 6, 1-25 (Samstag).

Zu den Bibelarbeitern gehörten Heinz Rudolf Kunze, Brigitte Messerschmidt, Hamideh Mohagheghi, Angela Merkel, Christian Führer, Marlene Crüsemann, Frank-Walter Steinmeyer, Janice Love, Jörg Zink und Johannes Rau.

Die Hauptvorträge hielten Wolfgang Huber, Jürgen Fliege und Christina von Braun; Anna Lührmann, Kurt Biedenkopf, Regine Kollek und Bert Rürup sowie Richard von Weizsäcker und Prinz Al Hassan bin Talal.

Helferinnen
Kerzenmeer
Losungsstein

Willkommen zu Hause!

Dem Kirchentag kann ich heute nur sagen: Herzlich willkommen zu Hause! 1949 wurde er hier von Gustav Heinemann per Akklamation ausgerufen. Kirchentagsinitiator Reinold von Thadden-Trieglaff wollte die Evangelischen unterweisen, damit sie nie wieder in die Irre gehen, wie zur Zeit des Nationalsozialismus. Kirchentage waren daher von Anfang an beides, ein Fest und ein Manifest des Protestantismus in Deutschland, ein Fest des Glaubens und die Konfrontation der Evangelischen mit den Herausforderungen der Zeit. Nach 1949, 1967 und 1983 hat die hannoversche Landeskirche den Kirchentag ein viertes Mal zum 50-jährigen Jubiläum 1999 eingeladen. Der Zeitpunkt war nicht realisierbar, weil der Leipziger Kirchentag eingeplant werden musste, dann Hannover durch die EXPO-Zeit beansprucht war und schließlich der Ökumenische Kirchentag in Berlin stattfand. So haben wir lange gewartet, dass die Gäste kommen, und freuen uns jetzt, dass dieses evangelische Großereignis bei uns stattfinden kann.

Landesbischöfin Margot Käßmann auf der Eröffnungspressekonferenz

Wasserspiele
Menschenmenge
Park in Hannover
Kirche von Innen

Statistiken

102.428 Dauerteilnehmende, 33.941 Mitwirkende und 4.386 Helferinnen und Helfer schliefen in 169 Schulen oder in 6.743 Privatquartieren. Sie saßen auf 56.000 Papphockern, besuchten 3.045 Veranstaltungen und trugen 70.000 Kirchentags-Schals.

Die vollständige Statistik

Lass leuchten dein Gesicht

"Lass leuchten" war das Motto des Abends der Begegnung. Die Onlineredaktion hat die Assoziationen der Besucherinnen und Besucher dazu abgefragt.

Lesen, hören und sehen Sie die gesamte Berichterstattung der Onlineredaktion.

Mehr als dies

Wenn dein Kind dich morgen fragt
wozu sind wir auf der Welt
wenn es anfängt sich zu wundern
wenn es wissen will was zählt

Seine Augen sind so groß
wie ein weites Menschenmeer
dann bleib nicht die Antwort schuldig

fällt sie dir auch manchmal schwer

Was man ganz tief drinnen spürt
das kommt nicht von ungefähr
glaub mir denn es existiert

Mehr als dies

Heinz Rudolf Kunze auf der Bühne

"Nach meiner tiefsten Überzeugung gibt es mehr als dies, mehr als uns, mehr als das Diesseits. Bis ich das Lied geschrieben habe, war ich als evangelischer Christ eher eine wohlwollende Karteileiche. Ich finde, dass es keineswegs etwas Überholtes ist, zu seinem Glauben zu stehen. Die Zugehörigkeit zum Christentum ist mir mehr wert als diese allgemeine Beliebigkeit vieler Menschen, die sich für modern halten", so kommentierte Heinz Rudolf Kunze seine Motivation, gemeinsam mit seinem langjährigen musikalischen Partner Heiner Lürig einen offiziellen Motto-Song für den Kirchentag zu schreiben. "Mehr als dies" erschien 2005 auch auf Kunzes Album "Das Original".

Vollständiger Text und Notensatz auf Heinz Rudolf Kunzes Website
Lied auf Spotify streamen
epd-Meldung zur Vorstellung des Songs

Markt der Möglichkeiten
Markt der Möglichkeiten
Zentrum Kinder
Bühne am Abend

Ihr habt die Welt verändert

Hat sich die Welt in den letzten Tagen verändert? Meine Antwort lautet "Ja" – ihr habt die Welt verändert! Und das meine ich nicht in einem überheblichen Sinne. Jede und jeder von uns hat sich in diesen Tagen verändert. Das Individuum als Teil eines Ganzen: wie das Bild der 300.000 Kerzen, die die Stadt Hannover erleuchtet haben. Stille kann verbinden und hinauswirken in dieWelt derer, die es sehen. Die Botschaft ist klar: Jeder kann etwas verändern, kann mit Mut und Zuversicht die Wege einer ganzen Gesellschaft in Gegenwart und Zukunft mit bestimmen.

Wort des Kirchentagspräsidenten Eckhard Nagel beim Schlussgottesdienst

Helferinnen
Blick von der Bühne
Bühne bei Nacht
Gäste bei Nacht
Schlussgottesdienst
Zentrum Kinder
Kerzenmeer
Schilderträger
Müllmafia
Lachendes Mädchen
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