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Hamburg 2013

34. Deutscher Evangelischer Kirchentag.
1. bis 5. Mai 2013

Gemeinsam für soziale Gerechtigkeit

Mit einer sogenannten Brückenveranstaltung zum 1. Mai haben Vertreter des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) und des 34. Deutschen Evangelischen Kirchentags ihre gemeinsamen Anstrengungen für soziale Gerechtigkeit hervorgehoben.

Unter dem Titel „Soviel Gerechtigkeit du brauchst“ und in Anlehnung an das Kirchentags-Motto „Soviel du brauchst“, betonte die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs, es sei notwendig, gemeinsam Verantwortung für gesellschaftliche Probleme wahrzunehmen.

Die Kirche kann von den Gewerkschaften lernen

Fehrs mahnte in ihrer Grußbotschaft an, dass die Kirche von den Gewerkschaften lernen könne. Dies gelte beispielsweise für das kirchliche Arbeitsrecht, bei dem einiges im Argen liege. „Human ist eine Gesellschaft nur, wenn sie die Rechte aller an ihr Beteiligten unterstützt“, erklärte Fehrs. Kirchentagspräsident Gerhard Robbers wollte das Christentreffen als Forum verstehen, „um die Frage nach Gerechtigkeit kontrovers und aus verschiedenen Perspektiven zu diskutieren“. Man müsse sich mit gesellschaftspolitischen Themen auseinandersetzen. „Daher haben wir die Gewerkschaften mit ins Boot geholt“, sagte Robbers.

Der Mindestlohn ist ein Anfang

Auch die Debatte über einen gesetzlichen Mindestlohn war auf der Bühne am Fischmarkt ein Thema. Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) sagte: „Es geht darum, dass nicht nur diejenigen, die arbeiten, gerecht entlohnt werden, sondern auch darum, dass Vermögende ihren gesellschaftlichen Beitrag leisten.“ Der Hamburg DGB-Vorsitzende Uwe Grund bezeichnete die Einführung des Mindestlohns in Hamburg als begrüßenswerten Anfang, kritisierte jedoch: „8,50 Euro die Stunde reichen nicht aus, um eine Familie zu ernähren.“ Umso mehr müsse man sich bemühen, dass der Mindestlohn noch in diesem Jahr bundesweit Gesetzeskraft erhalte und darüber hinaus Rahmenbedingungen für „gute Arbeit“ geschaffen würden.

„Marx war ein verlorener Sohn des Christentums“

Kirchentagspräsident Robbers erklärte im Anschluss an die Brückenveranstaltung: „Im Grunde war Karl Marx ein verlorener Sohn des Christentums, der die Notwendigkeit gewerkschaftlicher Bewegungen früh erkannt hat. Die Kirche ist erst später in diese Richtung gegangen.“ Die Gesellschaft heute brauche Kirchen und Gewerkschaften gleichermaßen als starke Organisationen, „die sich für diejenigen einsetzen, die es nicht so dicke haben“, so Robbers.

An der traditionellen gewerkschaftlichen Maidemonstration und -kundgebung nahmen nach Schätzungen der Polizei rund 5.300, nach Angaben des DGB mindestens 6.000 Menschen teil. Zur gemeinsamen Brückenveranstaltung auf dem Fischmarkt kamen noch etwa 1.500 Menschen.

von Lukas Meyer-Blankenburg

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