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Resolutionen beim Kirchentag

Hamburg 2013

34. Deutscher Evangelischer Kirchentag.
1. bis 5. Mai 2013

Hoffnung am Regenbogenhimmel

Silke Lechner, Studienleiterin des Kirchentags und Koordinatorin des Resolutions-Verfahrens, über die Renaissance von Resolutionen und den Kampf für gleichgeschlechtliche Lebensformen

In den 1990er Jahren waren Resolutionen kaum mehr ein Thema auf dem Kirchentag, jetzt erleben sie offensichtlich eine Renaissance. Wie kommt das?

Öffentliche Meinungsäußerung, wie wir sie zum Beispiel bei Stuttgart 21 erleben, nimmt auch beim Kirchentag wieder zu. Diesmal wurden vor Beginn schon 14 Resolutionen eingereicht, viel mehr als bei den letzten Kirchentagen. Die Themen reichen von Rechtsextremismus auf Facebook bis zu Rüstungsexporten. Das freut mich, weil ich es gut finde, wenn Kirchentagsteilnehmende aktiv mitwirken und politische Impulse geben statt nur zuzuhören.

Allerdings ist das Verfahren ja recht aufwändig – es dürfen nur Kirchentagsteilnehmende abstimmen und man muss sich dafür im Internet registrieren.

Wer nicht so internetaffin ist, kann sich auch während des Kirchentags noch in Listen eintragen. Trotzdem kann man natürlich darüber nachdenken, die Abstimmung auch für Leute von außen zu öffnen. Vielleicht werden wir das in Zukunft tun. Bisher ist der Gedanke dahinter, die Meinung von Kirchentagsteilnehmenden zum Ausdruck zu bringen. Es sollen weder allgemeine Resolutionen noch offizielle Stellungnahmen des Kirchentags sein.

In diesem Jahr hat die Resolution „Für die theologische und kirchenrechtliche Gleichstellung der Menschen aller sexuellen Identitäten“ als erste die für die Abstimmung erforderlichen 100 Stimmen erhalten. Warum bewegt die Menschen gerade dieses Thema?

Mich hat das auch erstaunt. Die Resolutionen gegen Rüstungsexporte und Menschenhandel haben ja viel weniger bekommen. Offensichtlich sind gleichgeschlechtliche Lebensformen ein Thema, das gerade innerkirchlich viele Menschen bewegt. Hier dient der Kirchentag als Plattform, um die eigene Kirche anzustupsen.

Aber was können Resolutionen bewirken? Beim Kirchentag in Dresden wurde die Resolution „Raum für gleichgeschlechtliche Lebensformen in der Kirche“ beschlossen. Gebracht hat das offensichtlich nichts.

Bei dem Thema finden Veränderungen nicht von einem auf den anderen Tag statt. Nach Dresden ist schon einiges passiert, zum Beispiel sind in der sächsischen Landeskirche Entscheidungen zugunsten gleichgeschlechtlicher Paare im Pfarrhaus getroffen worden. Das hat sicherlich nicht alleine die Resolution bewirkt, aber sie hat auf jeden Fall dazu geführt, dass sich mehr Leute dem Thema geöffnet haben.

Das lässt hoffen. Kann ich spontan noch eine Resolution einbringen?

Ja, das ist möglich. Allerdings kann man nur dort Resolutionen in Veranstaltungen einbringen, die thematisch zur Resolution passen und bei denen mindestens 500 Leute anwesend sind. Veranstaltungen draußen zählen nicht. Wer eine Stunde vor Schluss mindestens 100 Stimmen gesammelt hat, darf seine Resolution zur Abstimmung stellen. Beim „Markt der Möglichkeiten“ kann man Resolutionsbeiträge auslegen. Die genauen Regeln stehen auf der Kirchentagsseite im Internet.

von Gabriele Meister

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