Hamburg 2013

34. Deutscher Evangelischer Kirchentag.
1. bis 5. Mai 2013

Warum haben wir die Parabel als Erzählform gewählt?

Weil wir früh zu der Überzeugung gelangt sind, dass wir nur auf diese Weise sowohl Dietrich Bonhoeffer gerecht werden, als auch die Möglichkeiten der Oper ausschöpfen können. Das Genre Oper ermöglicht mit unmittelbarer Wirkung in das Innerste einer handelnden Person zu blicken bzw. sich von diesem berühren zu lassen.
Die Erzählform der Parabel erlaubt uns, die Grenzen des historischen Geschehens hinter uns zu lassen und also die Stärke der Oper, die Inhalte verdichtet und überhöht, zu nutzen. Es war unser zentrales Bedürfnis, das Wesen Dietrich Bonhoeffers als einem frühen und mutigen Zeugen unrechten Geschehens aufzuspüren und nicht nur dem Menschen ein Denkmal zu setzen. Anders gesagt: wir erzählen eine Geschichte, die ohne Wissen um Dietrich Bonhoeffer und das Geschehen in Deutschland zwischen 1933 und 1945 verstanden werden kann. Die Geschichte des Librettos folgt der Logik eines totalitären Systems, das in einem Einzelnen die Fragen nach Verantwortung, Glauben, Widerstand und Schuld aufwirft.
Theresita Colloredo und David Gravenhorst

Warum eine Oper über Dietrich Bonhoeffer

Ein Thema wie Dietrich Bonhoeffer in die Hand von Künstlern zu legen und die Aufführung einer Oper zum Ausgangspunkt zu machen für theologische, politische, ethische Diskurse im Rahmen des Kirchentags - das ist eine kreative Idee. Sie ist bedeutsam, weil dies eine Demokratisierung utopischen Denkens ist, durch die Förderung der Phantasie. Die kreative Suche nach neuen Möglichkeiten ist tatsächlich ein politisches Mittel, um angesichts von gesellschaftlichen Krisen nicht Resignation und Passivität zu verfallen.
Für mich ist die Theaterarbeit eine sehr genaue Art des Hinschauens, um - ganz einfach gesagt – zu verstehen was war und zu begreifen was ist, und um das, was sich daraus schließen lässt, weiter zu spielen in die Zukunft. Wenn ich mich nun auf dem Theater mit dem Leben und Denken Dietrich Bonhoeffers beschäftige, so ist die Oper im Vergleich zu einer Photo- oder Filmdokumentation sicher die weniger geeignete Kunstform, um historische Realität abzubilden. Aber die Oper kann durch die Dimension der Musik besonders das zum Ausdruck bringen, was so oft unsagbar, unfassbar und unbegreiflich ist. Die verborgenen Antriebe, die hehren oder verheerenden Emotionen, die emotionale Dynamik von utopischen Perspektiven, Wunschträumen und Alpträumen sind deshalb so interessant, weil sie über die Wirklichkeit hinaus weisen und doch entscheidender Teil der Wahrheit sind. In der Oper geht es um eine Figur, die dem Denken, Schreiben und Handeln Dietrich Bonhoeffers nachgestaltet ist. Wir stellen ihn aber in eine erfundene Geschichte, die heutiges wie historisches Zeitgeschehen in Form eines Gleichnisses verdichtet und die archaische Dynamik von Krieg und Frieden, Weltgerechtigkeit und Ungerechtigkeit thematisiert.
Kirsten Harms

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